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Separatisten könnten Mehrheit verteidigen

Die katalanischen Separatisten könnten einer Nachwahlbefragung zufolge ihre absolute Mehrheit im Regionalparlament von Barcelona verteidigen. Offizielle Ergebnisse werden gegen 22 Uhr erwartet.

Die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens könnten in Barcelona an der Macht bleiben. Einer Prognose zufolge könnten sie die absolute Mehrheit im Parlament verteidigen. Wie eine am Donnerstagabend veröffentlichte Nachwahlbefragung der Zeitung ‘La Vanguardia’ ergab, kommen die entsprechenden Parteien wohl auf 67 bis 71 Abgeordnete im Regionalparlament, wo es insgesamt 135 Sitze gibt. Die Gegner der Abspaltung kommen demnach auf 55 bis 62 Sitze. Offizielle Ergebnisse werden gegen 22 Uhr erwartet. Sollte sich die Prognose bestätigen bleiben, würde die Unsicherheit über Kataloniens Zukunft weitergehen.

Umfragen vor der Wahl hatten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern einer Abspaltung von Spanien hingedeutet. Die Zentralregierung in Madrid hatte in einem für Spaniens Demokratie beispiellosen Verfassungskonflikt die separatistische Regierung Ende Oktober entmachtet und Neuwahlen angesetzt.

Bei der Wahl, die für die wohlhabende Region als wegweisend angesehen wird, zeichnete sich eine vergleichsweise hohe Beteiligung ab: Sie lag um 18 Uhr bei knapp 70 Prozent. 2015 waren es zur gleichen Zeit 63 Prozent. Zur Wahl aufgerufen waren etwa 5,5 Millionen Katalanen.

Zuletzt hat es Signale der Entspannung vonseiten der Unabhängigkeitsbefürworter gegeben. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hoffte daher auf eine Rückkehr der Region zur Normalität. Ein Sieg der Separatisten könnte dagegen mehr Zweifel an seiner Krisenpolitik aufkommen lassen.

Der abgesetzte und nach Belgien geflohene katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hatte die Unabhängigkeit der Region ausgerufen und damit das Eingreifen der Zentralregierung ausgelöst. Bereits das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober war von der spanischen Justiz als illegal kassiert worden. Die Verfassung Spaniens von 1978 sieht eine Abspaltung einer Region nicht vor.

Puigdemont äußerte sich aus dem Exil heraus kämpferisch: ‘Heute demonstrieren wir erneut die Kraft eines unbeugsamen Volkes. Auf dass uns der Geist des 1. Oktober stets leiten möge’, twitterte er. Da ihm in Spanien die Verhaftung als Aufrührer droht, konnte er seine Stimme nicht persönlich abgeben. Stattdessen machte eine mit Vollmacht ausgestattete 18-jährige Katalanin in einem Wahllokal nahe Barcelona das Kreuz für ihn.

Katalonien ist etwa so groß wie Belgien und liegt im Nordosten des Landes an der Grenze zu Frankreich. Die Region hat eine eigene Sprache und Kultur und ist vergleichsweise wohlhabend. Die Wirtschaftsleistung ist höher als die Portugals und trägt maßgeblich zum spanischen Wachstum bei. Der Konflikt um die Unabhängigkeit hat jedoch zu Verunsicherung geführt: Zahlreiche Firmen in der Region haben ihren Sitz in andere Regionen verlegt.

An den Märkten wurde die Abstimmung mit Spannung verfolgt: ‘Die Wahl in Katalonien ist das letzte große Ereignis für die Börsianer in diesem Jahr’, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Ein starkes Ergebnis der Unabhängigkeitsbewegung könne noch einmal für Verunsicherung an den Märkten sorgen.1p1p


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