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    E-Commerce, vernetzt

    Die neuen Lieferhelden

    Mit den Lösungen von Startups können auch kleine und mittlere Unternehmen Produkte schneller und preiswerter zustellen. Vor allem für Online-Händler gibt es interessante Konzepte.

    René Gröger weiß, wie Kunden im Internet ticken. „Passionierte Onlineshopper wollen nicht stundenlang zu Hause sitzen und auf Pakete von Amazon oder Zalando warten“, sagt der Geschäftsführer von I-Bring. Das Magdeburger Startup bietet einen Ausweg: Alle Sendungen für einen Empfänger werden in einem lokalen Depot gesammelt und diesem zu einem Wunschtermin in einer Tour zugestellt. Jetzt sucht I-Bring für seinen Service, der bislang in vier Großstädten existiert und bald bundesweit ausgebaut werden soll, regionale Onlineshops als Partner und bietet ihnen Abholtermine an. „Wir garantieren für Bestellungen bis 14 Uhr Zustellungen am gleichen Tag und versichern jeden Warentransport“, betont Gröger.

    Außer Karstadt, Toom, Vitalia und andere Handelsketten arbeiten auch inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen mit I-Bring zusammen. „Wir haben seit 2016 über 3.000 Blumensträuße und Gestecke mit I-Bring ausgeliefert“, sagt Florian Dosch, Blumenhändler in München. Auf seine Anregung hin verbesserte I-Bring die Online-Sendungsverfolgung und dokumentiert jetzt auch die Übergabe an den Empfänger.

    Startups als neue Problemlöser

    In nahezu jeder Branche mischen derzeit ideenreiche Startups langjährige Marktteilnehmer auf. Der boomende Markt der Kurier-, Express- und Paketdienste (sogenannte KEP-Unternehmen), die seit 2005 ihr Aufkommen um fast 80 Prozent auf über drei Milliarden Sendungen im Jahr gesteigert haben, macht hier keine Ausnahme. Mit I-Bring will Gröger eine altbekannte Marktlücke schließen. Denn mit überzeugenden Zustellkonzepten haben sich DHL, UPS und andere Paketdienste bislang schwergetan. Wenn deren Fahrer Sendungsempfänger nicht in ihren vier Wänden antreffen, starten sie weitere Zustellungsversuche. Das kostet die KEP-­Dienste Geld. Oder aber die Fahrer hinterlegen die Sendungen in Abholstationen, welche die Empfänger dann extra aufsuchen müssen. Das kostet Zeit.
    I-Bring ersetzt keine vorhandenen Marktangebote, sondern ergänzt sie. Wer regelmäßig Pakete verschickt, kommt weiterhin an DPD, DHL, Fedex (inklusive des Tochterunternehmens TNT Express), GLS, Hermes und UPS nicht vorbei. Doch wer Alternativen sucht, kann auf Netzwerke wie GO! General Overnight oder Trans-o-Flex (ToF) ausweichen. Beide haben sich auf Zustellungen für temperaturgeführte und andere empfindliche Produkte zum Beispiel im Pharmamarkt spezialisiert. Für besonders schnelle Zustellungen am gleichen Tag („same day“) oder frühmorgens am nächsten Tag („overnight“) bieten alle Marktteilnehmer Expressservices an. Ansonsten können auch Kurierdienste mit Direktzustellungen beauftragt werden.

    30 Prozent günstigere Zustellungen

    In diesem scheinbar festgefügten Markt bieten Startups gerade kleinen und mittleren Versendern Mehrwerte. So können sich durchaus für viele Sendungen Preise und Services der großen Paketdienste voneinander unterscheiden. Genau dies hat gleich mehrere Gründer auf den Plan gerufen. Sie entwickelten Portale, welche für Pakete aller Art den jeweils günstigsten Anbieter ermitteln. Am bekanntesten ist Shipcloud. Das Hamburger Startup wendet sich vor allem an Online-Händler. Auf cloud-basierten Plattformen können sie Shoplösungen kreieren und anhand der kalkulierten Monatsvolumina einen Dienstleister als festen Partner auswählen. Mit DPD, DHL und UPS hat Shipcloud besondere Konditionen vereinbart, weitere KEP-Riesen sollen folgen.

