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Scholz führt auch Gespräche mit Banken-Großaktionär Cerberus

Der Bundesfinanzminister steht auch mit Cerberus in engem Kontakt. Der Finanzinvestor ist Großaktionär sowohl von Commerzbank als auch von Deutscher Bank.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies stehen in engem Austausch mit dem Finanzinvestor Cerberus. Das zeigt die Antwort des Finanzministeriums auf eine Parlamentarische Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Zickenheiner, die dem Handelsblatt vorliegt. Zuerst hatte die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ darüber berichtet. Der Bankeninvestor gehört bei der Deutschen Bank und bei der Commerzbank zu den wichtigsten Aktionären.

Scholz und Kukies haben sich laut dem Schreiben in den vergangenen Monaten mehrfach mit Vertretern der Banken getroffen. Zuletzt führte Kukies am 8. Januar mit den beiden Cerberus-Vorstandsvorsitzenden Stephen Feinberg und Frank Bruno Gespräche.

Mit dabei war auch der ehemalige Banker der US-Bank JP Morgan, Matt Zames. Als Vertreter des Bankeninvestors berät er den Vorstand der Deutschen Bank. Cerberus hält bereits mehrere europäische Bankenbeteiligungen. Mit einem anderen Finanzinvestor übernahm er zuletzt die HSH Nordbank und bot auch für die Nord LB. Die Bundesregierung hält an der Commerzbank mehr als 15 Prozent.

Spekulationen um eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank machen schon länger die Runde. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-CEO Martin Zielke in den vergangenen Monaten regelmäßig getroffen haben. Dabei sei auch immer wieder eine mögliche Fusion beider Häuser zur Sprache gekommen, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Darüber formal verhandelt werde aber nicht, außerdem sei diese Fusion auch nicht die einzig mögliche Option.

Kurz zuvor hatte das Bundesfinanzministerium Spekulationen über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank angeheizt. Eine Anfrage des ‘Grünen’-Abgeordneten Danyal Bayaz zeigte, dass es 2018 insgesamt 23 Treffen des Ministeriums mit hochrangigen Vertretern der Deutschen Bank – wie etwa Konzernchef Sewing – gegeben hatte.

Gegenstand der Gespräche sollen demnach ‘regelmäßig auch strategische Optionen der jeweiligen Institute und Bewertungen durch die Leitung des Bundesministeriums der Finanzen’ gewesen sein. Die Bundesregierung stehe ‘wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber’, hieß es Mitte Januar. Mögliche Hindernisse bei Fusionen müssten von den Marktteilnehmern analysiert werden.

Sollten die Deutsche Bank und die Commerzbank tatsächlich am Ende zusammengehen, entstünde das mit Abstand größte deutsche Geldhaus. Es hätte eine Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro, 38 Millionen Privat- und mehrere zehntausend Firmenkunden sowie anfangs über 120.000 Mitarbeiter.

Bei einem Zusammenschluss dürfte allerdings ein erheblicher Teil dieser Stellen wegfallen. Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden Großbanken machen seit längerem die Runde. Neben dem Wunsch der Bundesregierung nach wettbewerbsfähigen Geldhäusern spielen auch Zweifel der Investoren an den Geschäftsmodellen von Deutscher Bank und Commerzbank eine Rolle.1p1p


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