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Emotionale Intensität für Unternehmer

Unternehmer können nur dann erfolgreich sein, wenn sie wirklich brennen, für das was sie tun. Auf Dauer reicht es einfach nicht, nur ein kühler Rechner oder ein betriebswirtschaftlich talentierter Geschäftsverwalter zu sein. Doch dieses innere Feuer kann nur entstehen und am Lodern gehalten werden, wenn es in ein Leben voll emotionaler Intensität eingebunden ist.

Leider glauben die meisten Menschen, dass Rationalität “besser” ist als Emotionalität und dass sie eher rational entscheiden. Die Neurowissenschaften wissen es besser: Viele Entscheidungen fallen unbewusst. Sie basieren auf emotionalen Markern und sind keine Wahl aus Gründen im klassischen Sinn. Die Perfektionisten im Kreis der Unternehmer etwa leiden förmlich, wenn etwas nicht rund läuft. Hier gründet der Marker vielleicht im Elternhaus. Immer wieder bekamen sie zu hören: „Wie? Nur eine Eins minus? Das kannst Du besser!” Das hat zu starken Emotionen geführt, die heute in automatische Handlungen münden. Ein rein willentliches: “Ich muss endlich mehr Fehler zulassen!” funktioniert nicht. Die Kurskorrektur erfordert eine bewusste Aktion, wo das Unbewusste regiert. Der einzig bewusste Weg verändert die emotionalen Marker. Und der Schlüssel dazu ist die emotionale Intensität. Was frühere Verhaltensweisen ausgelöst hat, bestimmt auch gegenwärtig die Bereitschaft zu Veränderungen.

Die Sinnfrage beantworten

Man muss als Unternehmer nicht am Rande des Abgrunds stehen, um die Sinnfrage zu stellen. Oft kommt sie fast automatisch, wenn sich nach einem euphorischen Start oder einem erreichten Meilenstein langsam Routine einschleicht. Ebenso kann es sein, dass man sich im Sachzwang gefangen fühlt. Zunehmend gewinnt man den Eindruck, nur noch für andere funktionieren zu müssen: für das Finanzamt, die Mitarbeiter, die Banken und manchmal leider auch die falschen Kunden.

Doch was kann man gegen die erlahmende Power unternehmen? Das Heilmittel dagegen ist zugleich die beste Prophylaxe, wenn man neu startet, und heißt „emotionale Intensität“. Das Unternehmerleben kann unendlich spannend sein und viele wundervolle Reize bieten, die allerdings nicht von selbst angeflogen kommen. Wir müssen sie suchen, finden, ergreifen und, wenn es sein muss, auch darum kämpfen. Emotionale Intensität ist nicht nur der Schlüssel für die Weiterentwicklung des Unternehmers und für die Führung anderer, sondern auch ein Wert an sich. Deshalb stellt sich im Hinblick auf die eigene Veränderung und ein wirkungsvolles und lebenswertes Leben die Frage, wie eine solche emotionale Intensität bewusst geschaffen werden kann.

Entscheidung und Veränderung – ein Beispiel

Ein einfaches Beispiel: Wenn ich aus gesundheitlichen Gründen meine, dass ich besser keine Hamburger mehr essen sollte, führt das vielleicht dazu, meinen heutigen Besuch im Burgerparadies auszulassen, verhindert aber nicht den morgigen. Das ist nicht sehr nachhaltig. Ein Foto meines nackten, unvorteilhaften Oberkörpers auf meinem Handydisplay, verändert meine Emotionen und meine Handlungsmotivation enorm. Diese starke, hier eher negative emotionale Intensität bildet einen, wie ich es nenne, emotionalen Engpass, der ein neues Handeln auslöst.

Das funktioniert auch bei anderen, etwa bei einem Mitarbeiter. Manchmal ist es wichtig, dass er sein Verhalten ändert. Viele Führungskräfte setzen hier vergeblich auf neutrales Verständnis oder sachliche Argumentation. Weil aber dauerhafte Veränderungen nur mit starken (negativen oder positiven) Emotionen funktionieren, verhindern diese sachlichen Führungskräfte geradezu die Entwicklung des Gegenübers. Nur starke Emotionen führen zu deutlichen und langfristigen Änderungen und deshalb müssen wir bereit sein, diese Emotionen auch auslösen zu wollen.

Emotionale Intensität als Wert an sich

Stellen Sie sich die Alfred-Nobel-Frage: „Wenn Du vom Ende Deines Lebens zurück schauen wirst, was davon ist dann noch wichtig?“ Viele Ihrer vordergründigen Wünsche fallen dabei als irrelevant unter den Tisch. Was bleibt, kommt meist aus vier Bereichen:

  1. starke, intensive Beziehungen und Freundschaften,
  2. die eigene Entwicklung, also das, was man aus sich gemacht hat,
  3. der Beitrag, den man für andere geleistet (und die Dankbarkeit, die man empfangen) hat und
  4. ganz besondere Magic Moments.

Wenig überraschend sind alle vier Bereiche extrem emotional besetzt. Daraus scheint zu folgen: Je emotional intensiver unser Leben verläuft, desto reichhaltiger empfinden wir es und desto erfüllter und dankbarer treten wir am Ende irgendwann ab.

