Handelsblatt News

Der Spagat des FDP-Chefs

Christian Lindner wird für sein gesellschaftliches Engagement in einem Kinderhospiz geehrt. Eine passende Gelegenheit für den FDP-Chef über den Sozialstaat zu sprechen – und sich in Szene zu setzen.

Ganz klar, die Sache ist ein Spagat. Auf der einen Seite sitzt da der Politiker, der FDP-Chef, der auch im Tal der Tränen den Optimisten gab und jetzt, wo der Erfolg zaghaft zurückkehrt, eines partout nicht tun darf: dem Übermut verfallen.

Auf der anderen Seite gibt es da diesen Herrn Lindner, 36 Jahre alt, glaubhaft von dem Wunsch beseelt, dort, wo es geht, Liberalismus zu versprühen und mit gutem Beispiel voranzugehen. ‘Unsere Gesellschaft ist nicht kalt, wir leben nicht in der Zeit eines neoliberale Winters. Viele leisten einen Beitrag jenseits des Steuerzahlens’, sagt Christian Lindner vergangene Woche in Düsseldorf. Gebräunt, Dreitagebart, breites Grinsen.

Lindner hat den mit 5000 Euro dotierten „Giving-Tree“-Preis dafür erhalten, dass er sich in einem Hospiz namens „Regenbogenland“ für todkranke Kinder engagiert. Seit acht Jahren wirbt Lindner für das Projekt und hat dadurch zahlreiche Förderer gewonnen. Er tue Gutes im Verborgenen, sagt Markus Schön, Vorstand der „Giving-Tree“-Stiftung, der dem Politiker als Auszeichnung auch noch eine kniehohe Edelstahlskulptur des Berliner Künstlers Jan Köthe überreicht.

Lindner bedankt sich. Natürlich ist er Politikprofi genug, um einerseits darauf hinzuweisen, dass sein soziales Engagement nicht politisch motiviert ist, auf der anderen Seite aber genau den Zusammenhang zwischen beiden Themen herzustellen. ‘Viele haben das Gefühl’, meint er, ‘der Staat sorge mit den enorm hohen Abgaben schon genug für Soziales. Und umgekehrt sagt der Staat, man könne sich nicht darauf verlassen, dass Menschen das selbst organisiert erledigen.’ Also sehe er sich gezwungen, Abgaben zu erheben und Verordnungen zu erlassen. ‘Diese Situation ist überdenkenswert’, übt sich Lindner erfolgreich im Spagat.


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