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Eine Frage der (Er)wartung: Predictive Maintenance greift immer noch viel zu kurz

Kaum ein Digitalisierungsthema treibt die deutsche Industrie derzeit so um wie Predictive Maintenance. Inzwischen haben rund sechs von zehn Unternehmen schon Erfahrungen mit der vorausschauenden Wartung gesammelt, wie der „Deutsche Industrie 4.0 Index 2018“ belegt. Und wie die Befragung von rund 450 Industrieunternehmen weiter zeigt, bewerten gut drei Viertel der Anwender ihre bisherigen Erfahrungen auch eher positiv.

Also alles gut? Mitnichten. Denn wenn man etwas genauer nachbohrt, fällt die Bilanz schon deutlich nüchterner aus. So schätzt nicht einmal jedes zehnte Unternehmen das Leistungsvermögen der aktuellen Anwendungen als hoch ein, vier von zehn Betrieben sehen zudem konkreten Entwicklungsbedarf. Die oberflächliche Zufriedenheit ist also kein Qualitätsausweis, sondern vielmehr Ausdruck der vielerorts eher geringen Erwartungshaltung, mit der an das Thema herangegangen wird.

180925 Grafik PI 2 Studie Industrie 4.0

Predictive Maintenance erfüllt daher im Regelfall zwar, was versprochen wird, doch eben auf einem insgesamt sehr niedrigen Niveau. Denn natürlich kann eine intelligente Software frühzeitig Warnzeichen für Fehler, Verschleiß und Ausfälle erkennen und melden. Doch immer noch gilt: Die meisten Ausfälle in den Werkhallen zwischen Flensburg und Sonthofen sind eine Folge von menschlichen Unzulänglichkeiten und eben nicht von Verschleiß.

Dies darf beim aktuellen Hype um Predictive Maintenance nicht vergessen werden. Und erst, wenn Anwender einen echten Mehrwert erfahren, wird die vorausschauende Wartung auch nachhaltig überzeugen. Hinzu kommt: Viele Unternehmen verfügen bereits über umfassende Erfahrungen mit Abnutzung und Verschleiß ihrer Maschinen sowie geeigneten Wartungsintervallen vor Ort, so dass der konkrete Mehrwert von Predictive Maintenance derzeit weit geringer sein dürfte als vielfach behauptet.

Dennoch: In die nähere Zukunft blickend, bewerten beispielsweise gut zwei Drittel der Maschinen- und Anlagenbauer Predictive Maintenance für den eigenen Maschinenpark als wichtiges Thema, und sogar knapp 80 Prozent messen der vorausschauenden Wartung auch als Servicekomponente für Kundenprodukte eine hohe Bedeutung bei.

“Grundsätzlich bietet Predictive Maintenance gerade dem Maschinenbau immense Potenziale. Aber um echte Erfolge damit zu erzielen, sind Systeme einzusetzen, die mehr bieten als die bisherigen Anwendungen und auch dabei unterstützen, den Anteil menschlicher Fehler zu verringern. Hier sind beispielsweise die Kombination mit Assistenzprogrammen für die Bediener der Maschinen denkbar, die Anwendungsfehler reduzieren können, oder Lösungen zur gleichzeitigen Optimierung auf der Grundlage von Maschinendaten“, zeigt Johann Soder, COO, Geschäftsführung Operatives Geschäft bei der SEW-EURODRIVE GmbH & Co. KG, die künftigen Möglichkeiten auf.

Wie solche Konzepte für eine moderne Zustandsüberwachung aussehen sollten und welche smarten Produkte in Verbindung mit Predictive Maintenance denkbar wären, dies erläutert Industrie-4.0-Vordenker Soder auf dem Maschinenbaukongress der Staufen AG am 6. November in Bruchsal. Sein Unternehmen ist Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung, auf der neben dem SEW-Geschäftsführer eine Vielzahl von Entscheidungsträgern aus dem Maschinen- und Anlagenbau Benchmark-Beispiele aus ihren Organisationen präsentieren werden. (www.maschinenbaukongress.de)

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