mann-auf-miniatur-auto-steuer

    solvent, Steuern

    Der Firmenwagen als Steuerfalle

    Nach einer Umfrage des Bunds der Steuerzahler NRW wird bei Betriebsprüfungen die private Mitbenutzung von Firmenwagen am häufigsten bemängelt – noch vor anderen Stolpersteinen wie Kasse, Buchführung oder Bewirtungsaufwendungen. Mit diesen Tipps wird die jährliche Steuerabrechnung finanzamtssicher.

     

    Betriebsfahrten mit dem Firmenwagen nachweisen

    Seit 2006 darf die private Mitbenutzung von Firmenwagen durch Unternehmer und Freiberufler nach der Ein-Prozent-Regelung nur noch dann besteuert werden, wenn das betreffende Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblichen Zwecken dient. Den geforderten Mindestumfang hat der Fahrer anhand geeigneter Unterlagen darzulegen und glaubhaft zu machen. Allerdings bedarf es dazu weder eines Fahrtenbuchs, noch gelten besondere Formvorschriften. Selbst Eintragungen in Terminkalendern, Abrechnungen gefahrener Kilometer gegenüber den Auftraggebern sowie Reisekostenaufstellungen sollen die Finanzämter neben anderen Abrechnungsunterlagen akzeptieren.

    Existieren jedoch keine aussagekräftigen Unterlagen, darf die überwiegende betriebliche Nutzung nach einem Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF, Az.: IV C 6 – S 2177/07/10004) durch formlose Aufzeichnungen über einen repräsentativen zusammenhängenden Zeitraum von üblicherweise drei Monaten glaubhaft gemacht werden. Dabei reichen Angaben über die Anlässe betrieblich veranlasster Fahrten sowie die Kilometerstände zu Beginn und Ende des Aufzeichnungszeitraums aus.

    Loseblattsammlungen vermeiden

    Der BFH hat die Anforderungen an das Fahrtenbuch deutlich verschärft. Sofern die Angaben insgesamt plausibel sind, müssen die Finanzämter zwar kleinere Aufzeichnungsmängel hinnehmen. Dazu zählen etwa die unterlassene Aufzeichnung einer Tour, für die eine Tankrechnung vorliegt, sowie Abweichungen zwischen den Kilometerangaben laut Fahrtenbuch und Werkstattrechnungen. In jedem Fall ist eine geschlossene Form der Aufzeichnungen nötig, bei der Änderungen, Streichungen oder Ergänzungen deutlich erkennbar sind. Lose Notizzettel zu sammeln, genügt nicht.

    Wechsel nur zum Stichtag

    Nach einer BFH-Entscheidung (Az.: VI R 35/12) kommt die grob typisierende Ein-Prozent-Regel auch dann für das gesamte Kalenderjahr zur Anwendung, wenn für dasselbe Fahrzeug später doch noch ein Fahrtenbuch eingeführt wurde. Ein unterjähriger Wechsel ist nur für ein anderes Auto zulässig.

    Mehr Tipps rund um das Thema Firmenwagen finden Sie in unserem Spezial.

    Hohe Hürden für elektronisches Fahrtenbuch

    Manipulationssicherheit wird auch bei digitalen Aufzeichnungen großgeschrieben. Tabellenblätter, die zum Beispiel per Excel geführt werden, lehnten die BFH-Richter ab, weil nachträgliche Veränderungen nach der Funktionsweise des Programms weder technisch ausgeschlossen sind noch in den erzeugten Dateien dokumentiert werden (Az.: VI B 12/11). Akzeptabel erscheint den Finanzbehörden dagegen die nachträgliche Eintragung des Fahrtzwecks in einem Webportal, sofern dort auch die Person und der Zeitpunkt der nachträglichen Eintragung dokumentiert werden. Laut BMF ist ein E-Fahrtenbuch auch dann zeitnah geführt, wenn automatisch bei Beendigung jeder Tour Datum, Kilometerstand und Fahrtziel erfasst werden und der dienstliche Anlass dann innerhalb der nächsten sieben Kalendertage nachgereicht wird.

