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    Finanzierung, solvent

    Mitarbeiter-Darlehen: Kredit aus der Belegschaft

    Ein Darlehen der Mitarbeiter kann für das Unternehmen zum attraktiven Finanzierungsinstrument werden. Welche Regeln es hierfür zu beachten gilt – und welche Fallstricke zu meiden sind –, zeigt unser Praxisbeispiel.

    Die Rieco Druck + Daten GmbH & Co. KG in Grünstadt zahlt ihren Mitarbeitern einen monatlichen Zuschuss zu vermögenswirksamen Leistungen. Das Geld kommt aber von vielen Angestellten freiwillig wieder retour – und zwar in Form eines Darlehens an ihren Arbeitgeber. „Wir bieten dieses Modell seit Jahrzehnten an, es gehört einfach zu unserer Firmenkultur“, sagt Firmenchef Thomas Emrich, der das Familienunternehmen mit 60 Arbeitnehmern leitet. Christlich-partnerschaftliche Grundwerte prägen den Umgang mit der Belegschaft und den Geschäftspartnern des Unternehmens, das sich auf Druckereierzeugnisse und Mediendienstleistungen spezialisiert hat. „Wir sind mit unserem Konzept bisher gut gefahren. Die Mitarbeiter nutzen unser Angebot intensiv“, so Emrich.

    Zusätzliche Liquidität

    Mit den Einlagen der Mitarbeiter aus den vermögenswirksamen Leistungen sammelt die Firma über mehrere Jahre hinweg stetig Kapital an – und verschafft sich so ein wenig mehr Unabhängigkeit von den Banken. „Vor dem Hintergrund einer rigiden Kreditvergabe infolge von Basel III kann der Unternehmer je nach Gestaltung auch sein Eigenkapital stärken“, erläutert Armin F. Schiehser, Steuerberater und Geschäftsführer der Kanzlei HSP Steuer in Lohr/Unterfranken.

    Grundsätzlich kann der Arbeitgeber die Darlehen nach seinen Bedürfnissen frei gestalten. Bei den Rückzahlungsmodalitäten, der jeweiligen Höhe des Zinssatzes bis hin zur Laufzeit und Kündigung hat er freie Hand. Vorsicht ist allerdings in puncto Schutz des gesammelten Kapitals für den Fall einer (drohenden) Zahlungsunfähigkeit des Betriebs geboten: „Werden die strengen rechtlichen Vorgaben übersehen und nicht eingehalten, begeht das Management rasch eine Straftat“, warnt Stefan Fritz, geschäftsführender Gesellschafter des Onlineportals Mit-unternehmer.com.

    Marktübliche Konditionen wählen

    Doch zunächst einmal gilt: „Die Vereinbarungen müssen einem Drittvergleich standhalten“, so Experte Schiehser. Es sollten also die marktüblichen Bedingungen ausgehandelt werden. „Wenn der Festzins fürs Darlehen zum Beispiel zwischen 1,5 und drei Prozent pro Jahr beträgt, ist das Unternehmen auf der sicheren Seite“, sagt der Steuerberater.

    Sofern der Unternehmer gegenüber den Mitarbeitern keine Sicherheiten stellt, darf die Vergütung des Kapitals aufgrund des erhöhten Risikos für die Geldgeber deutlich darüber liegen. „Der Unternehmer sollte sich aber nicht zu großzügig zeigen – der Fiskus wertet die Zinszahlungen sonst als steuerpflichtigen geldwerten Vorteil für die Mitarbeiter“, erläutert Schiehser. In der Konsequenz gehen die Finanzbeamten dann nämlich von einer verdeckten Gehaltszahlung aus und auf die Zinsen fallen Sozialabgaben und Steuern an.

    Der Vertrag sollte selbstverständlich schriftlich abgeschlossen werden, die Kreditvergabe und die Rückzahlung sollten wie vereinbart erfolgen. „Die Vorgaben des Fiskus sind unterm Strich einfach zu erfüllen, was sicherlich mit den Charme des Modells ausmacht“, sagt Schiehser.

