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    solvent, Steuern

    Betriebsprüfung: Verstecken gilt nicht

    Wohl jeder Steuerverantwortliche kennt das durch eine schriftliche Prüfungsanordnung ausgelöste Unbehagen. Warum ausgerechnet mein Unternehmen? Und wie hat sich der Betriebsprüfer im Zeitalter der Digitalisierung vorbereitet? 

    Schon seit einigen Jahren zählt bei der Prüfungsauswahl für die Finanzbehörden nicht mehr allein die Betriebsgröße, sondern immer stärker das Risiko drohender Steuerausfälle. Aus gutem Grund, führt doch eine risikoorientierte Fallauswahl statistisch belegt zu deutlich höheren steuerlichen Mehrergebnissen als turnusmäßige Außenprüfungen.

    Sicherstellen soll die lohnende Auswahl ein automatisiertes Risikomanagement, das im Massenverfahren gezielt jene Fälle zur intensiveren Überprüfung aussteuert, bei denen nach dem Erfahrungswissen der Finanzbehörden von einem hohen steuerlichen Risiko ausgegangen werden kann.

    Welche Eintragungen in den Steuererklärungen, elektronischen Bilanzen oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen ein Unternehmen durch die Risikomanagementsysteme nun genau auf den Prüfungsgeschäftsplan hievt, soll nach der für alle Steuerarten geltenden Abgabenordnung (§ 88 AO) allerdings geheim bleiben.

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    Dennoch lassen sich branchenübergreifend aus den bisherigen Prüfungserfahrungen etliche steuerliche Fallstricke ableiten, die regelmäßig das Interesse der Betriebsprüfer wecken. Darunter fallen nicht zuletzt stark schwankende Gewinne und Umsätze, Abweichungen von Umsatzsteuer-Voranmeldungen, Sonder- und Teilwertabschreibungen, hohe stille Reserven, Auslandssachverhalte oder Verrechnungspreisproblematiken.

    Gute Chancen auf eine zeitnahe Visite des Fiskus dürften zudem wiederholte Beanstandungen insbesondere beim Vorsteuerabzug, mehrfache Frist­überschreitungen bei der Abgabe von Steuervoranmeldungen und -erklärungen sowie negative Feststellungen in vergangenen Betriebsprüfungen sichern.

    Zollnachweise im Fokus

    Als Auswahlkriterien dienen den Risikomanagementsystemen aber nicht nur die vom Unternehmen selbst gelieferten Informationen, sondern auch weiteres – häufig auch elektronisch – verfügbares Kontrollmaterial. Beispielsweise zu Zollsachverhalten, denn auch Ein- und Ausfuhren werden bei steuerlichen Betriebsprüfungen und Umsatzsteuer-Sonderprüfungen immer öfter unter die Lupe genommen.

    So haben die Finanzamtsprüfer neuerdings Zugriff auf Zolldatenbanken, aus denen sie bei Bedarf alle Ein- und Ausfuhrdaten für den jeweiligen Prüfungszeitraum herunterladen und mit den beim Unternehmen angeforderten Buchführungs- und Materialwirtschaftsdaten abgleichen können. Und weil der Europäische Rechnungshof in einem Sonderbericht (Nr. 13/2011) schon 2011 hohe Einnahmeausfälle bei Drittlandswaren bemängelte, die unmittelbar nach ihrer Einfuhr nach Deutschland in andere EU-Länder weitergeliefert werden (sogenanntes Zollverfahren 42), steht auch hier in Kürze eine deutliche Erweiterung der Kontrollmöglichkeiten an.

    Ab 2019 soll der Datenumfang des 1993 zur umsatzsteuerlichen Kontrolle des innergemeinschaftlichen Handels eingeführten elektronischen Mehrwertsteuer-Informationsaustauschsystems (MIAS) um Informationen zu bestimmten steuerfreien Einfuhren im Zollverfahren 42 angereichert werden. Dazu gehören etwa Angaben zum Ursprungs- und Bestimmungsland, Warencode und Preis der Gegenstände bis hin zum Nettogewicht.

