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Die Fan-Anleihe des Hamburger SV dürfte Profi-Anleger abschrecken

Der Hamburger SV setzt bei der Umschuldung auf eine Fan-Anleihe. Doch die Verzinsung von sechs Prozent pro Jahr ist nur auf den ersten Blick attraktiv.

Der HSV will von seinen Fans 17,5 Millionen Euro einsammeln. Wie der Hamburger Zweitligist bereits am Freitag bekannt gab, plant der Club eine sogenannte Fan-Anleihe auszugeben. Das Papier soll bis 2026 laufen und mit sechs Prozent verzinst werden.

Mit dem Wertpapier will der HSV umschulden: Sie diene der Rückzahlung der Jubiläums-Anleihe, erklärte Finanzvorstand Frank Wettstein. Der HSV hatte im Jahr 2012 eine Anleihe begeben, die im September 2019 ausläuft – im Jahr des hundertjährigen Bestehens des Vereins.

Details zu der neuen Anleihe sind nur wenige bekannt. Derzeit werde der Prospekt von der Bafin geprüft, so der Club weiter. Gläubiger der bestehenden Jubiläumsanleihe sollen jedoch ein Vorkaufsrecht erhalten.

Dass der HSV die bestehende Anleihe durch eine neue ablöst ist keineswegs ungewöhnlich – bei Unternehmen ist diese Art der Refinanzierung weit verbreitet. Allerdings zeigen die Konditionen der Anleihe, dass sich das Produkt vor allem an Fans richtet – und für sich für Anleger, die nur auf die Rendite aus sind, nicht rechnen dürfte.

Zwar wirbt Bernd Hoffmann, Chef der HSV Fußball AG, der Profiabteilung des Vereins: ‘Wir können schon jetzt so viel sagen, dass unsere Anleihe dank einer Verzinsung von sechs Prozent eine attraktive Investitionsmöglichkeit auch für Privatpersonen ist.’ Doch die Bedingungen der Anleihe dürfte Profi-Anleger eher abschrecken.

Denn Gläubiger ist die finanziell angeschlagene Lizenzspielerabteilung HSV Fußball AG – nicht der vergleichsweise solide dastehende Verein. Schon die Jubiläums-Anleihe wurde mit sechs Prozent verzinst. Doch mit dem Abstieg hat sich die finanzielle Situation der HSV AG dramatisch verschlechtert.

‘Wir werden ein zweistelliges Millionen-Minus erwirtschaften’, gestand Finanzchef Frank Wettstein und ergänzte: ‘Der Abstieg hat Auswirkungen über fünf Jahre’. Grund ist der Erlös aus der TV-Vermarktung, der die Platzierungen im genannten Zeitraum berücksichtigt.

Das Risiko einer Insolvenz der HSV AG und damit ein Ausfall der Anleihe hat sich also deutlich erhöht. Nur eingefleischte Fans unter den HSV-Gläubigern dürften sich daher damit zufriedengeben, dass das Papier genauso hoch verzinst wird, wie zu wirtschaftlich besseren Zeiten.

Das Papier ist außerdem nicht an den Börsen handelbar. Gläubiger müssen also sieben Jahre lang auf ihr Geld verzichten und müssen darauf vertrauen, dass die Anleihe in dieser Zeit nicht ausfällt. Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust.

Auch im Kleingedruckten verbirgt sich Sprengstoff: Ab 2022 will der Verein jedes Jahr zwischen zehn und 25 Prozent der Anleihe tilgen. Ziel sei es, die Belastungen verträglicher auf die Jahre zu verteilen und die Zinslast zu senken, sagte Finanzvorstand Wettstein.

Solche Sonderbedingungen sind bei Anleihen durchaus gängig – unüblich ist dagegen, dass der Emittent der Anleihe für diese Bedingungen keinen Zinsaufschlag bietet. Denn ein Recht für eine Sondertilgung bedeutet für den Anleger immer, dass er nicht genau wissen kann, wie hoch sein jährlicher Ertrag für sein Investment ist. Für diese Unsicherheit verlangen Profi-Anleger in der Regel einen Zinsaufschlag.

Ist die Platzierung der Anleihe ein Erfolg, dürfte sie für den HSV ein gutes Geschäft werden. Der finanziell angeschlagene Club kann sich zu Konditionen refinanzieren, die er am Kapitalmarkt nie erhalten würde.

Doch für die leidgeprüften HSV-Fans dürfte die Rendite nicht der wichtigste Grund sein, die Anleihe zu kaufen. Und so ist es auch kein Wunder, dass Fußball-AG-Chef Hoffman an den Zusammenhalt des Vereins appelliert: Die Anleihe sei so gestaltet, dass ‘auch unsere Fans die Chance haben, aktiv die Zukunft des HSV zu stärken’, sagte er: ‘Wir wollen den Weg gemeinsam beschreiten.’ 1p1p


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