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Der Mut der Annegret Kramp-Karrenbauer

Mit einer kämpferischen Rede präsentiert sich Annegret Kramp-Karrenbauer als erste der drei Kandidaten im Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin.

Sie redet von Mut, immer wieder von Mut. ‘Wenn wir den Mut haben’, sagt sie, dann gebe es ein starkes Europa, eine gemeinsame europäische Armee, eine sichere Welt, die nicht von Populisten verängstigt wird. Und dann gewinne die CDU auch die Wahlen im kommenden Jahr.

‘Wenn wir den Mut haben’, sie sagt es wieder und wieder und erhält ein ums andere Mal Applaus. Dann gebe es eine digitale Welt, dann sei der ländliche Raum wieder angeschlossen an den Rest der Welt. ‘Ja, das wird bedeuten, dass 5G an jeder Milchkanne ist’, ruft sie den 1000 Delegierten zu. Diese sind begeistert und applaudieren.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist auf diesem historischen Parteitag der CDU Deutschlands in Hamburg als erste Kandidatin ans Mikrofon getreten. Die Wahl fiel nicht per Los auf wie auf den acht Regionalkonferenzen, wo sie, Friedrich Merz und Jens Spahn bei den Mitgliedern für sich warben, um den Parteivorsitz der CDU nach 18 Jahren von Angela Merkel zu übernehmen.

Nein, bei den Delegierten auf dem Bundesparteitag sehen die Spielregeln die Reihenfolge nach Alphabet vor. Also beginnt der Kandidat mit dem Anfangsbuchstaben K: Kramp-Karrenbauer.

20 Minuten hat sie Zeit. Sie hüpft ans Pult, trägt ein grau-kariertes Sakko, einen schwarzen Rock und hochhackige Schuhe. ‘Liebe Angela’, sagt sie. Die 56-Jährige und die Kanzlerin kennen sich gut, sind Vertraute. Es sei ein ‘besonderer Tag’, sagt Kramp-Karrenbauer. Sie erzählt von ihrem Eintritt in die Partei, 1981 war das, als es die Endzeitstimmung und Angst um einen Atomkrieg gab.

Sie stand vorm Abitur, die Stahlwerker an der Saar demonstrierten. ‘Alles andere als ermutigend’, sei es gewesen. Lehrerin habe sie werden wollen, aber es klappte nicht. Sie trat in die CDU ein, wie sie sagt, weil diese ‘nicht ängstlich geschaut hat’, sondern ‘Kurs gehalten hat’. So etwas kommt natürlich gut an bei den Delegierten. Es gibt ersten Applaus.

Sie trete dafür an, dass die Partei so mutig bleibe. Schließlich gebe es Ängste, die Populisten schürten. Sie will Antworten geben auf die Fragen der Zeit und nicht ängstlich sein. ‘Strahlkraft’ will sie entwickeln, damit die CDU mit den besten Ideen wieder mehr Zuspruch erhalte.

‘Leistung muss sich wieder lohnen’, fordert sie, weniger Bürokratie. All das sind die Forderungen, die in der CDU ankommen, wenn sie einer ausspricht. ‘Wenn wir den Mut haben, dann schaffen wir einen starken Staat’, der sich nicht auf der Nase herumtanzen lasse, fordert sie wie schon auf den Regionalkonferenzen. Die CDU will wieder Partei der inneren Sicherheit sein, so wie vor der Flüchtlingskrise.

Dann wirbt Kramp-Karrenbauer noch einmal für ein allgemeines Dienstjahr. Auch die Junge Union unterstützt sie in diesem Punkt. Viele Mitglieder wünschen sich wieder mehr Verbindlichkeit und Bekenntnis zum Staat.

Sie spricht vom Kompass, sagt, dass das ‘C’ im Namen der ‘Leitstern’ sei. Sie dankt Merkel, dass sie die Partei immer wieder zu Mehrheiten geführt hat. ‘Jetzt geht es um die Zukunft’, sagt sie und wirbt gleich für die Einheit der Partei. ‘Für mich gibt es nur die eine Union, das ist unsere Familie und das muss auch so bleiben’, ruft sie.

Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, eine ‘Mini-Merkel’ zu sein. Sie sei dreifache Mutter, vielfache Ministerin und Ministerpräsidentin des Saarlandes, ‘die in den 18 Jahren gelernt hat, was es heißt zu führen’. Dabei komme es nicht auf die ‘äußere Lautstärke an’. Sie habe Wahlen gewonnen, ‘weil ich so bin wie ich bin’.

Viele danken es ihr mit Applaus. Auch kommt gut an, dass sie seit Februar als Generalsekretärin durch die Partei gereist ist und die Arbeit an einem Grundsatzprogramm begonnen hat und im kommenden Jahr Wahl um Wahl gewinnen will: in Bremen, in Sachsen, in Thüringen und in Europa.

Nach 17 Minuten endet sie. Und erhält stehende Ovationen und Jubelrufe. Ob es reichen wird? Merz wird auf sie erwidern, ein Vorteil, wie manch einer auf dem Parteitag sagt. Danach noch Jens Spahn, danach stimmen die 1000 Delegierten ab, geheim.1p1p


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