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Dax startet im Plus – Ceconomy-Aktie stürzt erneut ab

Nur noch fünf Handelstage in diesem Jahr, doch die dürften spannend werden. Für den Mutterkonzern von Saturn und Media Markt geht die Talfahrt weiter.

Nach vier Tagen mit einem Minus zum Handelsschluss startet der Dax heute mit einem Plus von 0,3 Prozent und 10776 Punkten. Am Dienstag hatte der Leitindex 0,3 Prozent im Minus bei 10.741 Punkten geschlossen.

Dieses Börsenjahr hat zwar nur noch fünf Handelstage, aber es wird noch einmal richtig spannend. Denn der entscheidende Termin heute hat es in sich: Die US-Notenbank präsentiert nach dem Handelsschluss in Deutschland ihre Zinsentscheidung. Und dürfte damit über die weitere Kursentwicklung an den Märkten bis zum Jahresende entscheiden – weil die Fed in einem Dilemma steckt.

Am Markt gilt es als sicher, dass die Fed den Leitzins am heutigen Mittwoch um einen Viertel Prozentpunkt auf 2,25 bis 2,5 Prozent anheben wird. Schließlich müssen die Notenbanker auch ihre Unabhängigkeit vom US-Präsidenten Trump zeigen. Der mahnte noch gestern, die Zentralbanker dürften keinen ‘weiteren Fehler’ machen und sollten lieber den Markt fühlen: ‘Lasst euch nicht nur von nichtssagenden Zahlen leiten’. Doch diese Zuversicht auf steigende Zinsen ist in den letzten Tagen geschrumpft.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Es wäre das erste Mal seit 1994, dass bei einem Aktienmarkt in dieser aktuell schwachen Verfassung die Zinsen erhöht werden. Derzeit notiert das wichtigste US-Börsenbarometer S&P 500 auf einen niedrigeren Stand als vor drei, sechs und zwölf Monaten. In einem solchem Umfeld fanden nur zwei von 76 Zinserhöhungen seit 1980 statt.

‘Das stellt ein interessantes Dilemma für die Fed dar’, sagte David Rosenberg, Chefökonom und Stratege bei der kanadischen Vermögensverwaltungsfirma Gluskin Sheff. ‘Die Finanzmärkte sagen ihnen ‘Nein, nicht mehr’, aber die Wirtschaftsdaten signalisieren, dass eine weitere Verschärfung angemessen ist.’

Die Investoren setzen jedenfalls auf eine Leitzinsanhebung heute und dann auf eine deutliche Reduzierung des Zinsanhebungstempos. Falls das Tempo nicht verändert werden sollte, es wäre ein schlechte Nachricht für die Märkte.

Belastend für den Dollar wäre, wenn auch nur der Hauch eines Eindrucks zurückbliebe, dass die Fed vor dem präsidialen Dauerfeuer einknicke und um ihm zu gefallen weniger restriktiv agiere, meinen die Devisenanalysten der Commerzbank und geben für den Zinsentscheid folgenden Ratschlag: ‘Die wichtigste Handlungsempfehlung für heute Abend ist also: Seien Sie nicht zu sicher, dass die erste Marktreaktion die ‚richtige’ sein wird.’

Der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU hat die Märkte länger beschäftigt. Und nun steht dieser Zwist vor dem Ende. Italien entgeht sehr wahrscheinlich einem EU-Verfahren wegen des überhöhten Haushaltsdefizits.

‘Da sich neben der Nr. 3 (Italien) auch die Nr. 2 (Frankreich) der Euro-Zone als Schuldensünder outet, wird der finanzpolitische Druck auf Brüssel, Instabilitätsgnade vor Stabilitätsrecht ergehen zu lassen, größer’, kommentierte bereits am vergangenen Freitag Robert Halver, Kapitalmarktstratege bei der Baader Bank.

Trotz der generell hohen Relevanz des Themas beeinflusst diese Entscheidung am heutigen Handelstag kaum. Denn vieles von dieser Entscheidung wurde am Markt bereits vorweggenommen: Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen ist bereits mittlerweile auf 2,947 Prozent gefallen. Noch im Oktober dieses Jahres lag dieser Wert bei 3,67 Prozent.

Obwohl parallel die Rendite deutscher Staatsanleihen ebenfalls gefallen ist und mittlerweile mit 0,23 Prozent sogar ein neues Jahrestief erreicht hat, der Spread ist ebenfalls gesunken. Diese Rendite-Differenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen lag noch im Oktober bei mehr als 3,8 Prozent, mittlerweile sind es nur noch 2,7.

Derzeit lohnt sich ein Blick auf den Ölpreis: Zwar ist der Preis für ein Barrel (1259 Liter) der Nordseesorte Brent am heutigen Mittwoch um 0,6 auf 56,62 Dollar gestiegen, doch das ist nur bislang schwache Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend. Seit ihrem Jahreshoch im Oktober sind Brent und auch die US-Sorte WTI jeweils um mehr als 30 Prozent eingebrochen.

