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Evonik plant Millioneninvestment in Deutschland

Der Spezialchemiekonzern Evonik investiert 400 Millionen Euro in Polyamid-Anlagen. Der Kunststoff wird im boomenden 3D-Druck benötigt.

Die ganz persönlich zugeschnittene Brille gibt es mittlerweile bei viel Optikern – dem 3D-Druck sei Dank. In der Werkstatt hinterm Verkaufsraum fertigen die Handwerker individuelle Gestelle an. Zum Einsatz kommt in den 3D-Druckern Polyamid-Pulver, ein ultraleichter und dennoch stabiler Kunststoff. In Pulverform wird er in den Mini-Maschinen Schicht für Schicht aufgetragen und mit einem Laser verschmolzen.

Für Chemiefirmen ist der in vielen Branchen einsetzende Boom des 3D-Drucks ein gutes Geschäft. Nur vier Hersteller teilen sich den Markt für Polyamid 12 auf. Nun prescht der weltgrößte Hersteller voran: Die Essener Evonik AG plant den Neubau einer komplette Polyamid-Produktion am Standort Marl im nördlichen Ruhrgebiet. Rund 400 Millionen Euro kostet das Projekt – es ist die größte Einzelinvestition, die Evonik bisher in Deutschland getätigt hat.

Die Erwartungen im Management des Chemiekonzerns sind groß: Die neue Anlage soll Evonik auf Dauer einen dreistelligen Millionenbetrag an freien Mitteln (Cashflow) in die Kasse bringen. Um rund 50 Prozent wir die bestehende Kapazität erhöht. 2021 soll die Anlage in Betrieb gehen und binnen fünf Jahren ausgelastet sein.

Wieviel Umsatz Evonik bisher schon mit Polyamid macht, will der Konzern nicht genau beziffern. Es steht aber für den Großteil des Geschäftsgebietes High Performance Polymers, das zuletzt einen Umsatz von rund einer halben Milliarde Euro machte. Es gehört zum Evonik-Segment Resource Efficiency.

Diese größte und wachstumsstärkste Konzernsparte setzt auf hochmargige Spezialchemie für Industriekunden. Sie soll einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Evonik seine Gewinnspanne dauerhaft auf mehr als 18 Prozent heben kann. Die Investition in Marl sieht Evonik dazu als wichtigen Schritt.

Der Einsatz von Polyamid im industriellen 3D-Druck wächst schnell, ist aber nicht die einzige Anwendung. Der Kunststoff wird als Ersatz für Stahl im Automobil- und Leichtbau sowie für Öl- und Gasleistungen und in der Medizintechnik gebraucht. Der gesamte Markt wächst mit fünf bis sechs Prozent pro Jahr.

Um die neue Polyamid-Produktionsanlage von Evonik hatten auch die USA und vor allem Singapur gebuhlt. Allerdings habe sich der größte deutsche Konzernstandort Marl als am besten geeignet herausgestellt, heißt es bei Evonik. Hier kann der Konzern auf die Expertise der Polyamid-Fachkräfte aufbauen, zudem ist die Rohstoffversorgung durch den nah gelegenen Cracker in Gelsenkirchen günstiger als im Ausland. Rund 150 Arbeitsplätze sollen entstehen.1p1p


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