© akindo/iStock© akindo/iStock

CR-News, informiert

Wissen, wer zahlt

Das Debitorenregister Deutschland (DRD) ermöglicht Unternehmen den kostenlosen Austausch von Zahlungserfahrungen. Die Auswertungen sind eine wertvolle Ergänzung in der professionellen Bonitätsbewertung und helfen beim Management von Forderungen. 

Es klingt paradox. Die Wirtschaftslage in Deutschland ist so gut wie lange nicht mehr. Die Geschäftserwartungen werden mit jeder neuen Prognose abermals besser. Doch ob die prall gefüllten Auftragsbücher Unternehmen am Jahresende auch ein gutes Ergebnis bescheren, hängt entscheidend davon ab, wie gut sie ihre Forderungen managen und ihre Liquidität steuern. Denn Letztere wird gerade im Aufschwung oft strapaziert.

Tatsächlich zeigt der aktuelle Creditreform Zahlungsindikator Deutschland, dass Unternehmen hierzulande ihre Rechnungen offenbar immer nachlässiger bezahlen. Forderungen wurden im zweiten Halbjahr 2017 durchschnittlich 10,58 Tage zu spät beglichen, knapp einen halben Tag später als im ersten Halbjahr. Verzug gehört oft zum Alltag – und kann Folgen haben. Wer plötzlich selbst mit einem finanziellen Engpass konfrontiert ist, weil Kunden unpünktlich zahlen, muss übergangsweise auf Kapital oder teure Kreditlinien zurückgreifen.

Stefan Dörr, Leiter Personal und Finanzen bei der Speck Pumpen Verkaufsgesellschaft kennt das Problem – und legt deshalb großen Wert auf konsequentes Forderungsmanagement. Das mittelständische Unternehmen aus Neunkirchen am Sand in der Nähe von Nürnberg handelt mit Pumpen und Pumpenanlagen für große Industrieanlagen sowie für private und kommunale Schwimmbadtechnik. Kunden sind hauptsächlich Unternehmen sowie die öffentliche Hand. „Wir haben saisonal bedingt einige Monate mit höherem Einkaufsvolumen. Daher ist die Liquiditätsplanung für uns ein wichtiger Bestandteil bei der Inanspruchnahme von Kreditlinien“, sagt Dörr. Generell sei er mit der Zahlungsmoral der Kunden zufrieden. Doch je stärker das Unternehmen finanziell in Vorleistung geht, desto stärker achtet Finanzleiter Dörr darauf, Lieferverträge liquiditätsschonend zu gestalten. Etwa mit Vereinbarungen zu Anzahlungen, kurzen Zahlungszielen oder Abschlagszahlungen, im Idealfall individuell auf jeden Kunden abgestimmt.

» Je mehr Unternehmen ihre Belegdaten einliefern, desto größer und aussagekräftiger ist der Datenbestand. « Janine Stappen, Creditreform

Bereits seit 2015 setzt Speck Pumpen dabei auch auf das Debitorenregister Deutschland (DRD). Darin sammelt Creditreform Zahlungserfahrungen, die Unternehmen mit ihren Geschäftspartnern machen. Insgesamt umfasst das Register mehr als 40 Millionen für die Bewertung relevante Belege sowie Informationen zu rund einer Million Business­Debitoren aus gut 1.000 Branchen. „Anhand der Daten können Unternehmer sehr schnell sehen, wie gut oder schlecht die Zahlungsmoral von Debitoren bei anderen Auftragnehmern war – und daraus wichtige Schlüsse für ihr Forderungsmanagement ableiten“, sagt Janine Stappen, Abteilungsleiterin DRD bei Creditreform.