    Mehrstufiger Betriebsvergleich

    Trotz des sich hartnäckig haltenden Bildes vom ärmelschonerbewehrten Finanzbeamten hat die Automationsunterstützung selbst bei der Prüfungsvorbereitung längst Einzug gehalten. Während Prüfer in der Vergangenheit die auf Papier vorliegenden Daten der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und steuerlichen Gewinn­ermittlung noch manuell in das bundeseinheitlich im Außendienst eingesetzte Fallverwaltungs- und Berechnungsprogramm „BpA-Euro“ eintippen mussten, werden diese seit Einführung der elektronischen Übermittlung von Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen (E-Bilanz) automatisiert auf die Prüfer-Notebooks übertragen.

    Gleiches gilt für das teils über Jahre in den Datenspeichern der Rechenzentren der Landesfinanzbehörden angesammelte digitale Kontrollmaterial. Anschließend erfolgt im Regelfall ein interner (innerer) Betriebsvergleich, bei dem die Bilanzwerte und Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung für den Prüfungszeitraum gegenübergestellt und verglichen werden. Dabei werden in Zeitreihenvergleichen zum Beispiel die wöchentlichen Umsatzerlöse und Wareneingänge gegenübergestellt – und als Ergebnis die Differenz und das Verhältnis der wöchentlichen Verkehrszahlen ausgeworfen.

    Weitere Zeitreihenvergleiche ermitteln die Differenz und das Verhältnis der Verkehrszahlen zweier beliebiger Konten (oder Kontenbereiche) innerhalb eines frei bestimmbaren zeitlichen Intervalls.

    Zusätzlich erfolgt ein externer (äußerer) Betriebsvergleich, bei dem die vorliegenden Kennzahlen des zur Prüfung anstehenden Unternehmens mit Kennzahlen branchengleicher Betriebe verglichen werden. Bei diesem Vergleich werden neben den jährlich vom Bundesministerium der Finanzen veröffentlichten amtlichen Richtsatzsammlungen weitere Vergleichszahlen aus Erhebungen oder Datenbanken wie zum Beispiel Geschäftsführergehälter einbezogen. Zur Berücksichtigung regionaler Besonderheiten sollen diese Vergleichswerte künftig um weitere Daten aus den eingereichten E-Bilanzen ergänzt werden.

    Die richtige Prüfungsvorbereitung

    „Jede steuerliche Außenprüfung sollte sorgfältig vorbereitet werden, um das Risiko späterer Streitigkeiten bis hin zu den Finanzgerichten zu minimieren“, sagt Karen Möhlenkamp, Geschäftsführerin bei der WTS Steuerberatungsgesellschaft mbH in Düsseldorf.

    „Wir empfehlen allen zur Prüfung anstehenden Unternehmen, die relevanten Sachverhalte zu identifizieren und mögliche Schwachstellen bereits im Vorfeld zu analysieren. Im Hinblick auf die inzwischen von der Finanzverwaltung überwiegend digital durchgeführten Außenprüfungen bietet es sich an, diese Analysen möglichst auch datenbasiert vorzunehmen. Nach unseren Erfahrungen stellt das Unternehmen damit sicher, dass alle infrage kommenden steuerlich relevanten Daten dem Prüfer auch in maschinell auswertbarer Form bereitstehen – und dadurch ein ansonsten drohendes Verzögerungsgeld sicher vermieden werden kann. Zu diesen Daten gehören regelmäßig finanzbuchhalterische Daten wie Sach- und Personenkonten, Summen- und Saldenlisten und Daten aus dem Rechnungswesen beziehungsweise dem Warenwirtschaftssystem. Sofern zoll- oder verbrauchsteuerliche Prüfungen vorgenommen werden, sollten darüber hinaus erteilte Erlaubnisse vorgehalten und die in diesem Bereich oft geführten Beleghefte vor Aushändigung an den Prüfer auf Aktualität überprüft werden.“


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