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    Kurz erklärt: Betriebliches Gesundheitsmanagement

    Ein großer Teil der Erwerbstätigen in Deutschland verabschiedet sich schon vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand, viele wegen Schwerbehinderung oder Erwerbsunfähigkeit. Dieser Trend zeigt: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur ein weicher Faktor, sondern oberste Pflicht für Unternehmen.

    Was genau ist eigentlich betriebliches Gesundheitsmanagement?
    Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zielt darauf ab, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen und Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu fördern. „Es ist Aufgabe der Unternehmensführung und kommt Arbeitnehmern und -gebern gleichermaßen zugute“, sagt Michael Scheil, der als Koordinator für betriebliches Gesundheitsmanagement beim TÜV Rheinland Unternehmen berät. „BGM senkt Kosten und Fehlzeiten, stärkt das Unternehmensimage und erhöht die Arbeitszufriedenheit.“ Ein wesentlicher Bestandteil ist die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Sie umfasst etwa Gesundheits- und Arbeitsschutz, Personalpolitik und die Wiedereingliederung von Mitarbeitern, die lange krank waren.

    Haben Mitarbeiter Anspruch auf Gesundheitsangebote?
    „Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Gesundheitsangebote“, sagt Scheil. Unternehmer sind lediglich dazu verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu ergreifen sowie eine wirksame Erste Hilfe zu gewährleisten. Betriebliches Gesundheitsmanagement geht über den normalen Arbeitsschutz hinaus.

    Welche Förderung können Unternehmen erhalten?
    Es gibt zwei Möglichkeiten. Erstens, die Förderung durch die Krankenkassen nach §§ 20 und 20a SGB V für Maßnahmen in den Handlungsfeldern Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum. Den Umfang dieser Unterstützung bestimmt jede Krankenkasse individuell. Zweitens können Arbeitgeber selbst pro Mitarbeiter und Jahr bis zu 500 Euro steuerfrei in die Gesundheitsförderung investieren, etwa indem sie Kurse, Seminare oder Gesundheitstage anbieten. Die Steuerbefreiung ist in § 3 Nr. 34 EStG geregelt.

    Was wenn Mitarbeiter dennoch für lange Zeit krank werden. Wie können Unternehmen sie erfolgreich wiedereingliedern?
    Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, länger erkrankten Beschäftigten ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Als länger erkrankt gelten laut § 167 Abs. 2 SGB IX alle Beschäftigten, die innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren. „Zunächst gilt es zu klären, was die Ursache für die Erkrankung sein könnte“, sagt Scheil. „Im nächsten Schritt wird gemeinsam überlegt, wie der Arbeitgeber bei der Wiedereingliederung behilflich sein kann.“ Der Experte rät zu einem externen BEM. „Mit einem Berater fällt Mitarbeitern das Gespräch über die Krankheit oft leichter als mit jemandem aus der Personalabteilung.“ Externe BEM-Berater arbeiten zudem oft eng mit Ärzten, Psychologen und Krankenkassen zusammen.

    Wie können Unternehmen messen, ob ihr BGM erfolgreich ist?
    Mitarbeiterbefragungen vor und nach der Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagements können ein Gespür dafür vermitteln, ob es sich positiv oder negativ auf die Motivation der Beschäftigten ausgewirkt hat. Andere und leichter messbare Indikatoren, an denen sich der Erfolg des BGM nachvollziehen lasse, seien Fehlzeiten, Fluktuation und Krankenstand, sagt Scheil.


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