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Strategische Schwachstelle: Die Materialdisposition

Auf drei zentrale leistungswirtschaftliche Defizite stoßen wir in unseren Beratungsprojekten regelmäßig: ein zu breites Produkt-Portfolio, eine schlechte Planung und Steuerung des Materialstroms sowie eine ungeschickte Architektur der Wertschöpfungskette. In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit den Herausforderungen des Produktportfolios auseinandergesetzt. Dieses Mal möchte ich Sie für die Bedeutung einer guten Planung und Steuerung Ihrer Materialströme sensibilisieren.

Trotz 50 Jahren Erfahrung in Sachen PPS- und ERP-Systeme verfügen viele Unternehmen noch immer nicht über eine durchgängige Planungskette von der Absatzplanung bis zur Fertigungsteuerung; häufig liegen manuelle Schritte in Form von Spreadsheet-Planungen dazwischen. Statt die Planungsautomatismen des ERP-Systems zu nutzen, wird von Hand gearbeitet: das ERP-System dient nur als goldene Schreibmaschine.

Was vor 30 Jahren bei wenigen und einfacheren Produkten sowie einfacheren Fertigungsprozessen noch per Wand-Plantafel möglich war, lässt sich heute nicht mehr aufrechterhalten. Die Bedeutung einer effizienten Disposition und Fertigungssteuerung wird in den meisten Unternehmen systematisch unterschätzt. In einer inzwischen schon veralteten Studie mit Daten aus der Hochkonjunkturphase des Sommers 2008 errechneten wir die gesamten Überbestände in der deutschen Industrie zu damals 153 Mrd. Euro. Aktuelle Zahlenwerte, die wir aus zahlreichen Projektuntersuchungen ziehen, deuten darauf hin, dass sich an diesem Wert nicht Wesentliches verändert hat. Auch wenn wir in den letzten sieben Jahren gelernt haben, mit hohen mehrstelligen Milliardenwerte entspannt zu leben, zeigt diese Zahl doch eindrucksvoll die kumulierte Ineffizienz der Dispositionsprozesse in der deutschen Wirtschaft.

Sicherlich haben Sie sich schon einmal gefragt, welchen unternehmerischen Spielraum Ihnen der Abbau von Beständen bringt. Bezogen auf ein durchschnittliches Unternehmen des produzierenden Gewerbes und des Handels können Sie mit der Liquidität, die Sie aus 20% Bestandsreduzierung gewinnen, Ihre Barmittel um fast 50% erhöhen und Ihre langfristigen Verbindlichkeiten um ein gutes Viertel senken. Rechnen Sie die Werte einmal anhand Ihrer Bilanz aus!

20% Bestandsreduzierung ermöglichen eine Erhöhung der freien Liquidität um 48% oder eine Reduzierung der langfristigen Verbindlichkeiten um 27%
In vielen Restrukturierungsprojekten, und nicht nur dort, lässt sich die Liquidität, die für die Durchführung von Maßnahmen erforderlich ist, aus dem Abbau von Beständen gewinnen!

Um die Planung und Steuerung (Disposition)  der eigenen Wertschöpfungskette zu verbessern, muss man zumeist an vielen Stellen ansetzen. Es würde diesen Beitrag sprengen alle hier zu besprechen. Damit möchte ich mich in zukünftigen Posts genauer auseinandersetzen. Auf einen Aspekt möchte ich an dieser Stelle jedoch schon hinweisen: Ohne effiziente und in wesentlichen Bereichen automatisierte Planungs- und Dispositionsprozesse kann keine Wertschöpfungskette nachhaltig wirtschaftlich durchgeführt werden. Das Bauchgefühl der Anwender stellt leider einen der wesentlichen Bestandstreiber im Unternehmen dar.


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