    „Eine Absicherung stärkt bei unseren Mitarbeitern die Bereitschaft, uns ihr Geld zu geben.“ Thomas Emrich, Rieco Druck + Daten

    Komplizierter wird es, wie schon erwähnt, beim Insolvenzschutz: Sobald Teile des Lohns steuer- und sozialabgabenfrei in das Unternehmen einfließen, muss der Firmenchef eine Bankbürgschaft in Höhe der von den Mitarbeitern gewährten Darlehen abschließen. Dies gilt sowohl bei der Reinvestition des Zuschusses zu den vermögenswirksamen Leistungen, also auch für Darlehen im Rahmen einer Gehaltsumwandlung. Ein Zusatzaufwand, mit dem der Grünstädter Unternehmer Emrich kein Problem hat: „Sicherlich bezahlen wir dafür. Aber eine solche Absicherung stärkt bei unseren Mitarbeitern das Vertrauen und die Bereitschaft, uns ihr Geld zu geben“, so der Firmenchef.

    Doch die Bankbürgschaft birgt auch einen Nachteil: Sie mindert automatisch die freie Kreditlinie der Firma. „Deshalb entwickeln sich Mitarbeiterdarlehen in puncto Liquidität zu einem Nullsummenspiel“, sagt Berater Fritz.

    Mitarbeitergelder absichern

    Bringen die Arbeitnehmer ihre privaten Spareinlagen ein, kann eine sogenannte qualifizierte Rangrücktrittserklärung eine günstige Alternative zur Bankbürgschaft sein. Die Kapitalgeber erhalten im Fall einer Insolvenz erst dann ihr Geld, wenn andere Gläubiger bereits ihren Teil bekommen haben. Sie dürfen ihr Kapital in diesem Fall auch dann nicht aus der Firma herausnehmen, wenn diese so große Liquiditätsprobleme bekommen würde, dass sie in die Insolvenz rutscht. „Die Mitarbeiter tragen damit hohe Risiken, auf die der Unternehmer in jedem Fall ausdrücklich hinweisen muss“, benennt Fritz eine weitere Vorgabe, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in diesem Zusammenhang aufgestellt hat.

    Unterm Strich wirkt sich ein solcher Rangrücktritt jedoch positiv für die Firma aus: Das Kapital der Mitarbeiter zählt als wirtschaftliches Eigenkapital. Das gibt unter anderem Pluspunkte beim Bankrating – Folgefinanzierungen durch ein Kreditinstitut sind einfacher und günstiger zu realisieren. Ein kleiner Wermutstropfen: Aufgrund des höheren Risikofaktors wird die Vergütung der Mitarbeiter im Gegenzug wohl höher ausfallen müssen als bei einem klassischen Darlehen.

     

    Mitarbeiterdarlehen: Information ist Bringschuld

    So bereiten Unternehmer eine Darlehensfinanzierung durch ihre Mitarbeiter vor:

    Aufklären ist Pflicht

    Die Mitarbeiter sollten auf einer Betriebsveranstaltung umfassend über das Vorhaben informiert werden. Dazu gehören auch Angaben zum Investitionszweck, zu den Zielen und zu den Erwartungen, die an dieses Projekt geknüpft sind. Ganz wichtig: Bei den Mitarbeitern darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Firma von der Bank keinen Kredit mehr erhält. Das hätte eine extrem negative Wirkung auf das Betriebsklima. Überdies wird kaum jemand bereit sein, unter diesen Bedingungen Geld anzulegen.

    Kommunikation dokumentieren

    Die Mitarbeiter sind insbesondere über alle Risiken vorbehaltlos aufzuklären. Mit ihrer Unterschrift bestätigen sie den Erhalt der Informationen. Alle Unterlagen dazu sind aufzubewahren.

    Nicht ohne Berater

    Der Unternehmer sollte sich vorab beraten lassen, damit die Verträge so gestaltet werden, dass sie während der Laufzeit nicht angepasst werden müssen. Das betrifft beispielsweise die Höhe des Zinssatzes. In der Niedrigzinsphase kann es sich anbieten, eine variable Vergütung zu wählen – die sich automatisch entsprechend dem Markt entwickelt.


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