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Öko-Zertifikat: Unter der Lupe

Mit einem Öko-Audit messen Firmen nicht nur die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt, sondern reduzieren auch ihre Material- und Energieverbräuche. Was ein Öko-Audit tatsächlich bringt und was es kostet, zeigt das folgende Firmenbeispiel.

Nicht allzu oft stimmen die Produkte einer Firma und deren umweltbewusstes Handeln so deutlich überein wie bei der Michael Koch GmbH. Das mittelständische Unternehmen aus dem badischen Ubstadt-Weiher bei Karlsruhe stellt mit 35 Mitarbeitern dynamische Energiespeicher her. Diese häufen die Energie an, die beim Bremsen von Elektroantrieben in Maschinen frei wird, anstatt sie in Wärmeumzuwandeln. „Unterm Strich schontsolch ein Bremsenergiemanagement das Stromnetz und spart bei den Betreibern Energie“, erklärt Firmeninhaber Michael Koch den großen Vorteil.

Ähnlich sparsam geht das Unternehmen mit den Ressourcen in der eigenen Produktion um. Das belegt der Zulieferer der Maschinenbauindustrie für alle Geschäftspartner und Interessenten auch sehr deutlich – mit einem sogenannten Öko-Audit, der übliche Begriff für „Eco Management and Audit Scheme“ (EMAS). Dazu müssen die Unternehmen unter anderem eine Umweltprüfung ablegen. Schon seit der Gründung hat sich das Unternehmen zu seiner Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt bekannt. Einer solchen Zertifizierung unterzog sich die Michael Koch GmbH im letzten Jahr zum vierten Mal in Folge. „Wir sehen die Zertifizierung nicht als lästige Aufgabe, die es abzuarbeiten gilt. Wir bekennen uns zu einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen“, so Tobias Stengel, Qualitäts- und Umweltmanagementbeauftragter des Unternehmens.

1.250 Firmen sind zertifiziert

Insgesamt haben sich in Deutschland bis dato 1.250 Firmen und Behörden an knapp 1.900 Standorten nach EMAS zertifizieren lassen, mit Abstand die meisten (422 Betriebe) in Baden-Württemberg, im verarbeitenden Gewerbe (39 Prozent) sowie in Betrieben bis 50 Mitarbeiter (44 Prozent). Im Schnitt benötigen die Unternehmen und Behörden 15 Monate für die Einführung des EMAS. Rund zwei Drittel der befragten Organisationen (69 Prozent) geben an, dass die Kosten der erstmaligen Prüfung bis zu 10.000 Euro betragen. Für die laufenden Kosten wendet eine Mehrheit von 59 Prozent ebenfalls bis zu 10.000 Euro auf, allerdings im Jahr.

Welche Anstrengungen die Fischer GmbH in Sachen EMAS unternimmt, dokumentiert das Unternehmen exakt in seiner Umwelterklärung. Diese ist Bestandteil der Zertifizierung. Darin belegt das Unternehmen, welche Maßnahmen es umgesetzt hat, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Dabei achtet es insbesondere auf Müllvermeidung und Mülltrennung, es prüft Verpackungen und deren Materialien sorgfältig nach neuesten technischen und wirtschaftlichen Erkenntnissen und peilt einen möglichst niedrigen Gasverbrauch an. Diese Bereiche stuft das Unternehmen als sehr wichtig ein, da es sie wirksam beeinflussen kann. Das gilt weniger für den Strom-, Wasser- und Treibstoffverbrauch. Zwar achtet die Koch GmbH auch hier auf einen geringen Verbrauch, dieser lässt sich aber ab einem bestimmten Niveau nicht mehr weiter absenken.

» Im Jahr 2013 konnten wir den Gasverbrauch um 25 Prozent senken. « Tobias Stengel, Michael Koch GmbH

Welche Anstrengungen der badische Zuliefererbetrieb unternimmt, um das EMAS-Siegel zu erhalten, verdeutlichen die Maßnahmen im Bereich Gas: Seit dem Jahr 2010 setzt die Firma eine Wärmepumpe für die Gebäudeheizung ein und spart damit drastisch Energie. „Allein 2013 konnten wir den Gasverbrauch um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr senken. Das waren knapp 1.900 Kilowattstunden“, sagt Stengel. So schaltet die Gastherme nur dann zu, wenn die Wärmepumpe die benötigte Heizenergie nicht zur Verfügung stellen kann. Doch dies ist eigentlich nie der Fall. Im Bereich Müll schaffte es das Unternehmen, den nicht verwertbaren Anteil auf unter fünf Prozent zu bringen. Alle anderen Abfälle, wie beispielsweise Edelmetalle, setzt die Koch GmbH wieder ein. Auch in puncto Verpackung waren die Geschäftsleitung und der EMAS-Beauftragte Stengel kreativ: Sie haben ein Pendelsystem mit einem Kartonlieferanten eingerichtet. Das bedeutet: Sämtliche Kartonagen gehen an den Lieferanten zurück, werden dort geschreddert und zu 100 Prozent wieder genutzt.

Stromverbrauch minimieren

Und auch beim Thema Strom hat sich die Firma Koch nun einiges vorgenommen. So prüft das Unternehmen zurzeit, ob es wirtschaftlich ist, die Beleuchtung auf LED umzustellen. Zudem planen die Ubstadter, sowohl auf einer bestehenden Garage eine Photovoltaikanlage zu installieren als auch ihren Parkplatz zu überdachen und dort ebenfalls eine Photovoltaikanlage zu errichten. „Mit diesen Maßnahmen können wir unsere Stromrechnung dauerhaft senken“, sagt Stengel. Alle unternehmerischen Aktivitäten, von der Entwicklung eines neuen Produkts – umweltverträgliche und recyclingfähige Rohstoffe – bis hin zur umweltfreundlichen Auslieferung an seine Kunden, stellt der Betrieb ebenfalls auf den Prüfstand und checkt, welche Auswirkungen diese Aktivitäten auf die Umwelt haben. Dabei sind alle Beteiligten, angefangen von der Geschäftsleitung bis zu den Auszubildenden, verpflichtet, Umweltbelastungen zu vermeiden oder zu vermindern. Mit regelmäßigen Schulungen informiert das Management alle Mitarbeiter darüber, welche Ziele angepeilt werden und mit welchen Maßnahmen diese erreicht werden können.

© Creditreform-Magazin 12/2014

© Creditreform-Magazin 12/2014

Doch nicht nur die Umwelt profitiert von EMAS, auch die Unternehmen gewinnen. Sie erzielen dank der Vorgaben eine bessere Energieeffizienz: Sie benötigen weniger Roh- und Hilfsstoffe und das Abfallaufkommen sinkt. Die Bestätigung der Einhaltung der Rechtsvorschriften verbessert die Rechtssicherheit und reduziert Haftungsrisiken. Mit rechtskonformem Verhalten im Umweltschutz vermeiden sie intern unliebsame Folgeschäden. Und bei Geschäftspartnern sowie in der Region steigern sie ihr Ansehen. Dieses Ziel hat auch die Michael Koch GmbH erreicht. Dabei half ihr neben den selbst produzierten energieeffizienten dynamischen Energiespeichern auch ihr mit EMAS dokumentiertes Umweltverhalten.


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