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Creditreform

Liquiditätssicherung war während der Corona-Krise alles. Doch die vergangenen Monate haben an der Zahlungsmoral gezehrt. Wie deutlich Zahlungsziele zum Teil überschritten wurden, zeigt eine Sonderauswertung des Debitorenregisters Deutschland (DRD). Janine Stappen, Leiterin DRD beim Verband der Vereine Creditreform ordnet die Ergebnisse ein:

 

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Frau Stappen, für den Zeitraum Januar bis Mai 2020 haben Sie knapp eine Million überfällige Belege zu etwa 200.000 Unternehmen unter die Lupe genommen. Was hat Sie bei der Sonderauswertung der Corona-Krisenmonate überrascht?

Überrascht hat mich, dass sich das Zahlungsverhalten im März zunächst sogar verbessert hat. Aber die Verbesserung war darin begründet, dass uns für einige Branchen noch große Volumina mit geringen Überfälligkeiten übermittelt wurden. Das war also ein statistischer Effekt, der im weiteren Verlauf mit der Meldung größerer Überfälligkeiten nivelliert wurde. Inzwischen ist in einigen Branchen eine deutliche Trendwende zu erkennen.

 

 

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Erkennen Sie im aktuellen ­Zahlungsverhalten Ähnlichkeiten zu vorherigen Krisen?

Ja, wir haben 2008/2009 das Zahlungsverhalten genau beobachtet und auch damals setzte die Reaktion etwas zeitversetzt ein. Aber die Finanzkrise hat sich ganz klar auf das Zahlungsverhalten, auf Forderungslaufzeiten und auf Überfälligkeiten ausgewirkt. Das konnten wir anhand unserer Daten gut nachvollziehen und ich erwarte einen ähnlichen Effekt auch in den kommenden Monaten.

 

Was können Unternehmen tun, um auf die kriselnde Zahlungsmoral zu reagieren?

Viele haben schon vor der Krise, etwa bei Schlechtzahlern, mit Vorkasse reagiert. Andere warten noch ab. Wir beobachten, dass die vereinbarten Zahlungsziele mit einigen Ausnahmen bisher annähernd gleich bleiben. Und es hängt sehr von der Branche ab, ob eine Veränderung der Zahlungsziele etwas bewirkt. Unternehmen aus dem Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen honorierten längere Wartezeiten in Bezug auf den Ausgleich fälliger Rechnungen. Für Reisebüros wurden die Ziele verkürzt, aber die Verzugstage stiegen. Und andere Branchen wiederum, etwa Verkehr und Logistik, nutzten gleichbleibende oder verlängerte Zahlungsziele als erweiterten Lieferantenkredit. Das heißt, die Außenstandsdauer ist gestiegen.

 

Und was kommt nach der Krise? Wird eine Veränderung bleiben?

Das ist schwer zu sagen, aber die Vergangenheit hat gezeigt: Zahlungsziele und Zahlungsverhalten sind dehnbar.Auch vor der Corona-Krise haben wir zum Beispiel eine Menge Lieferanten gesehen, die sogar Zahlungsziele von 60 Tagen oder mehr einräumen und diese immer wieder anhand unserer Informationen aus dem Debitorenregister anpassen. Je nachdem, welches Zahlungsverhalten ein Kunde bei anderen Lieferanten hat, werden die eigenen Zahlungskonditionen entsprechend verkürzt, um teure Außenstandstage zu vermeiden. Oder aber die Unternehmen versuchen – wenn es die Risiken zulassen – Kunden mit längeren Zahlungszielen zu binden.