Zahlungsmoral im Blick

Stefan Dörr etwa nutzt das Instrument, um sich vorab ein Bild von potenziellen Kunden zu machen. „In erster Linie ist es ein Indikator über die Bonitätsentwicklung eines Kunden“, sagt er. Die DRD-Informationen sind direkt in das Reporting von Speck Pumpen integriert. Anhand der grafischen Darstellung der Zahlungsmoral von Debitoren für die letzten zwölf Monate kann er sehr schnell erkennen, ob sein Gegenüber zuverlässig zahlt oder möglicherweise selbst in Problemen steckt. „Das hilft uns ungemein dabei, Ausfälle zu minimieren und für jeden Kunden individuell Zahlungsziele und Kreditlimits festzulegen“, sagt Dörr.
Die Nutzung der Informationen aus dem DRD ist für das Unternehmen kostenlos. Im Gegenzug stellt Speck Pumpen seinerseits sämtliche Zahlungserfahrungen zur Verfügung. „Das Register basiert auf Gegenseitigkeit“, erklärt Ja­nine Stappen das Prinzip: „Je mehr Unternehmen ihre Belegdaten einliefern, desto größer und aussagekräftiger ist der Datenbestand.“ Auch die Anbindung gestaltet Creditreform deshalb so einfach wie nur irgend möglich. „Die technischen Voraussetzungen erfüllt im Prinzip jedes Unternehmen“, sagt Stappen, „un­abhängig von bestimmten ERP- oder IT-­Systemen.“ Der Datenaustausch ist sowohl über Kreditmanagement-Anwendungen wie CrefoScore, CrefoSprint, CrefoSystem und CrefoDynamics möglich als auch über Schnittstellen zu vielen marktüblichen ERP-Softwarelösungen.

Teil der Wirtschaftsauskunft

Speck Pumpen stellt seine Zahlungserfahrungen 14-tägig zur Verfügung. Andere DRD-­Kunden berichten wöchentlich oder monatlich. „Interessant für eine Teilnahme am Register sind Unternehmen mit mindestens 500 Debitoren pro Jahr und einer normalen Rechnungslegung“, sagt Janine Stappen. In der Regel seien dies entsprechend große Unternehmen. Doch auch, wer keine Informationen über eigene Debitoren ans DRD überspielt, profitiert – zumindest mittelbar – von den Informationen aus der Datenbank. Die Analysen zum Zahlungsverhalten fließen in andere Creditreform-Services wie etwa die Wirtschaftsauskunft mit ein.

Nur eins können alle Register und Analysemöglichkeiten nicht ersetzen. Den persönlichen Kontakt. „Sobald wir eine Tendenz zur Verschlechterung des Zahlungsverhaltens sehen, informieren wir den zuständigen Vertriebsmitarbeiter“, sagt Stefan Dörr. Dieser versuche dann, im Gespräch mit dem Kunden die Gründe für den Verzug herauszufinden – und gemeinsam eine Lösung zu finden. Meist mit Erfolg. „Die Quote unserer tatsächlichen Forderungsausfälle geht zum Glück gegen null“, bilanziert Dörr.

— — — —

DRD – Optimiertes Warnsystem hift, Ausfallrisiken frühzeitig zu erkennen

Im Debitorenregister Deutschland (DRD) wertet Creditreform anonymisierte Zahlungserfahrungen von rund 1.250 führenden Unternehmen aller Branchen aus – und setzt dabei höchste Datenschutz- und Sicherheitsstandards an. Für Anwender ist das DRD eine ideale Ergänzung zur Beurteilung der Finanz­situation von Geschäftspartnern sowie ein effizientes Frühwarnsystem zur Erkennung von Liquiditätsengpässen. Basierend auf dem Gegenseitigkeitsprinzip, kann jedes Creditreform Mitglied mit einem größeren Debitorenbestand vom kostenfreien Austausch externer Zahlungserfahrungen profitieren. Im DRD sehen Kreditmanager Informationen zu Zahlungskonditionen, Vor- und Überfälligkeiten sowie zu fristgerechten Zahlungen bei anderen Marktteilnehmern. Damit können sie auch in ­Phasen wirtschaftlicher Erholung ertrag- und verlustbringende Geschäftspartner zuverlässig identifizieren.


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie weiter


CR-News, informiert

» Konsequenz und Fairness schließen sich nicht aus «

Unbezahlte Forderungen sind ärgerlich. Dennoch empfinden es viele Unternehmer als unangenehm, offene Rechnungen anzumahnen. Oft schwingt die Sorge mit, Kunden zu verprellen. Aber es geht auch anders. Philipp Ganzmüller, geschäftsführender Gesellschafter von Creditreform München über Tipps und Tricks für ein faires Mahnwesen.