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entspannt, Gesundheit

»Was Privatpatienten wissen sollten «

Während Kassenpatienten Ärzten nur das Nötigste einbringen, werden Privatpatienten zu den Melkkühen des Gesundheitssystems. Dessen sollten sie sich vor so manchem Eingriff bewusst sein. 

Zehn Prozent der Deutschen sind privat versichert, die meisten davon sind Selbstständige. Allgemein vermutet man Vorteile, wenn man privat versichert ist. Das stimmt auch, wenn es um die Unterbringung im Krankenhaus oder um die schnelle Terminvergabe bei teuren (Röntgen) Untersuchungen oder beim Spezialisten geht. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille.

Wie gut ist ausreichend?

Für einen Kassenpatienten erhält der Arzt 30 Euro pro Quartal – ganz egal, wie oft dieser kommt. Damit gilt der Patient als ausreichend versorgt. Doch bei der Phrase ist Vorsicht geboten, denn wir erinnern uns: Nach „ausreichend“ kommt „mangelhaft“ – und auf keinen Fall „sehr gut“. Darum sollte man hier besser keine allzu aufwendige Behandlung erwarten. Ich habe viele gesetzlich versicherte Patienten in meiner Praxis, die mit dieser 30-Euro-Medizin nicht weitergekommen sind.

Unterm Strich lebt der Arzt allein von den Privatpatienten. Über die Kassen finanziert er die Miete, die Mitarbeiter, und das Leasing für Geräte. Verdient hat er da noch nichts. Das Sahnehäubchen bringen die Privatpatienten, weil die privaten Krankenkassen Leistungen höher honorieren als die gesetzlichen Kassen. Darum sterben so viele Praxen in ländlichen Gebieten aus, weil dort weniger Privatpatienten wohnen als in München-Grünwald.

Die Folge: Der Privatpatient wird zur Melkkuh des Gesundheitssystems, er wird öfter und früher operiert, als es manchmal nötig wäre und bekommt häufiger auch unnötige Untersuchungen verordnet. Ganz geschickt ist es, nach Untersuchungen immer noch etwas Restunsicherheit zu belassen, um dann noch eine weitere Untersuchung anzuschließen. Mit diesen Tricks arbeiten manche Kliniken, bei denen sich viele Geräte amortisieren müssen.

Die Zahlen müssen stimmen

Privatpatienten bekommen beispielsweise signifikant häufiger Gelenkspiegelungen, besonders dann, wenn der empfehlende Orthopäde selbst Belegbetten im Krankenhaus hat. Viel zu oft sitzt ihm der wirtschaftliche Druck im Nacken, den auch Chefärzte im Krankenhaus spüren. Früher gab es nur den ärztlichen Direktor sprich Chefarzt, der allein das Haus führte. Heute haben selbst kleine Krankenhäuser einen wirtschaftlichen Direktor, der dem Chefarzt Druck macht, wenn die Zahlen nicht stimmen.

Lange vorbei ist die Zeit, in der sich Kliniken durch Liegezeiten finanziert haben. Da durften die Betten nie kalt werden. Heute rechnet man in Fallzahlen. Möglichst viele Fälle – etwa Operationen – und danach schnelle Mobilisation und Entlassung für den nächsten Fall. Dadurch wird die Liegekundschaft oft und gerne zur Laufkundschaft umfunktioniert.

Um als Privatpatient den Überblick zu behalten, was wirklich sinnvoll und notwendig ist, sollte man immer eine zweite Meinung einholen – zum Beispiel von einem Arzt, der nicht selbst operiert, keine Belegbetten hat und keine Geräte finanzieren muss. Was klar sein sollte, ist: Menschen in ländlichen Gebieten sind in mancherlei Hinsicht nicht zwingend schlechter versorgt.
Zur Person
Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie. Beim Tagesseminar „Weckruf für Ihre Gesundheit“ mit Michael Spitzbart steht Ihre Gesundheit im Vordergrund. Senken Sie Ihr Risiko für chronische Krankheiten und sammeln Sie Tipps für mehr Energie im Alltag. Hier geht’s zur Anmeldung.


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