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Digitalisierung als Herausforderung

Den Geschäftserfolg einer Digitalisierungsmaßnahme zu prognostizieren, ist schwierig und gestaltet die Kreditvergabe mitunter anspruchsvoll. Deshalb müssen nicht nur Unternehmen Know-how aufbauen, auch die Kreditwirtschaft stellt sich darauf ein – um die Chancen der Digitalisierung gemeinsam zu nutzen.

Die deutsche Volkswirtschaft ist stabil, die Stimmung positiv – trotz anhaltend hoher Unsicherheiten beispielsweise über die Folgen des Brexit-Votums oder den Kurs der US-Regierung. Das ist auch dem starken Mittelstand zu verdanken. Gemäß der Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“, die der BVR gemeinsam mit der DZ Bank veröffentlicht hat, beurteilten mittelständische Unternehmen ihre Geschäftslage 2017 so günstig wie noch nie seit Beginn der Erhebung vor 22 Jahren.

Schwaches Produktivitätswachstum

Und doch bleiben erhebliche Wachstums­chancen ungenutzt, was sich zum Beispiel im schwachen Produktivitätswachstum zeigt. Der Schlüssel zu höherer Wirtschaftsleistung liegt in einer stärkeren Nutzung neuer Technologien und innovativer Geschäftsmodelle sowie in der Digitalisierung. Hier erwarten die Unternehmen laut erwähnter Mittelstandsstudie vor allem Vorteile bei der Auftragsbearbeitung sowie bei einer gezielteren Kundenansprache, etwa durch Online-Marketing. Mögliche Nachteile werden in zusätzlichen Kosten für die Digitalisierung und in Schwierigkeiten beim Datenschutz gesehen. Eine zusammen mit rund 20 Wirtschaftsverbänden durchgeführte Unternehmensbefragung der KfW vom Juni 2017 bezeichnet Schwierigkeiten bei der Anpassung der Unternehmens- und Arbeitsorganisation sowie Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz als größte betriebliche Digitalisierungshemmnisse. Als weitere Hürden wurden mangelnde IT-Kompetenzen im Unternehmen, fehlende Verfügbarkeit von IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt und eine mangelnde Qualität der Internetverbindung genannt. Immerhin: Nur ein vergleichsweise geringer Anteil der befragten Unternehmen berichtete von Finanzierungsschwierigkeiten bei Digitalisierungsvorhaben.

Tatsächlich finanzieren viele Unternehmen

Digitalisierungsmaßnahmen, für die oft relativ geringe Beträge notwendig sind, aus eigenen Mitteln. Reichen diese nicht aus, kommen als externe Quellen vor allem Bankkredite infrage. Doch anders als bei der Finanzierung herkömmlicher Investitionen, ist es eine Herausforderung für Banken wie für kreditsuchende Unternehmen, den Geschäftserfolg von Digitalisierungsvorhaben realistisch zu prognostizieren. Hinzu kommt, dass digitale Projekte kaum materielle Besicherungsmöglichkeiten bieten. Angesichts der damit verbundenen hohen potenziellen Risiken ist die Beurteilung der Realisierbarkeit von Digitalisierungsvorhaben entscheidend. In den Kreditinstituten wird hierzu besonderes Know-how aufgebaut. Umso wichtiger wird es für Unternehmen, im Kreditgespräch einen transparenten Dialog über das zu finanzierende Digitalisierungsvorhaben zu führen und hierfür eine schlüssige Strategie zu präsentieren

Förderprogramme nutzen

Als genossenschaftliche und in den regionalen Wirtschaftskreisläufen verankerte Kreditinstitute fühlen sich Volksbanken und Raiffeisenbanken dem Mittelstand verbunden. Sie verzeichneten in den letzten Jahren im Vergleich zum Gesamtmarkt ein überdurchschnittliches Wachstum bei Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen und Selbstständige. Zudem waren Genossenschaftsbanken in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gemessen an der Anzahl der Förderkreditzusagen mit einem Anteil von 43,9 Prozent Marktführer in der KfW-Mittelstandsförderung. Für die Finanzierung digitaler Maßnahmen in Unternehmen bietet sich etwa die Einbindung der am 1. Juli 2017 von der KfW eingeführten ERP-Förder­programme „ERP-Digitalisierungs- und Innova­tions­kredit“ und „ERP-Mezzanine für Innovation“ an. Der Trend zur Digitalisierung ist nicht mehr zu stoppen – und es gibt Mittel und Wege, wie Unternehmen und Kreditwirtschaft die Herausforderungen meistern und sich bietende Chancen gemeinsam nutzen.

Zur Person
Dr. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) 

 


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