Finanzierung

Außenhandelsfinanzierung für den Mittelstand

Die Bedeutung des Exports für die deutsche Wirtschaft ist seit jeher groß – und sie wächst weiter.

2006 dürfte der Warenwert der Ausfuhren nochmals um rund zehn Prozent auf etwa 800 Milliarden Euro zugenommen haben. Damit gehen rund zwei Drittel des Wirtschaftswachstums in Deutschland auf das Konto der exportierenden Unternehmen. Eine besondere Rolle spielen dabei jene Betriebe, die gerne als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden: mittelständische Unternehmen. Viele von ihnen behaupten sich erfolgreich im globalen Wettbewerb und sind oft sogar Weltmarktführer. Voraussetzung für den Erfolg im Ausland ist häufig, dass den Abnehmern großzügige Zahlungsziele gewährt werden. Gerade für mittelständische Unternehmen sind die Themen Risikoabsicherung und Absatzfinanzierung vor diesem Hintergrund von existenzieller Bedeutung.

Natürlich ist der Weg ins Ausland immer mit erhöhten Risiken verbunden.

Deshalb ist ein professionelles Risikomanagement bei Exportgeschäften für jedes Unternehmen ein Muss. Der Exportwirtschaft stehen dafür bewährte Produkte der Außenhandelsfinanzierung zur Verfügung. Aufbauend auf den Exportkreditgarantien des Bundes (Hermes-Deckungen) können in Ländern mit erhöhtem Risiko Finanzierungsangebote unterbreitet werden, die neben der Qualität des “Made in Germany” oft mit ausschlaggebend sind für den Gewinn des Auftrags.

Beim Mittelstand stehen daneben aber auch Themen wie Liquidität, Bilanzentlastung und Kennzahlenverbesserung im Fokus. Er sichert sich bei einer Hermes-gedeckten Exportfinanzierung nicht nur den Vorteil, dass seine Risiken weitestgehend abgesichert sind und vom Bund bzw. der Hausbank übernommen werden: Aufgrund der Finanzierungsfunktion der Hausbank belasten die mit dem ausländischen Besteller vereinbarten Zahlungsziele weder die Liquidität noch die Bilanz des Exporteurs. Solche Lösungen zur Außenhandelsfinanzierung kostengünstig auch bei kleinen Auftragswerten anzubieten, dieser Herausforderung stellt sich die Commerzbank im Rahmen ihrer Ausrichtung “Beste Mittelstandsbank”. Denn: Finanzierungsvolumina im zweistelligen Millionenbereich rechtfertigen zwar regelmäßig eine aufwändig strukturierte Exportfinanzierung, beim exportorientierten Mittelstand in Deutschland besteht aber auch für Auftragswerte deutlich unter einer Million Euro immer häufiger Finanzierungsbedarf. Lösungsansätze sind hier standardisierte Exportfinanzierungsprodukte in Form von Ankäufen bundesgedeckter Exportforderungen und in Form von Bestellerkrediten.

Auszahlung des vollen Warenwerts

Beim Ankauf einer bundesgedeckten Exportforderung kauft das Kreditinstitut die Hermes-gedeckte Geldforderung des mittelständischen Exportunternehmens aus dem Exportvertrag zum Barwert an. Grundlage ist ein zwischen Bank und Exporteur abzuschließender Ankaufsvertrag. Der Nominalbetrag der Kaufpreisforderung (Kapital und Zinsen ohne die Anzahlung) wird zu einem festen Zinssatz abdiskontiert. Die Finanzierungskosten (Zinsen und Provisionen) zahlt der Exporteur als Forderungsverkäufer. Er hat sie idealerweise in den vom ausländischen Besteller zu zahlenden Käuferzins eingerechnet.

Der Verkauf erfolgt ohne Information an den ausländischen Schuldner.

