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Einsparungen verhelfen Monte dei Paschi zu Gewinn – Für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh

Italiens Problem-Bank Nummer eins hat Zahlen vorgelegt: Obwohl die verstaatlichte Monte dei Paschi einen Nettogewinn verbucht, bleibt das Institut krisenanfällig.

Der Börse in Mailand schmeckten sie nicht, die Zahlen, die zum Wochenschluss aus Siena kamen. Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen von Monte dei Paschi verlor die Aktie der Traditionsbank 1,9 Prozent, dann erholte sich der Kurs wieder etwas.

Die Krisenbank, die vor einem Jahr mit 6,9 Milliarden Euro vom Staat gerettet wurde, nachdem die EU-Kommission einer vorsorglichen Kapitalisierung zugestimmt hatte, steht weiter besonders unter Beobachtung.

Immerhin: Zum dritten Mal infolge konnte CEO Marco Morelli im dritten Quartal ein Plus beim Nettogewinn vermelden. Die Bank verzeichnete Ende September ein Plus von 91 Millionen Euro – nach 101 Millionen im zweiten Quartal. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 beträgt der Nettogewinn damit 379 Millionen Euro.

Vor einem Jahr hatte die älteste Bank der Welt zum dritten Quartal noch einen Verlust von drei Milliarden Euro ausgewiesen, was unter anderem mit der Abwertung eines 30-Milliarden-Euro-Pakets an notleidenden Krediten zusammenhing. Die harte Kernkapitalquote sank nach Übergangsvorschriften per Ende September von 13 Prozent im Juni auf 12,8 Prozent.

Grund für die guten Zahlen sei die Umsetzung des Restrukturierungsprogramm, sagte Bankchef Morelli den Investoren. Dazu gehörten Kostensenkungen durch die Schließung von Filialen sowie der Stellenabbau. 148 Standorte seien geschlossen worden, bis Jahresende stünden weitere 60 vor dem Aus. Die Belegschaft schrumpfte seit Jahresbeginn um sechs Prozent, was zu einer Senkung der Kosten um 3,5 Prozent geführt hat.

Ziel des Managements sei es, in einem wenig klaren Umfeld stabil zu wirtschaften, sagte Morelli. Das ist nicht einfach: Der Haushaltsstreit der neuen Regierung in Rom mit der EU-Kommission hat die Renditen italienischer Staatsanleihen in den vergangenen Monaten steigen lassen. Das schrumpfte im Umkehrschluss den Wert der Papiere in den Bankbilanzen und trafen so auch Monte dei Paschi.

Die Bank hält vor allem langlaufende Bonds über neun Jahre in den Büchern. Monte dei Paschi konnte das Engagement allerdings auf 17 Milliarden schrumpfen, was noch ein Viertel der Bestände ausmacht.

Ein weiteres Problem: Die Erträge sinken und Kunden ziehen nach wie vor Gelder ab. Die Erträge gingen im dritten Quartal um 2,7 Prozent zurück, vor allem, weil die Monte-Kunden weniger Investmentprodukte kauften. Die Kundeneinlagen sanken zwischen Juli und September um 1,4 Milliarden Euro.

Der Abbau der notleidenden Kredite geht derweil weiter. CEO Marco Morelli erklärte nun, man arbeite daran, weitere Darlehen im Volumen von bis zu 3,3 Milliarden Euro zu verkaufen. Dadurch würde die Quote der faulen Kredite in der Bilanz von 19,4 auf rund 16 Prozent sinken.

Unter anderem wegen der hohen Zahl an faulen Krediten war die Bank aus Siena Ende 2016 in die Krise geraten und musste nach einer gescheiterten Kapitalerhöhung mit Staatsgeld gerettet werden. Seitdem ist das Wirtschafts- und Finanzministerium Mehrheitseigner und hält 68,5 Prozent der Anteile.

Bis 2021 muss die älteste Bank der Welt zurück auf den Markt – wenn die römische Regierung nicht beschließt, sie zu einer Staatsbank umzuwandeln, wie derzeit in Rom gemutmaßt wird.1p1p


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