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»Warum das große Blutbild nichts taugt «

Das große Blutbild hört sich größer an, als es tatsächlich ist. Wegen dieses Missverständnisses geben sich viele Menschen damit zufrieden. Wer leistungsfähig sein möchte, bräuchte hingegen weit mehr als die minimalen Informationen einer Standarduntersuchung.

Oft höre ich von Patienten: „Ich habe das große Blutbild messen lassen und bei mir war alles normal.“ Aber was bedeutet das? Normal wäre der Durchschnitt – und das ist für Leistungsträger nicht unbedingt ein Kompliment. Wer antritt, um einen Marathon oder eben einen harten Arbeitsalltag zu bestreiten, der will keine normalen, der braucht optimale Blut­werte. Doch leider fehlen diese Leistungswerte beim großen Blutbild komplett. In Wahrheit misst man bei den Standarduntersuchungen nur einmal „dünn drüber“ und freut sich, wenn die wenig aussagefähigen Parameter alle normal sind. Dabei wissen Sie nicht, was alles nicht gemessen wurde. Bemerkung am Rande: Das große Blutbild kostet 5,38 Euro. Insgesamt sind diese Untersuchungen nie darauf ausgelegt, Ihre Leistungsfähigkeit zu beschreiben oder gar zu erhöhen. Natürlich fühlt sich Ihre Krankenkasse dafür auch nicht zuständig, denn dann müsste sie ja Leistungskasse heißen. Sie werden lediglich ausreichend versorgt.

Wenige Zutaten, kleiner Kuchen

In meiner Praxis gehört es zur Routine, im Blutbild sowohl den Leistungsparameter Gesamt-Eiweiß als auch die essentiellen Aminosäuren zu bestimmen. Wir bringen das Eiweiß quantitativ und qualitativ in den hochnormalen Bereich. Spätestens bei den essentiellen Aminosäuren steigen Haus­arzt und -ärztin in der Regel aus. Dabei ist es für Ihre Gesundheit, Ihren Elan und Ihre Leistungsfähigkeit enorm wichtig, nicht nur normal, sondern optimal mit diesen wertvollen Stoffen versorgt zu sein. Meinen Patienten erkläre ich das immer am Beispiel „Kuchen backen“. Wenige Zutaten, kleiner Kuchen – viele Zutaten, großer Kuchen. Wer an großen Rädern dreht, der sollte hier lieber nicht nur normal und schon gar nicht unterversorgt sein. Denn diese Aminosäuren im Blut werden zwar nicht in Kuchen, aber in Funktionen umgewandelt. Eiweiß ist die Mutter Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die Bausteine für den Muskel- und Knochenaufbau, für Ihre Glücks- und Leistungshormone, für den Antrieb und die Belastbarkeit, für das Immunstem und nicht zuletzt auch die Krebsabwehr. Hat man einen Mangel bei nur einer oder gleich mehreren essentiellen Substanzen, leiden logischerweise die Funktionen.

Verlassen Sie sich auf sich selbst

Unvergesslich ist mir ein Kongress in Leipzig, auf dem ich meine Art der essentiellen Medizin vorgestellt habe. Ein bei einer Krankenkasse angestellter Arzt meldete sich in der anschließenden Fragerunde zu Wort und stellte fest, dass es völlig überflüssig sei, diese Substanzen im Blut zu messen. Schließlich gebe es hervorragende Medikamente, die gegen die aus einem Mangel resultierenden Symptome und Krankheiten eingesetzt werden könnten. Es ist paradox. Offenbar bezahlt das Gesundheitssystem lieber Ihren Aufenthalt auf der Intensivstation, als Sie davor zu bewahren. Darum tun Sie es persönlich. Jeder kann durch eine gesunde Lebensweise viel dazu beitragen, die Leistungsparameter hoch zu halten. Für jedes Kohlenhydrat, das Sie nicht essen, können Sie mehr Eiweiß essen. Bei jedem Lebensmittel, dass Sie möglichst unprozessiert also naturbelassen essen, bekommen Sie noch mehr von den wertvollen lebensnotwendigen essentiellen Substanzen ab. Und wenn es nicht mehr ganz so rund läuft, sollten Sie nicht zu sehr auf eine Standarduntersuchung wie das nicht ganz so große Blutbild vertrauen.

Zur Person

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.


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Kommentare

  1. Ich habe gelesen, dass der Körper nicht ständig mit allen Aminosäuren versorgt werden soll, weil er sich dann im ständigen Wachstum befindet, so wie eine Krebszelle. Der Körper muss also wohl auch mal Ruhephasen haben. Die gab es in der Geschichte der Gene wohl immer. Und daran ist der Körper gewöhnt.

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