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    Griffe in die Schatztruhe

    Gibt es Indizien für eine drohende Insolvenz? Wie lassen sich Betrugsmanöver frühzeitig erkennen? Antworten auf solche Fragen finden sich im riesigen Datenschatz der Creditreform Gruppe. Man muss sie nur aufspüren. Das ist Aufgabe von Stefan Ditzen und seinem Team. 

    Stefan Ditzen hat bei der Creditreform Gruppe seinen Traumjob gefunden. Er darf zusammen mit seinem Team den ganzen Tag in Daten „rumwühlen“, wie er das nennt. Losgelöst vom Tagesgeschäft und mit hoher zeitlicher Flexibilität. „Unter anderen Umständen könnten wir nicht so kreativ sein“, betont der Diplom-Mathematiker. Seit 1995 ist er bei Creditreform beschäftigt; seit April 2016 verantwortet er den damals neu geschaffenen Bereich Datenforschung und Betrugsprävention.

    Wenn Ditzen verdeutlichen will, welchen Gewinn Creditreform-Kunden haben, wenn die Wirtschaftsauskunftei ihren riesigen Datenbestand ideenreich verknüpft, erzählt er gerne die (wahre) Geschichte einer Spedition aus dem Rheinland – nennen wir sie Meyer KG. Der Logistiker finanzierte seine Fahrzeugflotte lange Zeit per Leasing. Pünktlich und zuverlässig. Der Leasinggeber hatte keinen Grund, argwöhnisch zu sein. Dann verlegte die Meyer KG ihren Sitz nach Ostdeutschland in unmittelbare Nähe der Grenze zu Polen und vergrößerte in der Folge ihren Fahrzeugbestand erheblich.

    Es dauerte nicht lange, dann gingen keine Zahlungen mehr auf das Konto des Leasingunternehmens ein und mehrere Lkw verschwanden auf Nimmerwiedersehen. „Wären die Daten der Wirtschaftsauskunft, die der Leasinggeber bezogen hat, mit den Daten von microm, dem Creditreform-Anbieter von Informationen im Bereich Mikro- und Geomarketing, verknüpft gewesen, hätte man erkannt, dass die neue Adresse der Meyer KG ein Einfamilienhaus war. Dann wären alle Warnlampen angegangen“, erläutert Ditzen.

    Durchblick im Daten-Dickicht

    Daten analysieren, vernetzen, Korrelationen aufspüren, Wahrscheinlichkeiten berechnen und letztendlich Prognosen aufstellen, um Mehrwerte für Kunden zu schaffen. Oder auch, um haus­interne Prozesse effektiver zu gestalten. So lässt sich Ditzens Tätigkeit beschreiben. Aufgrund ihrer breit gestreuten Aktivitäten und der starken Marktposition verfügt die Creditreform Gruppe über eine Fülle von Daten. Eine wahre Schatztruhe. Aber sie allein stellt noch keinen Wert da. Der Schatz muss erst gehoben werden. Nur so kann Creditreform die Qualitätsführerschaft immer wieder herausstellen und sichern. Dafür sind – neben leistungsstarken Auswertungstechniken – Mitarbeiter nötig, die zum einen die richtigen Fragen stellen und hinter bestimmten Vorgängen Muster erkennen. Zum anderen müssen sie neugierig genug sein, um sich durch Daten-Dickichte zu kämpfen. „Das geht am besten mit einem interdisziplinären Team, in dem jeder einen anderen Blickwinkel auf ein Problem hat“, sagt Ditzen. Seine Abteilung verfügt über eine solche Vielfalt: fünf Mitarbeiter, jeder besitzt eine andere Ausbildung. Und jeder bildet sich regelmäßig weiter – durch Teilnahme an Messen und Expertenforen oder über Online-Schulungen.

    Wenn nicht alle in die gleiche Richtung denken, gedeihen Ideen wie zum Beispiel das verfeinerte Insolvenzwarnsystem, das die Datenforscher im vergangenen Jahr entwickelten: Sie wiesen mit mathematischen Modellen nach, dass häufig bereits kleinste Zahlungsstörungen ein Indiz für eine drohende Insolvenz sein können. „Auch wenn nur eine Rechnung schleppend bezahlt wird, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit markant, dass ein Schuldner insolvent wird“, erläutert Ditzen. Die daraus folgende Botschaft an alle Gläubiger lautet: Seid wachsam, auch wenn die Zahlungsabweichungen noch so gering sind!

    Manchmal klingen die Fragen, die den Datenforschern gestellt werden, einfach. Doch die entsprechenden Antworten sind nicht immer leicht zu finden. So wie bei einem 2017 auf den Markt gebrachten Produkt, für das Ditzen und sein Team umfangreiche Voranalysen geleistet haben, die weiteren Datenforschungsthemen als Grundlage dienen. Dabei ging es um Wanderungsbewegungen von Unternehmen, sortiert nach Postleitzahl-Bereichen und Branchen – vor allem für Industrie- und Handelskammern und Wirtschaftsförderer interessante Informationen.

    Kapazität gibt’s genug

    Die Datenflut wird immer größer. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom erhöhte sich das Datenvolumen bei der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Unternehmen 2017 in hohem zweistelligen Umfang. Diese Fülle bereitet Ditzen keine übergroßen Sorgen. Denn das, so meint er, sei allein eine Frage der Rechnerkapazitäten. Und die ließen sich vergleichsweise problemlos aufstocken. „Wenn Rückversicherer weltweit Wetteranalysen auswerten oder Fahrzeughersteller an selbstfahrenden Lösungen arbeiten, geht es um ganz andere Datenvolumina als in unserem Geschäft.“ Die Herausforderung in der Zukunft sei eher die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Zusammenhänge und Trends analysiert werden müssten, etwa für eine wirkungsvolle Betrugsprävention. Die Muster änderten sich, auch Betrüger lernten immer schneller, sagt Ditzen. Am Ende ist es wie in der Geschichte vom Rennen zwischen Hase und Igel: Mit intelligenten Lösungen lässt sich jeder Gegner schlagen.

    Die Komplexität der Daten und wirtschaftliche Überlegungen führen dazu, dass Ditzen und sein Team in der Betrugsprävention ausschließlich Lösungen für die Leasing-Branche entwickeln. Denn hier können einige wenige Fälle erhebliche Schäden verursachen – wie bei der Spedition aus dem Rheinland, die sich eine Briefkastenadresse an der polnischen Grenze zulegte.

    Die im Mai in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung verändert die Arbeit von Ditzen und seinen Mitarbeitern nicht. „Möglicherweise lassen sich künftig einige Ideen weniger leicht umsetzen, vor allem wenn Konsumentenauskünfte, also das Geschäftsfeld von Boniversum, betroffen ist“, prognostiziert der Datenexperte. Auf Forschung und Analyse habe die Gesetzesänderung dagegen keinen Einfluss – sodass Ditzen und sein Team auch weiterhin Datenschätze heben können.

     


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