    Firmenwagen: Alles inklusive

    Ein BMF-Schreiben (Az.: IV C 5 – S 2351/09/10002: 002) zum Werbungskostenabzug für Fahrten zwischen Wohnung und der (ab 2014) ersten Tätigkeitsstätte sowie zu Familienheimfahrten besagt: Durch die Entfernungspauschale sind sämtliche Kfz-Kosten abgegolten. Nicht abzugsfähig sind jedoch Parkgebühren, Beiträge für Kraftfahrerverbände, Versicherungsbeiträge, Aufwendungen infolge Diebstahls und die Kosten eines Austauschmotors, selbst wenn sich der Motorschaden auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ereignete. Auch die fälligen Reparaturkosten nach einer Falschbetankung streichen die Finanzbeamten (BFH, Az.: VI R 29/13).

    Eine Ausnahme gilt lediglich für Unfallkosten: Aus Vereinfachungsgründen darf der Unternehmer bis zu 1.000 Euro (einschließlich Umsatzsteuer) als Reparaturkosten in die Gesamtkosten einbeziehen. Verzichtet der Arbeitgeber bei Privatfahrten oder Trunkenheitsfahrten auf Schadenersatz, liegt in Höhe des Verzichts ein gesonderter geldwerter Vorteil vor. Da Versicherungserstattungen davon jedoch unabhängig vom Zahlungszeitpunkt abgezogen werden sollen, beschränkt sich der lohnsteuerpflichtige Betrag regelmäßig auf die Höhe des vereinbarten Selbstbehalts. Doch Achtung: Wurde keine Versicherung abgeschlossen, soll gleichwohl ein Selbstbehalt von 1.000 Euro angenommen werden, sofern es bei bestehender Versicherung zu einer Erstattung gekommen wäre.

    Private Firmenwagen-Nutzung ausschliessen

    Oftmals vermutet das Finanzamt, dass Firmenwagen auch privat genutzt werden. Dies konnten die Fahrer in der Vergangenheit meist widerlegen. Zum Beispiel mit dem folgenden Argument: Für private Fahrten stehen weitere Autos zur Verfügung, die einen vergleichbaren Status und Gebrauchswert wie das Betriebs- Kfz aufweisen. Doch damit ist nach einem überraschenden Urteil des BFH Schluss (Az.: VI R 31/10): Stellt der Arbeitgeber unentgeltlich oder verbilligt ein Fahrzeug zur privaten Nutzung zur Verfügung, führt dies beim Mitarbeiter auch dann zu einem steuerpflichtigen Vorteil, wenn das Auto tatsächlich gar nicht privat genutzt wird.

    Ohne Fahrtenbuch greift in diesem Fall die pauschale Ein-Prozent-Regelung, die die individuellen Besonderheiten hinsichtlich der Art und Nutzung des Dienstwagens ebenso unberücksichtigt lässt wie beispielsweise nachträgliche Änderungen des Fahrzeugwerts. Zeitgleich stellte der BFH allerdings auch klar, dass die Anwendung der Ein-Prozent-Regelung eine arbeitsvertragliche oder doch zumindest konkludent getroffene Nutzungsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraussetzt.

    Auf Angemessenheit achten

    Bei entsprechender betrieblicher Nutzung dürfen auch Luxusfahrzeuge dem Betriebsvermögen zugeordnet werden. Ob die Kosten für Beschaffung und Unterhaltung vom Finanzamt jedoch als Betriebsausgaben akzeptiert oder als unangemessener Repräsentationsaufwand gestrichen werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Entscheidend ist dabei nach der ständigen Finanzrechtsprechung, inwieweit ein gewissenhafter Unternehmer die Aufwendungen angesichts der erwarteten Vorteile und Kosten ebenfalls auf sich genommen hätte.

    Bei dieser Frage entschied der BFH zum Nachteil eines Freiberuflers, der einen geleasten Ferrari Spider als Geschäftsfahrzeug eingesetzt hatte: Statt der tatsächlichen Kosten von circa zehn Euro pro gefahrenem Kilometer kann der Besitzer nun nur noch die im Vergleich mit anderen Modellen gängiger Oberklassenmarken ermittelte Pauschale von zwei Euro abziehen. Keine Rolle spielte im Streitfall, dass die Fahrten mit dem Sportwagen nahezu ausschließlich geschäftlich veranlasst waren und der Selbstständige ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch vorlegen konnte (Az.: VIII R 20/12).


    Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
    Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

    Kommentar absenden

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    CAPTCHA-Bild

    *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

    Lesen Sie weiter