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solvent, Vorsorge

Gut versichert im Aufschwung

Eine Betriebshaftpflichtversicherung sollte jedes Unternehmen haben, denn sie deckt existenzgefährdende Risiken ab. Wie so häufig gilt aber auch hier: Eine gute Beratung ist das A und O.

Manchmal entscheidet nur ein einziges Ereignis darüber, ob die berufliche Existenz für immer auf der Kippe steht. Das musste auch Dachdeckermeister Giesen lernen. In seinem Fall waren es sogar nur wenige Augenblicke. Giesen wollte Schweißbahnen mit einem Brenner aufbringen und dachte nicht an den Funkenflug, der dabei entstehen würde. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und das Flachdach der kleinen Industriehalle brannte lichterloh. Doch Giesen hatte Glück und war gut versichert: Seine Betriebshaftpflichtversicherung kam in voller Höhe für den Schaden auf.

„Es hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt Georg Bräuchle, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) und weist auf die Deckungssummen hin, die bei vielen Unternehmen oft deutlich zu niedrig sind. „Fünf oder zehn Millionen Euro Deckungssumme hätte für einen Betrieb mit 200 Mitarbeitern nicht ausgereicht.“ Bräuchle nennt als Beispiel einen Fall, bei dem ein Dachdecker mit seinem Brenner ein ganzes Betriebsgebäude niedergebrannt hat. „Der reine Sachschaden lag bei 25 Millionen Euro, mit dem Betriebsunterbrechungsschaden schlugen am Ende insgesamt 50 Millionen Euro zu Buche.“

» Wichtig ist, dass die Betriebsbeschreibung nicht nur stimmt, sondern auch umfassend ist. Hierfür muss jedoch der Makler die richtigen Fragen stellen. «
Georg Bräuchle, Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler

Wenn Unternehmer wüssten, wie schnell man in den Ruin stürzen kann, dann würden sie der Betriebshaftpflichtversicherung ein besonderes Augenmerk schenken – so viel ist sicher. Wenn der Betrieb wächst und größere Aufträge angenommen werden, kann es sein, dass der Versicherungsschutz nicht mehr ausreicht. Dies gilt auch, wenn neue Tätigkeiten hinzukommen, die vom alten Versicherungsvertrag nicht abgedeckt sind. Fachleute wie Bräuchle empfehlen deshalb, die Deckungssummen für die Betriebshaftpflicht nicht zu knapp zu kalkulieren und sie regelmäßig anzupassen.

Erfüllungsschäden nicht abgedeckt

Fallstricke lauern aber auch dort, wo es um die Schadensabgrenzung geht. Die typische Betriebshaftpflichtversicherung für das Baugewerbe tritt ein, wenn durch ausgeübte Tätigkeiten Personen zu Schaden kommen oder wenn Gegenstände beschädigt werden. Im Fall der kleinen Industriehalle, die durch Verschweißen der Bitumenbahnen Feuer fing, hat die Versicherung die Regulierung des Schadens daher auch vollständig übernommen. Mit dem Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung kann sich der Unternehmer jedoch nicht vor Erfüllungsschäden schützen. Hierbei handelt es sich um Schäden, die in Verbindung mit einer vertraglich zu­gesicherten Leistung stehen. Ist beispielsweise Gegenstand des Vertrags die Er­stellung einer Gartenmauer, so stellt die Nicht- oder Schlecht-Erstellung der Gartenmauer den nicht versicherten Erfüllungsschaden dar.

Nebenkosten absichern

Ebenso finden sich in den Versicherungsbedingungen regelmäßig positive Klauseln zu den Mangelbeseitigungsnebenkosten und Nach­besserungsbegleitschäden. Den Klauseln zufolge sind Aufwendungen versichert, die als Folge einer mangelhaften Werkleistung entstehen. Erfasst werden also die Kosten, die erforderlich sind, um die mangelhafte Werkleistung zum Zwecke der Schadenbeseitigung zugänglich zu machen und um den vorherigen Zustand wiederherzustellen.

Ein Beispiel: Beim Verlöten der Heizungsrohre arbeitet ein Heizungsinstallateur mangelhaft. Die Folge: Das Rohr wird undicht, nachdem ein Putzer die Wand verputzt hat. Wasser läuft aus und beschädigt den Putz. Die Rohre müssen daraufhin wieder ausgebaut und neue Rohre verlegt werden. Es besteht Versicherungsschutz für das Abschlagen des Putzes und das erneute Verputzen der Wand. Bei den Nachbesserungsbegleitschäden besteht Versicherungsschutz für Schäden, die bei der Durchführung von gesetzlich geschuldeten Nachbesserungsarbeiten beim Auftraggeber entstanden sind – etwa beim Abreißen von Tapeten oder beim Aufschlagen von Wänden, Fliesen oder Böden.

