Mittelstandsbotschafter

Digitalisierung? – “Später!” ist zu spät

Konzerne, Hidden Champions und der breite Mittelstand beschäftigen sich nur wenig mit der Digitalisierung. Schlimmer noch: Sie sind an den falschen Enden aktiv. Diese erschreckende Erkenntnis brachte eine breit angelegte Studie der ESMT Berlin an den Tag.

Am besten seien sie in der digitalen Kommunikation aufgestellt, attestierten sich die Unternehmen. E-Mails, Messenger-Dienste, TV-Konferenzen und Daten zu bearbeiten gehören in den Unternehmen schon seit langem zum Alltagsgeschäft.

Mit deutlichem Abstand folgt an zweiter Stelle die Prozessautomation. Doch auch diese IT-Prozesse laufen schon seit Jahren. An dritter Stelle kommen die digitalen Vertriebskanäle, wie Onlineshops und die digitale Anbindung der Kunden.

Bei den Konzernen stehen neue digitale Geschäftsmodelle an letzter Stelle, wobei der Mittelstand sich nur minimal mehr damit auseinandersetzt. Hier rangiert das Thema an vorletzter Stelle, hauchdünn vor dem Schlusslicht Big Data. Insgesamt stecken alle Unternehmen überraschend wenig Schweiß und Mühe in diese Zukunftsbereiche.

Im Schnitt sehen sich nur 12 % der befragten Unternehmen im Mittelstand als Innovationsführer in den digitalen Bereichen. Bei den Hidden Champions sind es 17 %. Doch 99 % aller Hidden Champions verdanken ihre herausragende Stellung ihrer Innovationskraft. Und bei den börsennotierten Konzernen ist es nicht viel anders.

 

Digitalisierung

 

Einhörner auf dem Vormarsch
Zur gleichen Zeit bahnt sich in der Weltwirtschaft eine neue Epoche an. Bei den weltweiten Neugründungen von Unternehmen erreichen viele binnen eines Jahres einen Unternehmenswert von über 1 Milliarde Euro. Die meisten fußen auf digitalen Geschäftsmodellen. 272 solcher Unternehmen, die im Fachjargon als Einhörner bezeichnet werden, gibt es derzeit. 131 davon laut Wikipedia allein in China, 85 in den USA und 20 in Indien. Europa spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

China hat die USA um Längen überholt und abgehängt. Dort fassen jetzt gerade Unternehmen Fuß, die früher oder später auch unsere Märkte bedienen und das Nachfrageverhalten gehörig durcheinanderwirbeln. Doch damit beschäftigt sich derzeit noch niemand, denn im Moment läuft ja alles.

Welche Rolle besetzen die heimischen Unternehmen in Zukunft? Die Unternehmens-DNA, die in der Vergangenheit Fortschritt und Überlegenheit gesichert hat, reicht augenscheinlich nicht mehr aus. Es ist ein strukturelles Problem, das kürzlich ein CTO in einem Gespräch sehr treffend zum Ausdruck brachte: „Die, die entscheiden können, haben von der Digitalisierung keine Ahnung, und die, die Ahnung haben, dürfen nicht entscheiden.“

Selbsterkenntnis ist angesagt
Der erste Schritt ist es, diese Einsicht zuzulassen. Die Anforderung selbst ist ganz einfach und lautet in etwa: „Wir als Unternehmen wollen ein digitaler Treiber der Branche sein und in fünf Jahren mindestens 30 % unserer Wertschöpfung über digitale Lösungen erzielen.“

Wenn das Ziel so klar vor Augen ist – woran es aus meiner Erfahrung in 90 % der Fälle mangelt – dann heißt es, kompetente Leute einzustellen und geeigneten Teams die Freiheit zu geben, sich mit neuen Geschäftsmodellen und disruptiven Lösungen zu beschäftigen, die das Leben der Kunden einfacher machen. Denn genau darum geht es am Ende immer: macht eine digitale Lösung das Leben für den Kunden einfacher? Und nahezu alle erfolgreichen digitalen Geschäftsmodelle erfüllen dieses simple Kriterium.

Zwei Beispiele, die die Bandbreite der digitalen Möglichkeiten aufzeigen, sind die Stahl-Handelsplattformen von ThyssenKrupp und Klöckner, die den klassischen Zwischenhändler überflüssig machen, und N26, die mobile Bank, die nur über das Smartphone läuft und sich gerade anschickt, zum Maß der Dinge zu werden. Interessante Details zu diesen beiden Beispielen: im ersten Fall haben sich zwei Dinosaurier neu erfunden und N26 ist ein 2013 gegründetes Start-up, das heute schon einen Unternehmenswert von über 2 Milliarden Euro aufweist.

Fazit
Die Digitalisierung der Geschäftsmodelle entsteht von innen heraus. Warten Sie nicht, bis sie gezwungen werden, sondern starten Sie jetzt. Dann ist Deutschland auch weltweit bei den digitalen Keyplayern dabei undkann den neuen Herausforderungen aus China, den USA und Indien die Stirn bieten.

Beginnen Sie diesen Prozess doch ganz einfach: mit 8 Fragen

  1. Ich sehe nicht, was wir genau machen könnten, spüre aber intuitiv, dass wir was machen sollten => JA / NEIN
  2. Ich merke, dass wir im Unternehmen viel zu unspezifisch an das Thema Digitalisierung herangehen => JA / NEIN
  3. Hier hat jeder Ideen, ob und inwieweit die auch zur Strategie passen, kümmert keinen; und kann mir auch keiner sagen => JA / NEIN
  4. Im Grund fehlt uns auch das interne Know-how dazu => JA / NEIN
  5. Mir fehlt die Vorstellungskraft, welche Wege am erfolgversprechendsten sind und ich möchte auch wenig Lehrgeld bezahlen => JA / NEIN
  6. Kann mir gut vorstellen, dass wir das alleine stemmen, wenn erstmal der Groschen gefallen ist, aber zuerst muss er einmal fallen => JA / NEIN
  7. Wir beschäftigen uns generell ungern mit Themen, bei denen wir uns nicht richtig auskennen => JA / NEIN
  8. Wir sehen die Risiken überdeutlich, die Chancen erschließen sich uns weniger => JA / NEIN

 

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit JA beantworten, dann sind Sie derzeit nicht bei den digitalen First Movern der Digitalisierung dabei. Im Gegenteil: Sie schlittern mit den anderen mit. Ihr Abstand zu den Besten vergrößert sich und Sie verlieren mit jedem Tag den Anschluss. Was Sie jetzt brauchen, ist ein klarer Plan, ein Digitalisierungsplan, der Ihrem Unternehmen in machbaren Schritten den Weg weist. Einen Weg, wie ihn vergleichbare Unternehmen bereits gegangen sind. Und mit jedem Tag wachsen und neue digitale Erfahrungen sammeln.

Wir zeigen Ihnen gerne, was Sie konkret tun können, um Ihre eigene, digitale Wachstumsstrategie zu finden. Stichwort: BAMBUS-CODE 4.0.

Das Buch zum Thema digitale Wachstumsstrategie:
Christian Kalkbrenner: „Der Bambus-Code 4.0 – Erfolgreiche Wachstumsstrategien für den digitalen Wandel“, Norderstedt 2018, 19,95 Euro.

Quelle zur Studie: Alexander Jake Freimark et. al.: “Hidden Champions – Champions der digitalen Transformation?”, Hidden Champions Institute an der ESMT Berlin in Zusammenarbeit mit  IDG Research Services, Nov. 2018


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