Finanzierung, solvent

Mitarbeiter beteiligen – gemeinsam ernten

Mit einer finanziellen Beteiligung am Unternehmenserfolg lassen sich qualifizierte Mitarbeiter binden und motivieren. Welche Modelle sich wann anbieten, zeigen Praxisbeispiele.

Bei der Seeberger GmbH in Ulm partizipieren die Mitarbeiter bereits seit mehr als 30 Jahren am Erfolg ihres Betriebs, der Trockenfrüchte und Kaffee produziert. Die Inhaberfamilie wollte damals alle im Team am Aufwärtstrend des Unternehmens teilhaben lassen – darum erhielt jeder Angestellte Sonderzahlungen zwischen einem halben und einem ganzen Monatslohn. Einen Teil davon legten die Mitarbeiter in Form von Genussrechten für mindestens sechs Jahre bei ihrem Arbeitgeber an.

An diesem Prinzip hat sich bis heute nicht viel geändert, die Beteiligung wurde nur ein wenig modifiziert. So führte die Firmenleitung vor 20 Jahren eine zusätzliche Erfolgsbeteiligung in Form von Mitarbeiterguthaben ein, die mit vier Prozent im Jahr verzinst werden. „Unsere Beteiligungspraxis hat sich bei minimalem Verwaltungsaufwand rundum bewährt, wir würden es wieder so machen“, sagt Seniorchef Julius Rohm im Rückblick. Die heute mehr als 500 Beschäftigten sind motiviert, identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber und das Betriebsklima ist gut. Tatsächlich erzielen Unternehmen mit der Beteiligung ihrer Mitarbeiter laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ansehnliche 20 Prozent mehr Wertschöpfung als die Konkurrenz. Sie sind damit besser für Krisenzeiten gewappnet, halten eine stärkere Position im harten Wettbewerb und verfügen tendenziell über ein hohes Eigenkapital. Letzteres wiederum führt dazu, dass sich die Betriebe aufgrund ihres guten Ratings günstig finanzieren können.

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Die richtige Vorbereitung

Doch ein Beteiligungsmodell will akribisch vorbereitet sein. Denn so erfolgversprechend die Idee, so hoch sind die Risiken, wenn der Unternehmer die Sache falsch angeht. „Im ersten Schritt legt der Firmenchef am besten seine Ziele fest“, empfiehlt Stefan Fritz, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft mit-unternehmer.com in Bamberg. Zum Beispiel wollen viele Betriebe via Beteiligung die Identifikation der Angestellten mit ihrem Arbeitgeber erhöhen. Laut einer EY-Studie in Kooperation mit dem Deutschen Aktieninstitut sind das immerhin 85 Prozent der Unternehmen. Mehr Mitverantwortung versprechen sich 59 Prozent der Umfrageteilnehmer und eine gesteigerte Leistungsorientierung 54 Prozent der Unternehmen, die ein Beteiligungsmodell bereits eingeführt haben.

Förderung nutzen
Ein Zuschuss steigert erfahrungsgemäß das Interesse der Mitarbeiter an einer Beteiligung. Der Staat unterstützt dabei:

Geldwerter Vorteil. Grundsätzlich fallen Steuern und Sozialabgaben an, wenn der Chef dem Mitarbeiter eine Beteiligung an seiner Firma schenkt. Das gilt jedoch nicht für die ersten 360 Euro. Die Beteiligung muss jedoch allen Mitarbeitern angeboten werden, die ein Jahr oder länger im Betrieb tätig sind. Der Mitarbeiter kann auch Lohn umwandeln. Auch hier liegt die Obergrenze bei 360 Euro im Jahr. Es fallen keine Steuern, wohl aber Sozialabgaben an.

Arbeitnehmer-Sparzulage. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, bis zu 400 Euro im Jahr als vermögenswirksame Leistungen bei ihrem Chef anzulegen. Die Arbeitnehmer- Sparzulage von 20 Prozent auf den Betrag wird aber für Ledige nur bei maximal 20.000 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr gewährt, Verheiratete 40.000 Euro. Der Mitarbeiter kann auch dann die Zulage kassieren, wenn er bereits vermögenswirksame Leistungen in eine Bausparkasse oder in einen Altersvorsorgevertrag einzahlt.

Ähnliche Vorstellungen hat auch Frank Ackermann, Geschäftsführer der Schreinerei Georg Ackermann GmbH im fränkischen Wiesenbronn. Die Firma mit 120 Mitarbeitern entwickelt und produziert Freiformteile und Sonderlösungen aus Holz- und Verbundwerkstoffen. Vor rund sechs Jahren machte Ackermann seine Angestellten zu Mitunternehmern: „Es geht mir darum, die Mitarbeiter an die Firma zu binden sowie ihnen eine unternehmerische Denkweise zu vermitteln. Ich möchte sie dazu veranlassen, die richtigen Entscheidungen in ihrem Aufgabengebiet zu treffen. Wir erkennen die Tendenz, dass viele unserer Teammitglieder betriebswirtschaftlicher denken.“ Dafür zahlt er eine Gewinnbeteiligung, die bisher pro Jahr zwischen neun und 30 Prozent lag. Jeden zweiten Beschäftigten konnte er bereits überzeugen.

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