Eingebunden ist neben den Parteien des Ankaufsvertrages lediglich die Euler Hermes Kreditversicherungs AG, die dem Verkauf und der Abtretung der Exportforderung an die finanzierende Bank zustimmen muss. Mit Vorlage der Lieferdokumente kann dem Exporteur dann die Liquidität aus dem Verkauf zur Verfügung gestellt werden. Dieser Forderungsankauf bietet nicht nur eine Lösung für mittel- und langfristige Exportforderungen (drei bis fünf Jahre Laufzeit) aus Investitionsgüterexporten, auf der Basis entsprechender Rahmenvereinbarungen zwischen Kreditinstitut und Exporteur können auch kurzfristige Forderungen (bis zu einem Jahr) ab 100.000 Euro aus regelmäßig laufenden Handelsgeschäften unter einer Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung des Bundes angekauft werden.

Beim Bestellerkredit wird dem ausländischen Besteller über seine Bank, die als Kreditnehmer auftritt, ein Kredit zur Bezahlung des Exportgeschäftes zur Verfügung gestellt. Diese Forderungen werden mit Vorlage eines Liefernachweises direkt an den deutschen Exporteur ausgezahlt. Im Unterschied zum Forderungsankauf erhält der Exporteur dabei jedoch den vollen Warenwert (abzüglich der bereits erhaltenen Anzahlung). Der ausländische Kreditnehmer trägt die Finanzierungskosten (Zinsen und Provisionen). Die weitere Abwicklung des Kredites erfolgt dann zwischen der Hausbank und der ausländischen Bank.

Die Realisierung eines Bestellerkredites verlangt also das erfolgreiche Zusammenspiel mehrerer Parteien (Exporteur, ausländischer Importeur, Hausbank, ausländische Bank, Hermes). Mit einer Verschlankung der Prozesse und vereinfachtem Handling hat die Commerzbank den Bestellerkredit auch bei Auftragswerten unter einer Million Euro einsetzbar gemacht, wie sie gerade im Mittelstand typisch sind.

Grundlage der Finanzierung sind jeweils Rahmenkreditvereinbarungen der Commerzbank mit der ausländischen Bank, in denen die Dokumentation der Finanzierung vorab festgelegt wurde, sodass sie nicht mehr im Einzelfall verhandelt zu werden braucht. Bestellerkredite kann die Commerzbank deshalb auch schon für ein Finanzierungsvolumen ab 500.000 Euro anbieten.

Der Bund ist bemüht, sein Instrumentarium gerade mit Hinblick auf die mittelständische deutsche Exportwirtschaft laufend zu verbessern. So sind nun auch Rahmendeckungen für ausländische Schuldner möglich, bei denen eine Reihe von Exportgeschäften bis zu einem festgelegten Limit von der Deckung umfasst werden. Zudem können jetzt auch die Kosten der Exportkreditgarantie in vollem Umfang unter einem Bestellerkredit finanziert werden. Das ist für mittelständische Unternehmen eine wichtige Verbesserung, weil man nun die Kosten der Finanzierung weitestgehend aus der Auftragskalkulation heraushalten kann.

Wie beim Forderungsankauf gilt hier das Prinzip der Liefergebundenheit: Grundlage ist immer das Exportgeschäft eines deutschen Unternehmens, auf das bei der Finanzierung in den entscheidenden Punkten (Volumen und Laufzeit) abgestellt wird. Eine weitere Gemeinsamkeit von Forderungsankauf und Bestellerkredit ist die Exportkreditgarantie des Bundes zu Absicherung der wirtschaftlichen und politischen Risiken. Bei schwierigen Länderrisiken empfiehlt es sich, frühzeitig mit Hermes Kontakt aufzunehmen und die Frage einer möglichen Deckung zu klären.

Früher Kontakt ist erfolgsentscheidend

Wie bei allen Finanzierungen, bei denen mehrere Beteiligte zusammenspielen müssen, sollten die Spezialisten der Hausbank hier so früh wie möglich eingeschaltet werden – am besten sofort, wenn das Thema Finanzierung des Exportgeschäfts vom Besteller angesprochen wird. Dies ist die beste Gewähr für eine schlanke und erfolgreiche Abwicklung der Finanzierung.

Peter Lamar


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