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Klatschende Kugelköpfe und Stromkühe: Zu Besuch auf dem CES-Jahrmarkt der Start-up-Ideen

Fernab der Tech-Riesen zeigen tausende Start-ups auf der Technologiemesse CES ihre innovativen Ideen. Ein Besuch im verrückt-wilden Eureka Park.

Auf den ersten Blick gleicht der AI Pop Up Store einem klassischen Verkaufsstand wie man ihn vom Wochenmarkt kennt. Doch der kleine Kaufladen des Start-ups Pop Square aus Hongkong ist in Wirklichkeit hochvernetzt und voll mit Künstlicher Intelligenz.

Mitten im Eureka Park, der Spielwiese der Technologiemesse CES in Las Vegas, führt Pop-Square-Gründer Francis Kwok vor, wie sein Einkaufstand funktioniert. Benutzer können ausgestellte Produkte anschauen, anfassen, herausnehmen und prüfen. Wenn eines gefällt, wird er über ein Bildschirm-Bestellfeld geordert und nach Hause geliefert.

Dabei stehen die Kunden unter ständiger Beobachtung. Überall an dem 2,5 Meter hohen und drei Meter breiten Wagen sind Kameras und Mikrofone installiert. Künstliche Intelligenz erkennt, wie lange Kunden ein Produkt betrachten. Gesichtserkennung bestimmt, ob sie dabei skeptisch oder erfreut sind. Die Daten werden später anonymisiert an den Hersteller geliefert, der vielleicht gerade erst ein neues Produkt oder eine neue Farbnuance testen will. Was in deutsche Datenschützer beunruhigen würde, wird in asiatischen Einkaufszentren bereits getestet.

Der Eureka Park in der Sands Expo neben dem gigantischen Venetian Hotel mit seinen 7000 Hotelzimmern ist so etwas wie ein riesiges Experimentierfeld junger Start-ups. Wer Abwechslung sucht von den gigantischen Präsentationen der IT-Riesen und Autogiganten, der kommt hierhin.

Aber nicht zur Erholung. Denn im Eureka Park ist alles noch wilder, bunter, und irgendwie kindlicher. Über 1000 Austeller knubbeln sich hier auf engstem Raum. Der typische Stand ist nicht nicht größer als zwei Meter mal zwei Meter. Ein oder zwei junge Gesichter pro Stand lächeln jeden an, der sich in der Masse der Besucher durch die engen Gänge schiebt und ihrem Produkt einen Blick zuwirft.

Organisiert ist der Eureka Park nach Länder- oder Regionalorganisationen und Produktkategorien. Wer hier ausstellen will, muss eine kurze Aufnahmeprüfung durch den Anmieter des Standes, oft lokale Wirtschaftsförderer, und die CES meistern. Danach ist der Weg nach Vegas frei.

Oft gibt es Reisekosten- und Hotelzuschüsse, aber nicht immer. Trotzdem: Für viele der meist jungen Gründer ist diese Woche in Las Vegas unvergesslich und manchmal auch entscheidend. Denn unter den Besuchern dieses Spielfelds der Technologie sind viele Risikokapitalanleger, auf der Suche nach lohnenden Investments.

Während 2018 die virtuelle Realität das beherrschende Thema war, steht 2019 die Gesundheitsvorsorge im Mittelpunkt. Denn die Gesundheit der Mitarbeiter spielt in großen Unternehmen eine immer größere Rolle. Im vergangene Jahr vereinbarten beispielsweise allein JP Morgan, Amazon und Berkshire Hathaway, für ihre hunderttausende Angestellten und Arbeiter eine neue Art der medizinischen Versorgung auf die Beine zu stellen. Geldtöpfe, an denen auch die Start-ups interessiert sind.

Da ist zum Beispiel Pillo, ein persönlicher Gesundheitsroboter, der zu Hause die Medikamentenausgabe an einen Patienten überwacht und organisiert. Auch Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, ist nach Las Vegas gereist, um dort auch bei den Start-ups des Eureka Parks vorbeizusehen.

,’Da habe ich einige interessante Neuigkeiten gesehen’, erklärt sie. Besonders habe ihr das Start-up Vitae Industries gefallen, das die verschiedenen Tabletten, die ein Patient täglich nehmen muss, per 3D-Druck in einer einzigen, personalisierten Pille oder einem leicht zu schluckendem Gummi für den Tag zusammenfasst.

Das Start-up arbeitet darüber hinaus an einem Mischgerät in Toastergröße, das die Wirkstoffe im richtigen Verhältnis mischt und personalisiert aufbereitet: Der ‘Auto Compounder’ soll später in Apotheken und Krankenhäusern eingesetzt werden und die tägliche – und vor allem für alte Menschen oft problematische – Einnahme einer Batterie von Tabletten ersetzen. Neben solchen vielversprechenden Ansätzen, sagt Bär, habe sie durchaus auch einiges ‘Unnötiges’ gesehen.

Das ist noch nett formuliert, bei so manchem Start-up, das in der Sand Expo von Dienstag bis zum Freitag gezeigt wurde, muss man lange suchen, um ein Geschäftsmodell zu identifizieren. So mutet beispielsweise der ‘Handclapper’ der japanischen ‘Bye Bye World Inc’ geradezu absurd an.

Der Handclapper ist ein Kugelkopf mit wulstigen Plastiklippen auf einem Standfuß, der nur zwei kleine Hände hat, die er über dem Kopf zusammenklatschen kann. Dabei sage er auf japanisch Sätze wie ‘Herzlich willkommen’ oder ‘Auf Wiedersehen’, wenn er an den Türen japanischer Supermärkte stationiert ist, da wo heute noch überwiegend für Mindestlöhne angestellte Frauen stehen und sich freundlich grüßend verbeugen. Innovationslevel und Beitrag zur Menschlichkeit sind da eher gering, Verdrängungsfaktor im Niedriglohnsegment eher groß.

Aber es gibt auch echte Innovationen wie die erste portable Ultraschall-Kamera für den Anschluss an ein Tablet oder ein Smartphone. Das handtellergroße Gerät von Marvoto Technologies aus Hongkong könnte sich sich als Segen für die Geburtsmedizin in der dritten Welt erweisen, aber auch in den USA zum Beispiel, wo Vorsorgeuntersuchungen in Krankenhäusern selbst für Krankenversicherte oft unerschwinglich sind.

Aus Luxemburg kommt Qtrobot, ein liebenswerter kleiner Kerl, der speziell darauf trainiert ist, mit autistischen Kindern zu arbeiten.

Eines der Start-ups, die durch Idee und Einfachheit beeindrucken, ist die Solar Cow von Yolk. Denn diese Kuh gibt keine Milch, sondern Strom. Die Haut des Stahlgestells in Kuh-Form ist aus Sonnenkollektoren. Und auch Euter sind vorhanden: Hier können Batterien in Form von Milchkannen angeschlossen werden.

Diese spielerische Lösung soll in Afrika echte Versorgungsprobleme lösen. Kinder können die Milchkannen morgens in die Schule bringen, sie nach dem Unterricht nach Hause tragen und so die Familienhütte einen Tag mit Strom versorgen. Dafür wurde die ‘Solar Cow’ mit der ‘Power Milk’ schon vor dem offiziellen Start mit einem Innovationspreis ausgezeichnet.

Denn die Kuh hat einen doppelt positiven Effekt: Denn mit der sauberen Energie wird in den Hütten nicht mehr mit klimaschädlichem Holzfeuer gekocht. Und auch die Kinder haben mehr Zeit, weil sie zur Schule gehen könne, statt Holz zu sammeln.

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