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EnBW wird aussichtsreichster Bieter bei Prokon

EnBW greift nach Prokon und wird vom Gläubigerausschuss des insolventen Windkraftunternehmens bevorzugt. Anleger müssen sich nun erklären, ob sie den Konzern als Genossenschaft weiterführen wollen.

Im Bieterwettstreit um das Kerngeschäft des Windparkbetreibers Prokon wird der Energiekonzern EnBW vom Gläubigerausschuss des insolventen Konzerns bevorzugt. Das hat EnBW am Dienstag Abend in einer Ad hoc Mitteilung bekannt gegeben. Der SDAX-notierte Hamburger Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage ist damit aus dem Bieterverfahren ausgeschieden.

Der angebotene Kaufpreis liege bei einem ‘mittleren dreistelligen Millionenbetrag’ und werde in bar bezahlt, heißt es bei EnBW. Die finale Entscheidung, wer nun den Zuschlag erhält, werde die Prokon-Gläubigerversammlung Anfang Juli treffen. Der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat die Auswahl des Investors bestätigt.

Nach Informationen des Handelsblatts aus unternehmensnahen Kreisen liegt das Angebot bei rund 550 Millionen Euro. Der EnBW-Konzern gab dazu keinen Kommentar. Nun sind die Prokon-Anleger dran. Sie müssen sich verbindlich erklären und dem Insolvenzverwalter mitteilen, wie viel Geld sie im Unternehmen lassen würden um damit eine Genossenschaft zu gründen und selbst die Regie bei Prokon zu übernehmen. Der Insolvenzverwalter wird dann prüfen, ob mit der Willenserklärung der Anleger die erforderliche Eigenkapitalquote erreicht wird.

An einer Testumfrage Ende 2014 hatten 51.000 von insgesamt 75.000 Genussrechtsinhabern teilgenommen. Sie hatten mit klarer Mehrheit erklärt, dass sie bereit seien, auf Barausschüttungen zu verzichten und sich an einer Genossenschaft zu beteiligen.

Sollte die nun anstehende verbindliche Umfrage ähnlich ausfallen, wird Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin zwei Insolvenzpläne aufstellen. Einer wird die Übernahme durch EnBW enthalten, der andere die Fortführung des Kerngeschäfts durch die Anleger in Form einer Genossenschaft. Beim Genossenschaftsplan ist auch die Ausgabe einer Anleihe an sämtliche Genussrechtsinhaber vorgesehen. Über diese Pläne werden die Gläubiger dann auf ihrer Versammlung entscheiden.

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus hatte insgesamt 1,44 Milliarden Euro Anlegerkapital in Form von Genussrechten eingesammelt und musste Anfang 2014 Insolvenz anmelden. Die Genussrechtsinhaber gelten als gleichberechtigte Gläubiger neben Lieferanten und Banken.


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