Hierzu möchte ich eine eigene Geschichte erzählen:

Im Jahr 2010 nahm ich an einem Seminar von Tony Robbins auf Bali teil. Toller Ort – aber volle sechs Tage mit über 1000 Menschen, immer von 9:00 Uhr bis tief in die Nacht. Intensiver geht’s kaum. Am letzten Tag war ich völlig ausgepumpt. Aber ich habe so viele tiefgehende Geschichten von anderen Menschen erfahren wie selten und habe so intensiv an mir gearbeitet wie nie zuvor. Diese Tage haben zu fundamentalen Änderungen geführt. Auch heute kann ich mich noch an jeden Tag minutiös erinnern. Diese Tage sind extrem wertvoll für mein Leben.

Ihr Weg muss nicht meiner sein: Ob es ein Seminar ist, ein Coaching oder ob sich diese Gefühle auf dem Jakobsweg oder beim Fallschirmsprung einstellen: Diese Intensität müssen wir wollen, suchen und leben. Vorher hatte ich den Glaubenssatz, dass Seminare und das wirkliche Leben unterschiedliche Dinge seien: wie Trockenschwimmen, das aufs offene Meer vorbereitet. Dort habe ich gespürt: Seminare können auch das wirkliche Leben sein. Wie ein Konzert oder ein Fußballspiel. Diese Intensität ist für mich zu einem wichtigen Auswahlkriterium für meine Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung geworden.

Emotionale Intensität schaffen

Im März 2014 hatte ich Richard Branson bei meinem Event Light the Fire zu Gast. Auch das war extrem intensiv und extrem emotional. Sowohl auf der negativen wie auf der positiven Seite. Und zugleich entstehen daraus neue Träume und Ideen. Nächstes Jahr werde ich durch den Grand Canyon raften und suche Gleichgesinnte dafür. Solche Erlebnisse, die oft auch Wagnisse enthalten, schaffen Wendepunkte in einem Leben. Sie prägen uns und machen neues Denken und neue, mutige Entscheidungen möglich.

Warum sage ich wohl, dass Unternehmersein die der geilste Lebensform der Welt ist? Weil genau diese Emotionen zählen. Was Unternehmer erleben, soll eine extrem intensive, emotionale, sinnvolle Zeit sein, etwas von Bedeutung. Es soll tolle Beziehungen und Freundschaften Magic Moments schenken. Wer am Ende nicht mehr hatte als stabile Bilanzen, hätte auch Angestellter bleiben können.

Neue Marker setzen

Doch wie schaffen und steigern wir diese Intensität, wie setzen wir neue emotionale Marker, die unser Leben lebenswert machen?

  1. Langsame Evolution oder Gleichförmigkeit verhindern, radikale Änderungen und starke Erlebnisse schaffen emotionale Intensität. Ein Unternehmer aus meinem Umfeld fragt sich ganz bewusst jeden Morgen: „Wie kann ich meine Komfortzone heute radikal verlassen?“ Ein Tag ohne einen solchen Ausstieg ist für ihn ein verschenkter Tag. Kaum möglich, dass das zu keinem intensiven Leben führt. Und kaum möglich, dass man sich damit nicht in Überschallgeschwindigkeit weiterentwickelt!
  2. Entscheidend ist unser Umfeld. Denken wir an das Seminar auf Bali: Dort waren Menschen, die mein Feuer teilten, mehr aus sich zu machen. Wenn wir uns ein extremes Umfeld schaffen, dann kommt die emotionale Intensität von alleine.
  3. Wir wählen eine klare, radikale Sprache und vermeiden unsere geliebten „vielleicht, eigentlich, irgendwie“ und alle Konjunktive, die uns einschläfern. Deshalb sage ich auch öffentlich: „Unternehmer sein ist die geilste Lebensform der Welt“ und nicht „Es ist eine lohnende Aufgabe, ein Unternehmen zu führen“. Beides stimmt, aber emotionale Aufladung schenkt nur das erste.
  4. Körperliche Aktivität ist wichtig. Wie wir uns bewegen, bestimmt unsere Emotionen. Warum leben Jugendliche intensiver? Weil sie sich anders bewegen – sogar vor dem Monitor…
  5. Ganz wichtig: durch die Zeit, die wir in etwas investieren. Mein balinesisches Seminarerlebnis war nur möglich, weil es sechs Tage von früh bis spät ging. An uns zu arbeiten verträgt kein „Nebenbei“. Es ist eine Hauptaufgabe. Weil aber Intensität so anstrengend ist, benötigen wir einen Rhythmus. Auf Zeiten der vollen Intensität folgen Tage der Ruhe. In der Ruhe verarbeitet der Körper und wird stärker – wie beim Lauftraining. Außerdem muss ich mir als Unternehmer Freiräume schaffen, um bestimmte Tätigkeiten auch mit der vollen Intensität machen zu können.

Ziele emotional aufladen

Haben Sie jemals Ziele für sich schriftlich fixiert? Vermutlich ja. Aber wissen Sie auch ad hoc, wo sich die Notiz aktuell befindet? Tendenziell nein. Machen Ihnen diese Ziele heute noch Dampf im Kessel? Sicher nicht, wenn Sie brav mit Tabellen und Bullet Points gearbeitet haben. Excel, sonst sehr nützlich, tötet Ihre Kraft. Und weil diese Listen so langweilig sind, vergessen Sie sie auch so schnell. Was aber geschieht, wenn Sie sich jeden Tag Zustände emotionaler Intensität verschaffen und sich erst dann auf die Ziele konzentrieren? Die Antwort muss ich nicht geben. Sie kennen sie selbst.


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