Menschen Kaleidoskop 1

Finanzierung, solvent

Geld aus dem Netz mit Fintechs

Statt zur Bank gehen immer mehr Mittelständler und Startups ins Netz und nutzen sogenannte Fintec- Plattformen. Ihre Finanzierungswünsche werden zumeist von Privatanlegern erfüllt – vorausgesetzt, die Geschäftsidee überzeugt.

Als Benno Hübel mit Ehefrau Melanie Ende 2013 die Berliner Schokoladenmanufaktur Sawade übernahm, fand er eine „Prinzessin im Dornröschenschlaf“ vor. Seitdem ist an Schlaf nicht mehr zu denken: Die neuen Eigentümer entwarfen Verpackungen, stärkten den Vertrieb, führten ein Warenwirtschaftssystem ein, optimierten das Qualitätsmanagement.

Fintechs: Investitionen für den Neuanfang

Alles geschah unter erschwerten Bedingungen, schließlich war Sawade zum Zeitpunkt der Übernahme alles andere als ein florierendes Unternehmen. Im Gegenteil: Die Firma befand sich in der Insolvenz. Um das Ruder herumzureißen, mussten die Hübels investieren. In ein repräsentatives Ladenlokal im Zentrum Berlins, in einen neuen Onlineauftritt inklusive Shop, in die Produktion und in innovative Produkte. Entsprechend hoch fiel die Investitionssumme aus: „Ursprünglich hatten wir 1,1 Millionen angepeilt“, sagt der 41-jährige Unternehmer. Bekommen hat Sawade sogar noch viel mehr: insgesamt 1,35 Millionen Euro, eingesammelt bei Kleininvestoren über die Crowdfunding-Plattform Companisto – ganz ohne Sicherheiten.

Wie Hübel nutzen immer mehr Mittelständler und vor allem Startups das Web, um sich alternative Quellen zur Unternehmensfinanzierung via Crowdfunding, -investing oder -lending zu erschließen. Für 2015 rechnen die Wirtschaftsprüfer von EY mit einem europaweiten Crowdfunding-Volumen von sieben Milliarden Euro. Der mit Abstand größte Teil entfällt mit 2,3 Milliarden Euro auf Großbritannien.

Wie Fintechs Unternehmen unterstützen

Crowdfunding: Die Geldgeber bestellen ein noch nicht fertiges Produkt, zahlen sofort und nehmen eine Wartezeit in Kauf. Dafür bekommen sie einen Vorzugspreis und/oder andere „Bonbons“. Anbieter sind etwa Kickstarter, Indiegogo, Fandango, Startnext.

Crowdinvesting: Beim Crowdinvesting schließen sich viele Personen über das Internet zusammen, um sich gemeinsam an Unternehmen zu beteiligen. Alternativ begeben die Firmen ein Venture-Loan. Für diese Darlehen bekommen die Investoren jährlich oder halbjährlich Zinsen. Anbieter sind zum Beispiel Companisto, Seedmatch, Bergfürst oder Zinsland (für Immobilien).

Crowdlending: Hier können Unternehmen zügig die günstigsten Kreditkonditionen ermitteln und eine Finanzierung beantragen. Lendico, Smava, Fintura, Kapilendo, Spotcap, Kabbage und Funding Circle/ Zencap sind einige der Anbieter. Meist stellen private Anleger das Geld zur Verfügung.

In Deutschland ist das Volumen mit 140 Millionen Euro im Jahr 2014 zwar vergleichsweise gering, hat sich aber gegenüber 2013 mehr als verdoppelt. Die Skepsis gegenüber dieser hierzulande noch jungen Finanzierungsform nehme ab, beobachtet Sven Korschinowski, Partner beim Wirtschaftsprüfer KPMG: „Für Mittelständler mit schwacher Bonität, schnellem Kapitalbedarf oder auch Startups mit riskanten Geschäftsmodellen bieten die Plattformen manchmal die einzige Möglichkeit, um an Kapital zu kommen – oder sie sind zumindest eine gute Ergänzung zu den klassischen Quellen.“ Wer es versteht, durch eine clevere Kampagne die Internetgemeinde zu begeistern, kann im Idealfall auch auf hohe Summen kommen. So hatten sich 2014/15 auf Companisto gut 1.800 Investoren am Startup Panono, das eine 360-Grad-Wurfkamera entwickelt hat, mit gut 1,6 Millionen Euro beteiligt – deutscher Rekord.

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