© moodboard/Getty Images© moodboard/Getty Images

solvent

Nicht nachlassen

Die positiven Konjunkturerwartungen mögen dazu verleiten, sich auf dem erreichten Status quo auszuruhen. Tun Sie genau das nicht, warnen die Banken ihre Geschäftskunden, sondern bleiben Sie wachsam und beweglich.

Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

„Aktuell sind es vor allem internationale und politische Risiken, die den Aufschwung in Deutschland bedrohen. Doch lassen sich weder die Eintrittswahrscheinlichkeiten noch die wirtschaftlichen Folgen solcher Risiken gut abschätzen.
Für die Weltwirtschaft wäre es besonders folgenreich, wenn die hohe Verschuldung des privaten Sektors in China zu finanziellen Verwerfungen führen würde. Oder wenn sich die Nordkoreakrise zuspitzen würde.“

Ralph Solveen, Commerzbank

„Neben schwer zu quantifizierenden Faktoren wie Kriegen liegen die Hauptrisiken für die Weltwirtschaft weiter in der immer größeren Verschuldung des privaten Sektors in China und den Tendenzen zu einem stärkeren Protektionismus, nicht nur in den USA. Aus nationaler Sicht ist zu nennen, dass Deutschland unter der glänzenden Oberfläche des langen Aufschwungs in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Last but not least sind die strukturellen Probleme des Euroraums nicht gelöst, sondern werden derzeit nur durch den von der expansiven Geldpolitik der EZB geschobenen Aufschwung übertüncht.“

Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe

„Die Automobilindustrie ist eine deutsche Schlüsselbranche, auf die ein sehr großer Teil unserer Innovationen und Exporterfolge entfällt. Die Vertrauens­krise dieser Industrie sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn sich die unmittelbaren Auswirkungen der Skandale bisher in Grenzen halten. Deutschland braucht ohnehin eine integrierte Energiewende. Konsequent angegangen, ist sie ein Fortschrittsmotor für Deutschland. Eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik, mit der sich die deutsche Automobilindustrie glaubwürdig reformieren kann, ist ein wesentlicher Teil davon. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Deutschland ist Patentweltmeister bei alternativen Antrieben sowie beim vernetzten und automatisierten Fahren.

Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank

„Risiken für die Konjunktur ergeben sich 2018 vor allem aus politischen Entwicklungen. Während sich die Unsicherheit über Trumps Politik etwas gelegt zu haben scheint, bleiben der Brexit und seine Folgen sowie die Wahlen in Italien. Auch nimmt das Risiko durch strukturelle und technologische Veränderungen wie Industrie 4.0 zu. Die Gefahr, dass Deutschland eine technologische Veränderung verschläft, sollte jedoch nicht überbewertet werden. Entscheidend ist, dass sich Unternehmen hinsichtlich Absatz und globalen Produktionsketten global gut aufstellen. Der hohe Offenheitsgrad und die starke Wertschöpfungsvernetzung des deutschen Mittelstands stützen die Erwartung, dass globale technologische Innovationen eher Opportunitäten als Risiken darstellen.“

Pia Jankowski, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

„Eine der wichtigsten Agenden für den Erhalt und die Verbesserung der Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist die Digitalisierung. Dabei bleibt die traditionelle Investitions- und Betriebsmittelfinanzierung über regional verankerte Kreditinstitute – einschließlich deren Unterstützung durch spezifische Förderprogramme – für den Mittelstand von Bedeutung. Hier verlagert sich das Investitionsgeschehen zunehmend in den Bereich der ‚Soft investments‘. Neben der materiellen Geschäfts- und Werkstattausstattung werden digitalisierungsgestützte Verfahrensregeln, Software-Lösungen et cetera bedeutsam. Für deren Finanzierung – im Mittelstand in der Regel über Bankkredite – müssen Fragen der Bewertung und Besicherung geklärt werden.“

Stefan Schneider, Deutsche Bank

„Es gibt eine erhebliche Liste an Risiken – plus der berühmten ‚unknown unknowns‘, also der Risiken, die derzeit niemand auf dem Schirm hat. Die relative Gelassenheit könnte damit zusammenhängen, dass in 2017 viele der zu Jahresbeginn befürchteten Risiken entweder nicht eingetreten sind oder nur geringe Auswirkungen hatten. Aus Sicht der Märkte dürfte das größte Risiko ein mögliches Platzen der größten Bondmarktblase der Geschichte sein, wobei dies nicht zwingend in 2018 passieren muss. Die Fed wird ihre durch ‚Quantitative Easing‘ aufgeblähte Bilanz allmählich zurückfahren und die EZB voraussichtlich ihr Kaufprogramm beenden. Bei nach wie vor hohen Staatsdefiziten wird dies das Marktgleichgewicht verändern und es könnte zu einem sprunghaften Renditeanstieg kommen.“

 

Zurück zu Teil I: Weiter auf Wachstumskurs

Zurück zu Teil II: Zinsen am Wendepunkt?


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>