Betriebliche Risiken analysieren

„Darüber hinaus ist es sinnvoll, eine zusätzliche erweiterte Produkthaftpflicht abzuschließen, wenn der Handwerker auch Baumaterialien zur Verfügung stellt“, sagt Guido Braschoß, Produktmanager Haftpflicht bei der Gothaer Versicherung. Zwar sieht das am 1.1.2018 in Kraft getretene neue Bauvertragsrecht vor, dass Handwerker bei Mängeln eines eingebauten Stoffs oder Gegenstands nun auch die Erstattung der Ein- und Ausbaukosten von ihrem Lieferanten verlangen können. Allerdings müssen Unternehmer diesen Anspruch auch erst einmal durchsetzen.
Für Bauhandwerker bietet die Gothaer Versicherung die erweiterte Produkthaftpflicht mit einer Deckungssumme von einer Million Euro an. Ein weiterer Plus-Baustein ist die Asbestdeckung mit einer Deckungssumme von ebenfalls einer Million Euro. „Ebenso ist es wichtig, den Versicherungsschutz bei der Verwendung von Drohnen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen“, erklärt Braschoß. Unternehmer bedienen sich bei Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung am besten eines erfahrenen Beraters.

Ein weiterer Punkt sei die Betriebsbeschreibung, warnt BDVM-Präsident Bräuchle. „Wichtig ist, dass sie nicht nur stimmt, sondern auch umfassend ist. Hierfür muss jedoch der Makler die richtigen Fragen stellen.“ Weil der Laie in der Regel sein eigenes Risiko nicht so recht einschätzen kann, ist die exakte betriebliche Risikoanalyse durch einen Fachmann das A und O. Und genau hier sieht der Experte noch Nachholbedarf. Welcher Kachelofenbauer denkt schon daran, dass Fliesenlegerarbeiten unter Umständen von seiner Betriebshaftpflichtversicherung nicht abgedeckt sind. Erfreulich ist immerhin, dass mittlerweile nahezu alle Unternehmen eine Betriebshaftpflichtversicherung besitzen – eine Tatsache, die mittelständische Unternehmer im Aufschwung sicher ruhiger schlafen lässt.

Das sollten Unternehmer beim Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung beachten:

1. Betriebsbeschreibung. Nur wenn die Betriebsbeschreibung stimmt, ist die Existenz des Unternehmens gesichert. Tätigkeitsveränderungen und die Erweiterung des Geschäftsfelds sind dem Versicherer unverzüglich anzuzeigen. Auch gelegentliche Nebentätigkeiten sollten analysiert werden. Die Betriebshaftpflichtversicherung ist daher mindestens einmal im Jahr anhand des Risikofragebogens zu überprüfen.

2. Deckungssummen. Diese sollten ausreichend hoch sein, und zwar nicht nur für Personen-, Sach- und Vermögensschäden, sondern auch für die Zusatzrisiken, die die Betriebshaftpflichtversicherung enthält. Früher waren Zusatzversicherungen in Form von Exzedentenverträgen beispielsweise für Bauhandwerker die einzige Möglichkeit, höhere Deckungssummen zu kaufen. Heutzutage stellen die Versicherer über den Grundvertrag aber auch hohe Deckungssummen bereit, sodass eine separate Exzedentenversicherung selten erforderlich ist. Oft verlangen auch Auftraggeber einen Nachweis darüber, welche Deckungssummen der Betrieb abgeschlossen hat.

3. Ein- und Ausschlüsse. Bei der Gothaer GewerbeProtect Betriebshaftpflichtversicherung etwa sind viele der typischen Zusatzrisiken, wie Auslandsschäden, Mietsachschäden und Umweltschäden, bereits im Versicherungsschutz integriert. Über optionale Plus-Bausteine können zusätzliche Leistungen, in Abhängigkeit von der gewählten Betriebsart, eingeschlossen werden. Hier empfiehlt sich ein Anbietervergleich.

4. Selbstbeteiligungen. Durch Selbstbeteiligungen lassen sich die Beiträge etwas senken. Dennoch kommt der Versicherer auch bei der Vereinbarung von Selbstbeteiligungen nach wie vor für die Abwicklung von Schäden, einschließlich der Abwehr von unberechtigten Ansprüchen, auf.

5. Qualifizierte Beratung. Unternehmen brauchen beim Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung einen Fachmann, der die Risikosituation seines Kunden versteht und die richtigen Fragen stellt. Der Bundesverband Deutscher Versicherungs-Makler (BDVM) ist der führende Maklerverband mit strenger Qualitätsprüfung seiner Mitglieder. Über die Homepage www.bdvm.de können kleinere und mittlere Betriebe ein qualifiziertes Mitglied in ihrer Nähe finden.


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