    Mit einem vergleichbaren Konzept für Auslandssendungen wirbt Seven Senders (sevensenders.com). Das Startup verspricht bis zu 30 Prozent günstigere Zustellungen. Ab einem Mindestvolumen von 25 Paketen ermittelt es europaweit die preiswertesten Lösungen und berücksichtigt dabei die Angebote regionaler Logistikdienstleister. Auch unterstützt Seven Senders die Kunden mit mehrsprachigen Trackinglösungen und anderen Zusatzservices.

    Dritter im Bunde ist die österreichische Plattform Checkrobin. Sie bietet eine Integration ihrer Lösung in Webshops an und ist auch auf dem deutschen Markt tätig. Der Kunde kann für jede einzelne Sendung den jeweils günstigsten Anbieter wählen. Auch für Versender, welche nur sporadisch Pakete aufgeben, macht deshalb eine Teilnahme Sinn. Außer DPD, DHL, Hermes und UPS sind die jungen Marktteilnehmer Liefery und Tiramizoo Logistikpartner.

    Ohne diese Unternehmen wären Same-Day-Zustellungen im deutschen Markt nur ein Nischenprodukt geblieben. Die 2010 gegründete Plattform Tiramizoo lädt Online-Käufer ein, ihre Waren von lokalen Kurierdiensten liefern zu lassen. Sie können eine Sofortzustellung oder feste Zeitfenster buchen. In über 160 Städten stehen hierfür 3.000 Kurierdienste bereit, bekannte Firmen wie Conrad Electronic, Daimler und Media Markt kooperieren mit der Plattform. Der Paketdienst DPD rundet mit den Kurierangeboten sein Zustellportfolio ab. „Auch viele Geschäftskunden wünschen Same- Day-Lieferungen“, sagt Mitgründer Philipp Walz. Vor allem für Ersatzteile und Elektronikprodukte werden Zustellungen am gleichen Tag nachgefragt.

    Grenzüberschreitende Lieferungen

    Konkurrent Liefery hat ein ähnlich großes Netz mit rund 3.500 Kurierdiensten aufgebaut. Das 2014 gegründete Unternehmen konzentriert sich auf Ballungszentren und sucht hier weitere regionale Handelspartner. Mit dieser Strategie will sich der Same-Day-Spezialist, der 2017 mehrheitlich von Hermes, der Pakettochter des Otto-Konzerns, übernommen wurde, vom Großkunden Amazon unabhängig machen, der auch in Deutschland eigene Zustellnetze aufbaut. An weiteren Startups, die etablierten Newcomern Beine machen wollen, herrscht kein Mangel.

    Mit grenzüberschreitenden Zustellungen will Parcel One punkten. Im Gegensatz zu Seven Senders bieten die Butzbacher, die europaweit mit 30 Dienstleistern zusammenarbeiten und eine strategische Partnerschaft mit Shipcloud abgeschlossen haben, auch den Briefversand an. Eine interessante Marktlücke hat Byrd mit Lagern in Berlin und Wien entdeckt. Für Online-Händler übernimmt das Startup außer der Zustellung auch Verpackung und andere Fulfillment-Services und deckt so die „first mile“ ab.

     

    Hände weg von Privatzustellern

    Drei Tipps für die Zusammenarbeit mit Startups im Logistikmarkt:
    1. Prüfen Sie, inwieweit Sie mit Startups Ihren Kunden tatsächlich günstigere Preise und bessere Services im Paketversand anbieten können.

    2. Stellen Sie Ihren neuen Partner in Mailings und Anschreiben vor: Ihre Kunden werden honorieren, dass Sie sich nicht mit Standardlösungen zufriedengeben.

    3. Finger weg von Startups, die mit privaten Zustellern arbeiten. Solche Geschäftskonzepte sind in Deutschland bislang immer nach kurzer Zeit gescheitert.


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