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    entspannt, Leben

    Blaues Reichweiten-Wunder

    Eines der größten Verkaufshindernisse von Elektroautos ist ihre
    geringe Reichweite. Genau da hat Opel mit dem Ampera-e den Hebel angesetzt – und verspricht 520 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung. Doch die Sache hat einen Haken.

    Das Versprechen klingt gut: mehr Reichweite als die Konkurrenz wie Nissan Leaf, Renault Zoe, eGolf und Hyundai Ioniq, und ein Preis, der deutlich unter dem eines Tesla liegt. Mit dem Ampera-e hat Opel kurz vor der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern ein E-Mobil mit einer alltagstauglichen Reichweite und ausreichend Platz für die Familie auf den Markt gebracht. Wie schon der erste Ampera basiert er auf koreanischer Technik und amerikanischer Entwicklung. Doch anders als der glücklose Vorgänger kommt der neue Ampera ohne Reichweitenverlängerer aus, fährt also allein mit der Kraft seiner Akkus.

    Reicht das, um ihn als Pendlerauto genauso fit zu machen wie für den Wochenendausflug mit der Familie? Immerhin verspricht die Opel-Werbung „Platz für fünf“ und „Schluss mit der Reichweitenangst“. Der scheidende Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte noch einen Kampfpreis von unter 40.000 Euro und die „Demokratisierung des Elektroautos“ proklamiert. Um es vorwegzunehmen: Davon ist der Wagen weit entfernt. Über 48.000 Euro kostet die Ultima Edition und damit mehr als ein BMW i3s oder ein Nissan Leaf.

    Anders als der BMW ist der Ampera-e auf den ersten Blick allerdings gar nicht als E-Mobil zu erkennen, was einen gewissen Charme hat. Er sieht aus wie eine Mischung aus Meriva und Astra. Auch der Innenraum ist Opel-typisch: viel Kunststoff, wenig Finessen – wohl aber mit einigen modernen Features. Ein gummierter Schlitz in der Mittelkonsole etwa verspricht induktives Aufladen des Smartphones – das funktioniert allerdings nicht bei jedem Gerät mit kabelloser Ladefunktion. Die Instrumente bestehen aus zwei Bildschirmen. Einem kleineren hinter dem Lenkrad und einem großen 10,2-Zoll-Touchscreen in der Mitte, den der Fahrer individuell konfigurieren kann. Über ihn kann via Apple Car Play oder Android Auto ein Smartphone angeschlossen werden. Eine merkwürdige Eigenart: Schließt man es nur per Bluetooth an, so steht auch keinerlei Navigation zur Verfügung. Über ein eingebautes Navi verfügt der Ampera-e nämlich nicht. Dafür sind ein WLAN-Anschluss und ein Telematik-Dienst an Bord. Beim Testwagen kommen noch vier USB-Anschlüsse, Spurwechselassistent, Totwinkelwarner, Metallic-Lack, beheizte Ledersitze, 17-Zoll-Felgen und ein Bose-Audiosystem hinzu.

    Ambitionierter Ampelstarter

    Herzstück des blauen Reichweiten-Wunders ist ein Elektromotor mit 150 kW (204 PS), der beim Ampelstart Benziner und Diesel alt aussehen lässt. Er hat einen Sportmodus, der ihn in 3,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 50 beschleunigt. 7,3 Sekunden vergehen bei durchgetretenem Gaspedal, bis Tempo 100 erreicht ist – bei 150 km/h regelt der Wagen allerdings ab, ein Zugeständnis an die Reichweite.

    Wer sich mit weiteren Details des Opel Ampera-e vertraut macht, muss Zeit für die Lektüre des Bordbuchs mitbringen, denn an diesem Elektroauto ist einiges anders und gewöhnungsbedürftig. Zum Beispiel der sogenannte L-Modus, der vor allem im Stadtverkehr Sinn macht, weil er eine starke Rekuperation bewirkt. Das Fahrzeug „bremst“ also beim Lupfen des Gasfußes gefühlt stark ab, die gewonnene Bremsenergie wird direkt dem Akku wieder zugeführt. In Kooperation mit einem Knopf links am Lenkrad kann man diese Funktion auf die Spitze treiben, denn solange man ihn gedrückt hält, wird die Rekuperation nochmals vehement gesteigert – zum Leidwesen für Beifahrer und den rückwärtigen Verkehr.

    Am Ladekabel hingegen braucht der Wagen relativ lange, um leere Akkus wieder aufzufüllen. Und das ist der einzige echte Haken beim Ampera-e: Wer ihn abends mit leerem Akku an die Wallbox anschließt, findet ihn nach zehn Stunden nur gut zur Hälfte geladen. Mit dem Schuko-Lader für gewöhnliche Steckdosen kann der Vorgang sogar deutlich über 24 Stunden dauern. Für typische Berufspendler-Fahrten von rund 60 Kilometern pro Tag reicht die Ladung über Nacht aber aus. Ansonsten gilt, was bei E-Autos immer gilt: Wer zu längeren Fahrten aufbricht, sollte sich gut überlegen, wie er fährt. Denn die von Opel genannten 520 Kilometer Reichweite sind ein Prüfstandwert. Wenn man mit Musik, Licht, Klimaanlage und etwas Spaß auf der linken Spur unterwegs ist, werden daraus schnell 300 bis 400 Kilometer. Was – verglichen mit der Konkurrenz in der Liga unterhalb der Luxus-E-Autos – aber immer noch spitze ist.

    Technische Daten:

    Opel Ampera-e
    Antrieb: Elektromotor, vorne quer
    Leistung: 150 kW/204 PS
    Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 7,3 s
    CO2-Ausstoß: 0 g/km, Abgasnorm: 6 Euro
    Verbrauch: 14,5 kWh/100 km/Effizienzklasse A+
    Preis: E-Plus: ab 42.990 Euro/Ultimate: ab 48.385 Euro
    Guter Gebrauchter?
    Heute gekauft, wäre der Ampera-e Mitte 2021 keine 40 Prozent seines Anschaffungspreises mehr wert, nämlich nur noch 18.870 Euro. Zum Vergleich: Ein BMW i3s verliert sechs Prozent weniger und kommt bei geringerem Kaufpreis auf 18.517 Euro Restwert.

    Marke Modell Neupreis Durchschnittlicher
    in Euro Restwert in Prozent
    Opel Ampera-e Ultimate 48.385 39,0
    BMW i3s (94 Ah) 41.150 45,0

    Quelle: BF Forecasts

    Heides Testurteil: „Ein guter Stromer für Pendler, im Look eines
    ganz normalen Kleinwagens. Fährt gut und schnell, aber könnte
    schneller laden.“


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