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Seitenblick

Noch mal alles auf Anfang

6.725 Arbeitstage hätte ich bis zu meinem Rentenbeginn am 1. Dezember 2048 noch vor mir. Das hat mir die Website rentencounter.de ausgerechnet – immer vorausgesetzt, dass sich in 30 Jahren an der gesetzlichen Rente und meinem Arbeitsverhältnis nichts ändert. Die Rechnung bleibt also eine kleine Spielerei.

Ohnehin gibt es Besseres, als die Tage bis zur Rente zu zählen. Das machen in Deutschland jährlich rund 250.000 Menschen vor. Sie wagen einen beruflichen Neustart – und gründen ein Unternehmen im Vollerwerb. Und anders, als es das Klischee vom hippen Startup-Gründer Anfang 30 vermuten lässt, ist knapp ein Viertel von ihnen dem Ruhestand deutlich näher als dem Berufseinstieg. Silverpreneure oder Seniorpreneure wird die wachsende Gruppe derjenigen genannt, die in der Lebensmitte noch einmal neu anfangen. Zählte der deutsche Startup-Monitor, eine jährliche Befragung von deutschen Startups, im Jahr 2013 noch weniger als zehn Prozent Gründer über 45 Jahre, waren es 2017 bereits 16 Prozent.

Der wichtigste Treiber für diesen Trend ist der demografische Wandel. In 15 Jahren wird knapp die Hälfte der Deutschen älter sein als 50 Jahre. Doch ein weiterer Grund sind die Erfolgsaussichten später Gründungen. Der US-amerikanische Unternehmer und Wissenschaftler Vivek Wadhwa hat in einer Studie Gründer aus zwölf verschiedenen Branchen befragt und analysiert. Zwei Drittel von ihnen hatten zuvor mindestens sechs Jahre Berufserfahrung als Angestellte, jeder Zehnte sogar mehr als 20 Jahre. Wadhwas Fazit lautet deshalb: Ideen gibt es viele, doch um sie in erfolgreiche Produkte und Geschäfte zu überführen, braucht es Erfahrung – und die kommt mit dem Alter. Das beste Beispiel sind die drei Jung-Unternehmer über 50 in unserer Titelgeschichte. Sie nutzen ihre Erfahrung, um in drei völlig unterschiedlichen Branchen noch einmal ganz neu durchzustarten.

Christian Raschke
Chefredakteur

 

 


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