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solvent

Weiter auf Wachstumskurs

Fest steht: Die deutsche Wirtschaft wird auch im kommenden Jahr solide wachsen. Welche weiteren Rahmenbedingungen Unternehmer in Sachen Konjunktur, Beschäftigung und Finanzierung erwarten können, beantworten die Volkswirte deutscher Banken und Verbände.

Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe

„Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2018 um rund 2,5 Prozent wachsen. Das kommende Jahr wäre damit bereits das fünfte in Folge mit einem Realwachstum, das relativ eng um die Zwei-Prozent-Marke schwankt. Dass die Konjunktur so gut läuft, verdanken wir wachsenden Exporten dank der Erholung in Europa und der Welt sowie dem fortgesetzten Anstieg von Beschäftigung und Löhnen, der für eine stabile Binnendynamik sorgt. Die Inflationsrate wird voraussichtlich bei knapp zwei Prozent liegen, wobei vor dem Hintergrund der inzwischen überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung auch die Kernrate steigt. Beim Wechselkurs rechne ich mit knapp 1,20 US-Dollar pro Euro zum Jahresende 2018, weil sich der Zinsvorsprung des US-Dollars gegenüber dem Euro zurückbilden sollte.“

Dominik Lamminger, Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB)

„Ich traue der deutschen Wirtschaft ein Wachstum von 1,8 Prozent zu. Die europäische Wirtschaft gewinnt weiter an Fahrt, was über den Arbeitsmarkt auch die Inflation weiter treiben wird. Der Pfad ist noch flach, aber stetig. Die Finanzierungslage des Mittelstands war in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr gut. Die Probleme bestehen vorwiegend im Süden Europas. Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Investitionen und somit eine erhöhte Nachfrage nach Finanzierungen. Regulatorische Belastungen, besonders Basel IV, könnten die Banken aber zwingen, Kreditengagements zu überprüfen. Die Regulierung erschwert es Kreditinstituten, in schwer zu kalkulierende Risiken, etwa bei Unternehmen in der Seed-Phase, zu investieren.“

Pia Jankowski, Deutscher Sparkassen und Giroverband

„Deutschland dürfte wie schon in den vergangenen Jahren auch 2018 wieder eine Wachstumsrate in der Größenordnung von zwei Prozent erreichen. Der breit getragene binnenwirtschaftliche Aufschwung präsentiert sich sehr intakt. Von Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen geht große Robustheit aus. Die Teuerungsrate dürfte moderat bleiben und sowohl im Euroraum als auch in Deutschland unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank liegen. Erst mit längerem Zeithorizont ist zu erwarten, dass Konjunktur und Lohndynamik dann auch stärker auf die Preise durchschlagen. Innen- und außenpolitische Risiken sind bisher für die Wirtschaftsentwicklung kaum schlagend geworden. Immer wieder hat in der jüngeren Vergangenheit das tatsächliche Wachstum mit Robustheit überrascht.“

Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

„Die Konjunktur läuft aktuell rund. Ich rechne mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent in Deutschland im Jahr 2018. Ein Ende des Aufschwungs ist nicht in Sicht. Die Inflation dürfte noch bei moderaten 1,7 Prozent bleiben. Die Löhne wachsen etwas schneller als die Preise, was die Einkommen der privaten Haushalte und den Konsum beflügelt. Der Eurokurs dürfte angesichts der guten Konjunktur und des sich langsam abzeichnenden Kurswechsels der EZB einigermaßen stabil bleiben. Ich rechne Ende 2018 mit einem Wechselkurs von 1,20 US-Dollar pro Euro. Was die Unternehmen viel stärker umtreibt als der Finanzzugang und die Finanzierungskosten sind der Fachkräftemangel und das Erschließen neuer Nachfragepotenziale.“

Stefan Schneider, Deutsche Bank

„Die deutsche Wirtschaft boomt und wird in 2018 erneut um 2,3 Prozent wachsen. Dabei werden neben dem privaten Verbrauch nunmehr auch die Ausrüstungsinvestitionen mehr Schub entwickeln. Die Wirtschaft läuft damit in eine Phase der Überauslastung. Trotz basisbedingter Entlastungen durch den Ölpreis zu Jahresbeginn wird die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt bei 1,75 Prozent liegen. Die Finanzierungslage des Mittelstands ist nach wie vor ausgezeichnet. Angesichts der guten Gewinn­entwicklung stehen entsprechend interne Quellen zur Verfügung. Die Konditionen für Fremdfinanzierung sind weiterhin exzellent. Allerdings dürften sich im Verlauf von 2018 die Renditeabstände gegenüber Staatsanleihen leicht ausweiten.“

Ralph Solveen, Commerzbank

„Wir gehen davon aus, dass der kräftige Aufschwung im kommenden Jahr weitergehen wird. Denn die EZB schiebt das Wachstum mit ihrer äußerst expansiv ausgerichteten Geldpolitik weiterhin an. Wir rechnen mit einem Plus von erneut zwei Prozent. Das stärkste Argument für eine Fortsetzung des Aufschwungs ist, dass eine Kehrtwende der EZB nicht in Sicht ist. Wir beobachten, dass die Kreditinanspruchnahme bei Firmenkunden in ganz Deutschland – auch mit Blick auf die Zinserwartung – steigt. Im Jahr 2017 konnten wir im Kerngeschäft mit dem Mittelstand und bei Large Caps das Kreditvolumen um rund eine Milliarde Euro steigern. Hohe Investitionsbedarfe stehen heute mehr denn je einer hohen Liquidität durch die anhaltend niedrigen Einlagenzinsen gegenüber.“

 

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