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Creditreform

2021 könnte mit der Impfung großer Teile der Bevölkerung gegen das Coronavirus die Rückkehr zur Normalität gelingen. Diese Aussicht sorgt für gute Stimmung an den Aktienmärkten.

Das Börsenjahr 2020 geht als eines der kuriosesten in die Geschichte ein. Die Corona-Pandemie führte im Frühjahr zu einem der schnellsten und heftigsten Börseneinbrüche in der Wirtschaftsgeschichte.

Das Virus traf die Volkswirtschaften rund um den Globus in einer schwierigen Lage, als sich die Weltkonjunktur ohnehin abschwächte. Doch die Notenbanken schalteten sofort in den Krisenmodus und Regierungen legten milliardenschwere Konjunkturpakete auf.

Harter Lockdown versetzt Dax einen Dämpfer

An den Börsen schien die Pandemie bereits überwunden: Der Dax notierte Anfang Dezember knapp unterhalb des Niveaus von vor einem Jahr. Dem erhofften Endspurt am Aktienmarkt vor den Weihnachtagen versetzte der bundesweite harte Lockdown seit dem 16. Dezember allerdings einen Dämpfer.

Dennoch: Mit der Aussicht auf eine Impfung gegen das Coronavirus mehrt sich die Hoffnung auf eine langsame Rückkehr in Richtung Normalität. Nachdem die Weltwirtschaft 2020 nach Schätzungen der DZ Bank um 4,2 Prozent sinken wird, gehen die Experten 2021 von einem Wachstum in Höhe von 5,0 Prozent aus. Das sorgt für höhere Gewinne der Unternehmen.

„Die Konjunktur- und Börsenentwicklung 2021 sollte ganz wesentlich im Zeichen der anhaltenden monetären Stimulierung stehen“, sagt Jens Ehrhardt, Vorsitzender des Vorstands der DJE Kapital AG.

Er sieht einen positiven Impuls darin, dass die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte 2020 noch einmal massiv gelockert hätten. Deswegen rechnet der erfahrene Vermögensverwalter mit einer positiven Entwicklung der Aktienmärkte vor allem im ersten Halbjahr 2021.

 

Welche Aktien konnten zulegen?

Mit der Aussicht auf eine Normalisierung ändern sich auch die Vorlieben der Börsianer. „Vieles spricht für eine weitere Bewegung der Zykliker, die im November schon begonnen hat und die noch weiteres Aufholpotenzial an den Märkten aufweist“, sagt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Gewinner sind Aktien aus den Sektoren Energie und Transport. Auch die gebeutelte Tourismusbranche profitiert von dieser Entwicklung. Schwieriger dürfte dagegen die Lage für Unternehmen aus den Branchen Banken und Öl sein, da der Gegenwind durch niedrige Zinsen anhält und die Energieversorgung immer stärker in Richtung regenerativer Energien umgebaut wird.

Doch nicht jedes Investmenthaus richtet sich an diesen kurzfristigen Trends aus. Der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch hält an seiner Anlagestrategie fest. „Wann es mit der Corona-Pandemie vorbei ist und ob der Konflikt der USA mit China um die globale Hegemonie eskaliert, können wir nicht wissen“, sagt Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran.

Er geht lediglich davon aus, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben werden und die Zentralbanken alles tun werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. „Zudem sind wir überzeugt, dass Qualitätsaktien langfristig deutlich höhere Renditen als Anleihen bringen werden“, sagt Vorndran.

 

Chancen für Anleger

Doch wo finden Anleger besonders gute Chancen? „Weltweit ist erneut ein gutes Abschneiden der asiatischen Börsen inklusive Japan realistisch. Dort sind die Bewertungen im internationalen Vergleich niedrig und das Wachstum hoch“, sagt Jens Ehrhardt.

Zudem ist im asiatisch-pazifischen Raum mit dem Freihandelsabkommen RCEP die größte Freihandelszone der Welt entstanden. In den kommenden 20 Jahren werden in Asien Zölle und andere Handelshemmnisse fallen. „Asien wird als Konsequenz aus der Krise eine neue Führungsrolle an den Märkten übernehmen“, ist auch Roemheld von Fidelity überzeugt.

Bislang wird ein Aufschwung an den Börsen vor allem getragen von US-Technologiewerten. „Sogenannte Value-Aktien, die von einer allgemeinen Wirtschaftsverbesserung profitieren dürften, sollten erhebliches Nachholpotenzial haben“, betont Ehrhardt.

 

Anlagestrategie: Anleihen nur Beiwerk

Bei Anleihen ist auch 2021 eine flexible Anlagestrategie gefragt. Anleihen halten, Coupon kassieren und bis zum Laufzeitende warten, das funktioniert nicht mehr.

„Staatsanleihen der Industrieländer bieten fast keine oder sogar negative Zinsen sowie eindeutig eine schlechtere Absicherung gegenüber künftigen Schocks“, sagt Andrew Jackson, Head of Fixed Income bei Federated Hermes International. Anleihen machen als Depotbeimischung nach wie vor Sinn.

Das gilt auch für Gold. „Ein gewisser Anteil von Gold im Depot ist ein Muss als Versicherung gegen bekannte und unbekannte Risiken am Kapitalmarkt“, betont Vorndran. Auch wenn das Jahr 2021 mit großen Unsicherheiten verbunden ist, stehen die Chancen gut, dass es ein überdurchschnittliches Aktienjahr werden könnte.