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Creditreform

Der Preis für das Edelmetall steigt auf einen Höchstkurs. Ein Ende des Höhenflugs ist nicht in Sicht. Wie Privatanleger in Gold investieren können.

Die Deutschen sind Weltmeister in Sachen Gold. Mit 83 Tonnen in Form von Barren und Münzen haben sie im ersten Halbjahr 2020 mehr Gold gekauft als in jedem anderen Land der Welt. Das entspricht einem Gegenwert von 4,4 Milliarden Euro und bedeutet ein Plus von 120 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Daten des World Gold Council zeigen.

Die Nachfrage war so groß, dass viele Goldhändler die Wünsche ihrer Kunden in den vergangenen Monaten zum Teil nicht erfüllen konnten. Im Vorjahr war China der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold.

In der Corona-Krise sehen viele Anleger im Edelmetall eine attraktive Sachanlage. Die Nachfrage ist stark gestiegen: Eine Feinunze kostete Anfang August erstmals mehr als 2.000 US-Dollar. Viele Anleger bringen damit ihre Zweifel an der Stabilität der Leitwährung zum Ausdruck: „In Verbindung mit Schulden in Rekordhöhe durch die US-Regierung sind echte Bedenken hinsichtlich der Langlebigkeit des US-Dollars als Reservewährung aufgekommen“, sagt Jeff Currie, Global Head of Commodities Research bei Goldman Sachs.

 

Experten beobachten Preisanstieg

„Immer mehr Anleger erkennen, dass der Nullzins von Dauer sein wird, und machen sich Gedanken über mögliche Anlagealternativen. Die expansive Geldpolitik und die ausufernden Staatsausgaben dürften mittelfristig zu einem Comeback der Inflation führen. Bei Anlegern dürfte sich das Bedürfnis erhöhen, Vermögen vor dieser seit langem nicht mehr gekannten Gefahr zu bewahren“, sagt Fondsmanager Bert Flossbach.

Und neben Aktien sind es eben Sachwerte wie Gold, die in diesem Umfeld stark profitieren.

Viele Experten rechnen damit, dass der Preisanstieg keine Eintagsfliege ist. „Wir beobachten ein Erwachen von Goldkäufern in den USA“, sagt John Mulligan vom World Gold Council. Besonders die Nachfrage von institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Vermögensverwaltern sei „außergewöhnlich hoch“.

Die Goldexperten von Goldman Sachs Asset Management nennen als Kursziel für eine Feinunze Gold in zwölf Monaten 2.300 Dollar. Die Bank of America hat jüngst ihre 18-Monats-Prognose auf 3.000 Dollar je Feinunze angehoben.

Anleger können in unterschiedlicher Form in das Edelmetall investieren. Ein direktes Investment ist mit Münzen oder Barren möglich. Sie gibt es in unterschiedlichen Größen von verschiedenen Ländern. Sie eignen sich auch für Anleger, die Wert darauf legen, Gold physisch zu besitzen.

Allerdings verursacht die Lagerung zusätzliche Kosten. Dafür sind Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei.

Eine Alternative sind Zertifikate und Exchange Traded Commodities (ETCs) oder Aktienfonds mit Schwerpunkt auf Goldminenaktien. Gold-ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, die den Preis von Gold eins zu eins abbilden, sind in Deutschland nicht handelbar.

Denn zugelassene Investmentfonds dürfen – anders als in den USA oder der Schweiz – nur maximal 30 Prozent ihres Anlagevolumens in eine einzelne Aktie oder einen Rohstoff investieren.

 

Ausweichen auf Gold-Indexzertifikate

Daher müssen Anleger auf andere Varianten wie Gold-Indexzertifikate ausweichen. Das Zertifikat der Commerzbank (Isin DE000DZ0B880) bildet den Preis von Gold eins zu eins ab und hat keine befristete Laufzeit. Wie bei Zertifikaten üblich, gehen Anleger ein Emittentenrisiko ein. Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer.

Hierzulande sehr beliebt ist auch Xetra-Gold ETC (Isin DE000A0S9GB0). Ein Anteilsschein verbrieft ein Gramm Gold. Anleger können sich Gold statt Geld ausliefern lassen. Rechtlich betrachtet, handelt es sich wie bei einem Zertifikat auch hier um eine Schuldverschreibung. Der Unterschied: Hier wird das Gold für den Anleger aber physisch hinterlegt.

Pläne aus dem Bundesfinanzministerium sorgen jetzt für Unruhe bei Anlegern. Denn die bislang nach zwölf Monaten steuerfreien Investments in Wertpapiere wie Xetra-Gold sollen der Abgeltungsteuer unterliegen, wenn sie einen Auslieferungsanspruch auf das eingelagerte Gold verbriefen. Damit würde die steuerliche Gleichstellung von Xetra-Gold mit Münzen und Barren beendet werden.

 

Alternative: Goldminenaktien

Für Anleger können auch Goldminenaktien eine Alternative sein. „Wenn man sehr sorgfältig leistungsstarke Goldproduzenten auswählen kann, dann könnten Aktien wohl am besten geeignet sein. Aber für Privatanleger ist es schwierig, eine effiziente Auswahl zu treffen“, sagt Didier Saint-Georges, Mitglied des strategischen Investmentkomitees bei Carmignac.

Aktienfonds übernehmen die Auswahl der Goldminenaktien. Unter den aktiv gemanagten Fonds erzielte der Stabilitas Pacific Gold+Metals P (Isin LU0290140358, Rendite 30,4 Prozent p.a. in den vergangenen drei Jahren) ein überdurchschnittliches Ergebnis.

„Welche Form auch immer bevorzugt wird, ein Engagement in Gold ist heute in einem Portfolio rational betrachtet sinnvoll“, sagt Didier Saint-Georges. Ob sich Anleger für Münzen, ETCs, Aktien oder Fonds entscheiden, hängt wie immer von den persönlichen Vorlieben und der Risikobereitschaft ab.