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Schnäppchenjäger: Tipps für den Stromeinkauf

Einem Einkaufspool anschließen? Einfach nur den Versorger oder die Tarifart wechseln? Worauf Firmen bei der Strombeschaffung achten sollten, damit ihre Rechnung nicht zu hoch ausfällt.

Seit Jahren steigt der Pro-Kopf-Verbrauch von Tiefkühllebensmitteln. Davon profitiert auch die Frigo Coldstore Logistics GmbH & Co. KG. Das Familienunternehmen betreibt im Hamburger Hafen Kühlhäuser mit einer Fläche von insgesamt 18.000 Quadratmetern. Dort lagern zum Beispiel Fleisch aus Südamerika, Fisch aus Kanada oder Gemüse aus China. Bei minus 18 Grad – das kostet Strom. „Wir verbrauchen im Jahr rund vier Millionen Kilowattstunden“, sagt Florian Redlefsen, geschäftsführender Gesellschafter des Logistikunternehmens.

Bei dieser Menge kommt es auf jeden Cent an, den der Strom kostet. Deshalb hat sich Frigo dem Strompool des Verbands Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistikunternehmen (VDKL) angeschlossen. „Wir bündeln die benötigten Energiemengen verschiedener Unternehmen zu einer großen Abnahmemenge von einer Milliarde Kilowattstunden – dadurch können wir die Energie über den Großhandel an der Energiebörse EEX in Leipzig günstig beschaffen“, sagt VDKL-Geschäftsführer Jan Peilnsteiner. Für jeden seiner etwa 100 Stromabnehmer ermittelt der Verband zudem eine eigene Beschaffungsstrategie. Diese berücksichtigt unter anderem den individuellen Tätigkeitsbereich des Unternehmens und passt die zu beschaff enden Strommengen flexibel an den jeweiligen Bedarf an. Das Ergebnis: „In den vergangenen Jahren konnten die Teilnehmer des VDKL-Strompools signifikante Einsparungen bei den Energiekosten verzeichnen“, so Peilnsteiner.

Verschiedene Kundengruppen

Unterstützung bei der Strombeschaffung erhalten Unternehmen auch bei spezialisierten Beratern. So wie zum Beispiel bei Bernd Busse, Inhaber des Specht Ingenieurbüros für Energiewirtschaft und -technik aus Gifhorn. Er berät seine Kunden bei der Reduzierung von Energiekosten und -verbrauch. Kleineren Unternehmen mit deutlich weniger Stromverbrauch, in der Fachsprache Standardlastprofil- Kunde (SLP-Kunde) genannt, rät Busse, alle ein bis zwei Jahre auf Internetportalen zu recherchieren, welcher Stromversorger Elektrizität zu günstigeren Preisen anbietet als ihr bisheriger. „SLP-Kunde ist jeder Kunde, der monatlich eine Abschlagszahlung leistet und lediglich einmal jährlich eine Abrechnung erhält“, so Busse. Dabei ist die Bandbreite der Grenzwerte für den Jahresverbrauch, bis zu dem ein Stromversorger Unternehmen als SLP-Kunde einstuft, sehr groß: Sie reicht bis maximal 100.000 Kilowattstunden.

Strom lässt sich günstiger über den Großhandel der Energiebörse EEX  beschaffen, wenn Mittelständler ihre Nachfrage bündeln. © Waltraud Grubitzsch/picture-alliance

Strom lässt sich günstiger über den Großhandel der Energiebörse EEX
beschaffen, wenn Mittelständler ihre Nachfrage bündeln. © Waltraud Grubitzsch/picture-alliance

Verbraucht ein Unternehmen mehr, wird es als RLM-Kunde (RLM: Registrierende Leistungsmessung) oder Sondervertragskunde geführt und erhält beispielsweise monatlich eine genaue Abrechnung. Der großer Vorteil: „Die Firma kann ihren Strompreis selber aushandeln“, weiß Busse. Sein Tipp für diese Firmen: Sofern noch nicht geschehen, den Versorger anschreiben und ihn zu einer Angebotsabgabe auffordern. Um möglichst aussagekräftige Offerten zu erhalten, sollten sie den Versorgern den Jahresverbrauch in Kilowattstunden, die Jahreshöchstleistung in Kilowatt, Art und Anzahl der Stromzähler, Art der Versorgung (Nieder- oder Mittelspannung), die Lieferadresse, die Branche und die Besitzverhältnisse einer eventuell vorhandenen Trafostation nennen. Weiterhin rät Busse, bei einer solchen Anfrage darzulegen, ob das Unternehmen im Schichtbetrieb arbeitet.

Doch zuvor sollten die Unternehmer ihre Hausaufgaben machen: Sie müssen ihren Verbrauch überprüfen und feststellen, wann und in welcher Höhe sie Spitzenverbräuche haben, ob sich diese vermeiden – etwa durch Abschaltung von Maschinen oder Klimaanlagen – oder auf andere, kostengünstigere Zeiten verschieben lassen. Der Hintergrund dieser Maßnahmen: Bei RLM-Kunden werden alle 15 Minuten Werte wie Verbrauch, Leistung und Blindarbeit erfasst. Der angebotene Energiepreis richtet sich nach dem jeweiligen Spitzenverbrauch in dem Messzeitraum. „Diese sogenannte Lastganganalyse sollte einer Angebotsanfrage ebenfalls beigelegt werden“, so Busse.

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Auktion statt Festpreis

Meist schließen die Unternehmen – egal ob Tarif- oder Sondervertragskunde – einen Stromliefervertrag zu einem fest vereinbarten Preis ab, der für die gesamte benötigte Menge gilt und der an einem Stichtag fixiert wurde. Dies gibt mehr Sicherheit in der Planung der Stromkosten – ein Vorteil, der umso wichtiger ist, je geringer der Anteil der Stromausgaben an den Gesamtkosten ist und je weniger Ressourcen beziehungsweise Knowhow die Firmen in puncto Strombeschaffung vorweisen können. Doch auch diese Betriebe haben gute Chancen, hohen Stromkosten zu entgehen. „mit einem Preisvergleich per öffentlicher Ausschreibung oder per Auktionierung der Strommengen“, so Matthias Berg, Autor der Studie „Strategischer Energieeinkauf“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

Eine andere Alternative zur Kostensenkung stellt die Erzeugung von Eigenstrom per Photovoltaik oder Blockheizkraftwerk dar. Diese drückt den Preis auf rund zehn Cent pro Kilowattstunde, also halb so viel wie bei einem Energieversorger. Diesen Weg geht auch Frigo-Chef Florian Redlefsen: Rund 1.300 Solarzellen auf dem Dach der Kühlhäuser sorgen für ausreichende Minusgrade im Inneren. Die Firmenkasse freut’s – ebenso den Chef.


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