Carl-Dietrich Sander ist UnternehmerBerater und Mittelstandsbotschafter für Finanzierungsfragen. 
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Allgemein, Finanzierung, Mittelstandsbotschafter, solvent

Bankenfeedback bei Ablehnung von KMU-Krediten

Das ist die Überschrift eines Beitrages in der “BankInformation” 01-2018 – das ist die Fachzeitschrift der Genossenschaftsbanken. Hintergrund: Auf Initiative der EU-Kommission haben sich die Dachverbände der europäischen Kreditwirtschaft und des europäischen Mittelstandes auf sog. “High-Level-Principles” zum Bankenfeedback bei abgelehnten Krediten an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verständigt.

Wer sich jetzt unter “High-Level-Principles” vorstellt, dass die Kreditinstitute es als selbstverständlich betrachten, ihren Kunden eine Kreditablehnung zu begründen, der irrt leider. Denn: “Im Kern geht es darum, dass Kreditinstitute ihren mittelständischen Firmenkunden auf deren Nachfrage die Gründe für eine Kreditablehnung nennen und erläutern” ( Hervorhebung vom Verfasser).

Aus der Unternehmens-Perspektive betrachtet: Sie haben Ihrer Bank oder Sparkasse für die Prüfung Ihrer Kreditanfrage alle erforderlichen Unterlagen (Jahresabschlüsse, Planrechnungen, private Vermögens- und Verbindlichkeiten-Übersicht, . . .) überlassen. Auf Basis dieser Unterlagen kommt Ihre Bank oder Sparkasse zu einer Ablehnungs-Entscheidung. Und jetzt müssen Sie die Gründe erfragen!? Wäre es nicht in einem partnerschaftlichen Verständnis eine Selbstverständlichkeit, dass Ihre Bank oder Sparkasse Ihnen die Gründe nennt und erläutert!?

Aber es kommt noch besser (laut BankInformation): Die “Deutsche Kreditwirtschaft” (das ist der Zusammenschluss aller Banken- und Sparkassenverbände) hat Ende November 2017 mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und dem Bundesverband der Deutschen Industrie zu diesem Thema zusammengesessen. Und alle gemeinesam haben festgestellt: “Im Rahmen der praktizierten offenen Kommunikation zwischen Kreditinstituten und KMU begründen zudem schon heutedie Hausbanken in Deutschland ihre Finanzierungsentscheidung gegenüber ihren mittelständischen Firmenkunden”.

Wirklich? Was erleben Sie? Im “KMU-Banken-Barometer 2016″ hat der Bundesverband Die KMU-Berater die Unternehmen genau danach gefragt. Auch wenn dies keine Umfrage mit repräsentativem Anspruch ist, so zeigen die Antworten schlaglichtartig doch eine andere Einschätzung der Unternehmen: Der Aussage “Unsere Bank kommuniziert offen die Gründe einer Kreditzusage oder Kreditablehnung” stimmten nur 14.1 % der Unternehmen voll zu und weitere 35,9 % überwiegend zu. Das waren dann gerade mal die Hälfte. Mehr dazu unter www.banken-barometer-2016.kmu-berater.de.

Die Deutsche Kreditwirtschaft setzt damit leider ihre Tradition fort, sich von ihren Kunden befragen zu lassen, statt offensiv und aktiv selber zu informieren: In der “Selbstverpflichtung der deutschen Kreditwirtschaft zur Ratingkommunikation” von 2010 steht heißt nämlich auch, dass die Institute auf Fragen ihrer Kunden antworten. Spannende Frage was dann den Titel “Selbstverpflichtung” rechtfertigt.

Aus meiner Sicht besonders bedauerlich bei dem aktuellen Thema Kreditablehnung: Das die Wirtschaftsverbände diese Vorgehensweise der Banken und Sparkassen offenbar ohne Widerspruch mitmachen.

Ihre unternehmerische Schlussfolgerung kann jetzt nur lauten: Machen Sie in Ihrem nächsten Bankgespräch deutlich, dass Ihre Erwartung an Ihren Finanzierungs-“Partner” eine andere ist, nämlich dass dieser von sich aus seine Entscheidung und Entscheidungsgründe im Detail erläutert – positive wie negative.


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Kommentare

  1. Leider machen es viele kleinere und mittlere Unternehmen den Banken auch leicht und unterstützen so indirekt dieses beschriebene oft selbstgefällige Vorgehen der Banken.

    Bei einem Vortrag vor einhundert Firmenkunden meldeten sich auf die Frage, wer sein Rating kennt, lediglich 5 Personen. Und auf die Frage, wer sein Rating mit seinem Firmenkundenberater auch bespricht, kam nur noch ein Fingerzeig.

    Das mag nicht repräsentativ sein, bestätigt aber die o.a. Erkenntnis, dass die Inhalte der High-Level-Principles dem Begriff nicht genügen. Vielmehr ist der ‘Begriff irreführend.
    Ich kann den Aufruf daher nur Unterstützen, mit Banken auf Augenhöhe zu verhandeln und
    die Erwartung zu einer fairen Forderung zu machen: Ich gebe dir meine Informationen, die du benötigst und du gibst mir deine Informationen, die ich benötige.

    Antworten

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