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Finanzierung, solvent

Dienstradleasing – so geht´s

Dauerstau und Parkplatznot: Viele Arbeitnehmer suchen für die Fahrt zur Arbeit nach Alternativen. Bus und Bahn sind nicht immer die erste Wahl. Stattdessen steigen immer mehr Beschäftigte auf das Fahrrad. Findige Arbeitgeber unterstützen diesen Trend mit einem Dienstrad. Das ist gut für Image und Umwelt.

Der tägliche Obstkorb, Gratis-Kaffee oder veganes Mittagessen? Welche Benefits wünschen sich Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber, um sich gut aufgehoben zu fühlen? Mit dieser Frage beschäftigen sich immer mehr Unternehmen. Fachkräfte sind knapp und werden knapp bleiben – dafür sorgt schon die demografische Entwicklung.

Personalabteilungen müssen kreativ sein, beim Recruiting und bei der Bindung etablierter Mitarbeiter an ihr Unternehmen. Allein ein gutes Gehalt zu bieten, reicht in vielen Fällen nicht mehr aus, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

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Womit also lassen sich Bewerber begeistern? Antworten geben etliche Umfragen – oder, ganz einfach ein paar Suchanfragen bei Google. Das Softwareunternehmen SEMRush hat jüngst im Rahmen einer Studie arbeitsmarktrelevante Schlagwörter auf Suchvolumen und Besucherzahlen analysiert.

Ergebnis: Das Interesse an Benefits nimmt ständig zu. Besonders hoch im Kurs stehen demnach Mobilitätsangebote wie Carsharing, Jobticket – und das Thema Fahrrad. Suchanfragen für den Begriff „Dienstrad“ seien in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, heißt es in der Studie.

Eine Viertelmillion Diensträder

Gerade junge Menschen wünschten sich einen Chef, für den Werte wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Gesundheitsförderung wichtig seien. „Für Arbeitgeber kann ein attraktives Dienstradangebot ein Vorteil im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter sein.

Denn oft überzeugt ein Jobrad viel mehr als das letzte Prozent zusätzliches Gehalt“, sagt Holger Tumat, Geschäftsführer von JobRad. Das 2008 gegründete Unternehmen mit Sitz in Freiburg gilt als Pionier und Marktführer im Dienstradleasing.

Nach Zahlen von JobRad sind derzeit mehr als 250.000 geleaste Diensträder auf deutschen Straßen unterwegs. Mehr als 10.000 Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern ein entsprechendes Angebot, darunter viele große Konzerne wie etwa Bosch, SAP oder die Deutsche Bahn, aber auch viele Mittelständler.

Vor drei Jahren waren es erst gut 1.000 teilnehmende Unternehmen. „Der Markt für Diensträder bietet auch künftig ein enormes Potenzial. Selbst bei vorsichtiger Schätzung ist dieses Angebot für mehr als 300.000 Unternehmen und auch kommunale Einrichtungen interessant“, sagt Rolf Hahn, Vorsitzender der Geschäftsführung der MLF Mercator-Leasing GmbH & Co. Finanz-KG. Die Leasinggesellschaft finanziert Dienstradangebote, bietet Versicherungsschutz und ist mit diesen Leistungen die Nummer eins im Dienstradleasing in Deutschland.

Nach Einschätzung von Hahn werden immer mehr Arbeitgeber gezwungen sein, sich mit dem Thema Dienstrad zu beschäftigen, weil von Stau und Parkplatzsuche genervte Mitarbeiter nach Alternativen zum Auto suchen.

„Das Dienstrad bietet für alle Beteiligten viele Vorteile: Die Unternehmen stärken ihr Image als fortschrittlicher Arbeitgeber. Sie fördern die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und müssen weniger Parkplätze bereitstellen. Die Beschäftigten erhalten die Chance, ihr Wunschfahrrad vergleichsweise günstig nutzen zu können. Und für die Umwelt ist jeder nicht gefahrene Autokilometer durch CO2-Einsparungen und weniger Feinstaub ohnehin ein Gewinn“, betont der Mercator-Leasing-Chef.

Hoher Anschaffungswert

Mehr Diensträder könnten zudem dazu beitragen, dass die Deutschen auch abseits der Fahrten zur Arbeit häufiger auf zwei Rädern unterwegs sind. Aktuell beträgt der Radverkehrsanteil nach Zahlen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) lediglich elf Prozent. Das bedeutet, dass hierzulande nur etwa jeder zehnte Weg mit dem Rad zurückgelegt wird.

Zum Vergleich: In den Niederlanden ist der Radverkehrsanteil mehr als doppelt so hoch: 27 Prozent. Auch bei den zurückgelegten Kilometern liegen unsere Nachbarn ganz weit vorn: Während Niederländer pro Jahr im Durchschnitt über 1.000 Kilometer mit dem Rad zurücklegen, sind es bei den Deutschen nur etwa 400. Das könnte sich ändern, denn laut einer Studie der Technischen Universität München steigen 80 Prozent der Dienstrad-Besitzer auch in der Freizeit öfter auf das vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Fahrrad um.

Das mag daran liegen, dass das Radeln auf den meist besonders hochwertigen und überdurchschnittlich gut ausgestatteten Bikes mehr Spaß macht. Nach Zahlen von Mercator beträgt der durchschnittliche Anschaffungswert eines Dienstrades stolze 2.500 Euro. Etwa zwei von drei Rädern sind E-Bikes. Dagegen geben private Käufer laut Zweirad-Industrie-Verband lediglich etwa 700 Euro aus.

Dienstrad finanzieren – so funktioniert das Modell “Rad vom Chef”:

✪ Ein Dienstleister, der auf steuerbegünstigte Dienstrad-Programme spezialisiert ist, stellt das Modell bei einem Unternehmen vor und übernimmt die gesamte Betreuung.

✪ Der Arbeitgeber schließt einen Rahmenvertrag mit einem Leasingunternehmen als Finanzierer.

✪ Der Mitarbeiter sucht sich ein Rad oder E-Bike bei einem Fachhändler aus.

✪ Arbeitgeber und Leasinggesellschaft schließen Einzelleasingverträge über Diensträder mit einer festen Laufzeit von 36 Monaten inklusive Vollkaskoversicherung.

✪ Arbeitgeber und Mitarbeiter vereinbaren eine Nutzungsüberlassung, die auch eine private Nutzung zulässt.

✪ Für die private Nutzung versteuert der Mitarbeiter monatlich ein Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung des Dienstrads als geldwerten Vorteil.

✪ Das Bruttogehalt wird für die Dauer der Nutzungsüberlassung um einen festgelegten Betrag reduziert (Gehaltsumwandlung).

✪ Arbeitgeber beteiligen sich unterschiedlich an den Kosten. Oft wird die Versicherungsrate übernommen, in vielen Fällen aber auch ein Teil von Leasing- und Servicerate.


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Kommentare

  1. Wie sehen Sie das Argument der Gewerkschaften, dass das Dienstrad sich schädlich auf die Renten auswirkt?

    Antworten
    • Hallo,
      die Gewerkschaften sind ja nicht per se gegen ein Dienstrad, sondern gegen das Modell der Entgeltumwandlung. Dabei entfallen tatsächlich Steuern und Sozialabgaben auf den umgewandelten Teil des Lohns – was den Rentenanspruch mindert. Das sollten sich Arbeitnehmer, die über ein Dienstrad nachdenken, bewusst machen. Oder aber sie verhandeln mit ihrem Arbeitgeber dass er – ähnlich wie beim Dienstwagen – zumindest einen Teil der Kosten übernimmt.

      Antworten

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