Öl geriet in den Sog eines breit angelegten Ausverkaufs bei Aktien und anderen Anlagenklassen, schreiben die Analysten der niederländischen ING-Bank. Die negative Stimmung an den Börsen ist auch Ausdruck wachsender Sorgen um die Weltkonjunktur, was wiederum dämpfend auf die Ölnachfrage wirkt.

Blick auf die Einzelwerte

Ceconomy:

Die Elektronikhandelsholding und Mutterkonzern von Media Markt und Saturn rechnet nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 mit weiter sinkenden Erträgen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr werde Ceconomy keine Dividende zahlen. Die Aktie reagiert entsprechend und fällt zur Eröffnung um mehr als zwölf Prozent. Die Papiere haben bereits seit ihrem Jahreshoch im Januar fast 75 Prozent an Wert verloren. Noch am gestrigen Handelstag hofften die Anleger noch auf gute Geschäftszahlen Ceconomy und ließen die Aktie um 2,5 Prozent steigen.

Deutsche Post:

Die gekappte Prognose des US-Konkurrenten FedEx macht der Deutschen Post zu schaffen. Die Aktien verlieren am Mittwoch kurz nach der Eröffnung 2,6 Prozent.

Fresenius:

Ein positiver Analystenkommentar von Goldman Sachs gibt dem Wertpapier Auftrieb. Die Aktien steigen um 1,7 Prozent und sind der größte Dax-Gewinner. Börsianern zufolge stuften die Experten der US-Bank die Papiere auf ‘Buy’ von ‘Neutral’ hoch.

BVB:

Die 2:1-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf belastete zunächst die Aktie von Borussia Dortmund (BVB). Die Papiere des Fußball-Bundesligisten verloren 0,8 Prozent. Doch dann kauften die Anleger wieder, der Titel notiert mittlerweile 0,4 Prozent im Plus.

Was die Charttechnik sagt

Für die Charttechnik ist die Sache derzeit einfach: Auf der Unterseite ist das bisherige Jahrestief bei 10.585 die neue Bastion, die der Dax verteidigen sollte. Kurse unterhalb dieser Marke würden den intakten Abwärtstrend noch verschärfen. Die nächsten Ziele wären dann 10.370 und rund 10.100.

‘Da die Trends auf allen Zeitebenen abwärts gerichtet sind, muss das Risiko weiterer Rücksetzer und damit die Gefahr, dass neue Verlaufstiefs markiert werden, deutlich höher gewichtet werden’, meinen die Charttechniker der Helaba.

Auf der Oberseite stehen die Marken rund um 11.000 Zähler im Weg. Bei 11.051 Punkten war das Tief des vergangenen Oktobers, bei 11.009 das November-Tief dieses Jahres. Der Sprung über diesen Bereich ist eine zwingende Voraussetzung für ein halbwegs versöhnliches Jahresende. Doch das könnte durchaus einige Zeit dauern. Es wäre schon ein positives Zeichen, wenn der Dax sich in dieser Seitwärtszone zwischen 10.585 und 11.051 Zählern etablieren könnte. Das hat die Frankfurter Benchmark zumindest schon mal sieben Tage geschafft.

Blick auf die Märkte USA und Asien

Ein schwacher Börsengang des Mobilfunkbetreibers Softbank hat den Handel an der japanischen Börse am Mittwoch überschattet. Die Aktien verloren beim Marktdebüt mehr als zehn Prozent. Zudem hielten sich auch in Tokio die Anleger vor der Fed-Sitzung zurück. Der Nikkei-Index fiel zeitweise um mehr als ein Prozent auf den tiefsten Stand seit fast neun Monaten.

Die US-Märkte haben vor dem Zinsentscheid der Notenbank Fed noch einmal etwas Selbstvertrauen getankt. Nach dem verlustreichen Wochenbeginn standen die Zeichen bei den großen Indizes wieder auf Erholung.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,35 Prozent auf 23.675 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 ging kaum verändert bei 2546 Zählern aus dem Handel. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 0,45 Prozent auf knapp 6784 Stellen.

Analystencheck: NordLB bleibt bei Kaufempfehlung für Thyssen-Krupp

Die NordLB hat die Einstufung für Thyssen-Krupp nach Zahlen auf ‘Kaufen’ mit einem Kursziel von 22 Euro belassen. Nach dem zuvor vom Industriekonzern bereits angepassten Ausblick seien Überraschungen bei der Präsentation der Geschäftsjahreszahlen 2017/18 ausgeblieben, schrieb Analyst Holger Fechner in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Der Blick aufs neue Geschäftsjahr sei vorsichtig optimistisch.

Laut dem Handelsblatt-Analystencheck stehen bei der Thyssen-Krupp 33 Kaufempfehlungen 22 Mal eine neutrale Einschätzung gegenüber. Vier Studien empfehlen einen Verkauf des Titels. Das gewichtete Durchschnitts-Kursziel aller Studien, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt bei 25,77 Euro. Die Aktie wird derzeit bei gut 15,76 Euro gehandelt.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.1p1p


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