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    Hard- & Software, vernetzt

    Gebrauchte Software: „Vorsicht vor Schnäppchen“

    Der IT-Marktanalyst Axel Oppermann vom Beratungshaus Avispador spricht über die Vorteile und Fallstricke beim Einsatz von Gebrauchtsoftware.

     

    Welche Rolle spielt Gebrauchtsoftware im breiten Mittelstand?

    Gebrauchtsoftware ist ein etabliertes Instrument der Beschaffung. In unseren Beratungsprojekten sehen wir bei sehr vielen, ich würde sogar sagen: bei fast allen, kleinen und mittleren Firmen gebrauchte Programme im Einsatz – und das in den unterschiedlichsten Formen. Nennenswert ist der Gebrauchtmarkt aber nur bei Programmen mit großer Verbreitung, also bei Standardsoftware oder Modulen zu Standardsoftware. Und es müssen Programme sein, die nicht regelmäßig unter Wartung des Herstellers stehen, wie etwa Sicherheitstools. Konkret werden vor allem Microsoft-Lizenzen über den Zweitmarkt gehandelt, denn durch ihre immense Verbreitung und den hohen Bedarf entstand hier schnell ein relevanter Markt.

    Was ändert sich durch den Siegeszug von Cloud und Software zum Mieten?

    Aktuell beflügelt das sogar den Markt für gebrauchte Software, da jene Firmenkunden, die auf die Cloud umsteigen, ihre Lizenzen verkaufen. Meine Prognose: Trotz Cloud-Welle bleibt der Gebrauchtmarkt auch mittelfristig eine gute Quelle der Beschaffung.

    Sofern der Unternehmer dabei umsichtig vorgeht …

    Genau, denn die Hersteller forcieren das Thema Audit und Lizenzplausibilisierung. Sie haben angekündigt, in den kommenden Jahren etwa eine Auditierung pro Vertragslaufzeit durchzuführen. Unternehmen müssen daher quasi jederzeit mit der Überprüfung ihrer Softwarelizenzen rechnen. Immerhin haben sie sich mit der Unterzeichnung eines Volumenlizenzvertrags dazu verpflichtet, ihre Lizenznutzung und ihren Lizenzbestand jederzeit belegen zu können.

    Was raten Sie den IT-Verantwortlichen in den Firmen konkret?

    Nur wer seine tatsächlichen Bedarfe und Lizenzen aktiv managt, ist sicher vor unkalkulierbaren Ausgaben durch fehlerhafte Lizenzen, Strafzahlungen oder rechtliche Schritte. Achten Sie daher schon beim Kauf darauf, dass sie alle Dokumente zum Nachweis der gebrauchten Lizenzen erhalten – etwa die namentliche Nennung aller vorigen Inhaber sowie deren Deinstallationserklärungen. Zweitens rate ich zu einer regelmäßigen Bilanz: Wer seine Lizenzbestände im Griff hat, kann nicht mehr genutzte Produkte aus dem Inventar entfernen und überschüssige Lizenzen versilbern. Andersherum sind Gebrauchtsoftwarehändler gute Adressen, wenn Sie Ihre Lizenzbestände kostengünstig aufstocken müssen.

    Was halten Sie von Ebay-Angeboten, die nur aus einem Product-Key bestehen – oder von Education-Software aus Übersee, die im Web angeboten wird?

    Hier kann ich nur sagen: Vorsicht vor vermeintlichen Schnäppchen! Dass Software auch aus zweiter Hand nicht zu einem Bruchteil des Originalpreises legal zu haben ist, dürfte jedem klar sein. Auch Siegel und Testate sind nicht zwingend aussagekräftig, solange der Lizenztransfer nicht lückenlos nachgewiesen wird. Und last but not least: Wenn Sie die für die Auditierung angeforderten Informationen nicht besitzen und den Eindruck erwecken, dass Sie diese zurückhalten, erweckt das schnell die Aufmerksamkeit des Prüfers. Wer hingegen alle Dokumente zur Hand hat und zudem signalisiert, mit dem Prüfer gemeinsam und offen zusammenzuarbeiten, kann den weiteren Verlauf einer Überprüfung positiv beeinflussen. Dazu gehört auch der Ausgleich von entdeckten Unterlizenzierungen – warum nicht mit gebrauchter Software?


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