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Audi-Mitarbeiter sollen interne Dieselskandal-Aufklärung behindert haben

Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt im Dieselskandal vier weitere Audi-Mitarbeiter. Der Autokonzern hat von sich aus das Problem angesprochen.

Die Staatsanwaltschaft München II hat im Dieselskandal ihre Ermittlungen gegen Audi ausgeweitet. Sie führt in ihren Akten nun vier weitere und damit insgesamt 24 Beschuldigte, wie die Behörde auf Nachfrage bestätigte.

Bei den neu hinzugekommenen Verdächtigen soll es sich um vier Audi-Mitarbeiter handeln, die nach Bekanntwerden des Dieselskandals bei Volkswagen im Jahr 2015 möglicherweise die interne Aufklärung bei dem Autobauer behindert haben.

Bemerkenswert: Zumindest in Teilen sei es sogar die explizite Aufgabe der nun neu Beschuldigten gewesen aufzuklären, inwieweit auch Audi Abgaswerte manipulierte.

Aufgekommen war der Verdacht durch die Auswertung interner Kommunikation bei Audi, in der die vier Mitarbeiter nach Ansicht der Ermittler die Wahrheit verschleierten und so die weitere Aufklärung des Abgasskandals erschwerten.

Audi hat die Staatsanwaltschaft selbst darauf aufmerksam gemacht, wie der Konzern auf Nachfrage angibt. Ein Audi-Sprecher räumte ein: ‘Zuletzt neu gewonnene Erkenntnisse wurden der Staatsanwaltschaft München II mitgeteilt und vollständig offengelegt.’ Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft demnach das Ermittlungsverfahren ein.

Ob die vier Mitarbeiter, die in unterschiedlichen Abteilungen tätig waren, weiter für Audi arbeiten oder ob Audi arbeitsrechtliche Maßnahmen ergriffen hat, teilte der Autobauer nicht mit. Ebenso ist unbekannt, weshalb Vorgänge, die lange zurückliegen, erst jetzt auffielen – mehr als drei Jahre nachdem die Manipulationen öffentlich wurden.

Der Skandal hatte sich seinerzeit recht schnell von Volkswagen auch auf die Tochter Audi ausgeweitet. Die Ingolstädter mussten eingestehen, auch in ihre Drei-Liter-Dieselmotoren eine Software eingebaut zu haben, die die Abgaswerte schönt. 2016 kamen dann Hinweise auf, dass Audi gar die Betrugssoftware bei VW mit entwickelt hatte.

Ermittlungen in den USA und Südkorea

In die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden kam jedoch erst einige Monate später Bewegung. Im März 2017 war die Audi-Zentrale ausgerechnet während der Jahrespressekonferenz Ziel einer groß angelegten Razzia der Ermittler.

In den folgenden Monaten mündeten die weiteren Ermittlungen schließlich in Verhaftungen: Erst traf es im Sommer 2017 den Ingenieur Giovanni Pamio, dann den Manager Wolfgang Hatz und schließlich im Juni 2018 den damals noch amtierenden Vorstandschef Rupert Stadler.

Wie schon Pamio und Hatz kam auch Stadler erst nach mehreren Monaten Untersuchungshaft und nur gegen Auflagen wieder frei. Gegen alle drei sowie einen Mitarbeiter Pamios bereitet die Münchener Staatsanwaltschaft laut Handelsblatt-Informationen eine Anklage vor, die sie demnach noch im ersten Halbjahr erheben will.

Daneben führt die Staatsanwaltschaft München II im Dieselskandal noch ein zweites Ermittlungsverfahren gegen Audi. Drei Mitarbeiter werden des Betrugs in Südkorea beschuldigt.

In den USA hat die Justizbehörde unterdessen Ende vergangener Woche Anklage gegen vier frühere Audi-Führungskräfte erhoben, darunter der Ex-Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch sowie der Ex-Chef der Dieselmotorenentwicklung, Richard Bauder.

Dem Quartett werden in zwölf Fällen Verschwörung, Betrug und Verstöße gegen amerikanische Umweltgesetze vorgeworfen.1p1p


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