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Creditreform

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In jüngster Zeit hat die Finanzrechtsprechung den Werbungskostenabzug für berufsbedingte Zweitwohnungen deutlich erleichtert. Eine Schlappe müssen Immobilienbesitzer jetzt allerdings bei der Vorfälligkeitsentschädigung hinnehmen.

 

Staus auf Autobahnen und endlose Verspätungen im öffentlichen Fernverkehr lassen immer mehr Berufspendler mit einer Wohnung am Beschäftigungsort liebäugeln. Scheidet ein Umzug aus familiären Gründen oder der Berufstätigkeit des Lebenspartners aus, können steuerlich auch die Kosten einer Zweitwohnung am entfernten Beschäftigungsort berücksichtigt werden.

Allerdings nur, wenn der Arbeitnehmer vor Bezug seiner Zweitwohnung am Beschäftigungsort bereits einen eigenen Hausstand hatte oder sich zumindest finanziell an der Haushaltsführung beteiligt hat.

In diesen Fällen erkennen die Finanzämter eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung seit einigen Jahren selbst dann an, wenn der Hauptwohnsitz aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und die bisherige Wohnung am Beschäftigungsort aus beruflichen Gründen als Zweithaushalt genutzt wird.

Beruflich veranlasst ist der Zweithaushalt am Beschäftigungsort, sobald der Arbeitsplatz von dort aus angefahren wird.

 

Unterkunftskosten gedeckelt

Seit 2014 werden die als Werbungskosten abzugsfähigen Unterkunftskosten auf monatlich 1.000 Euro begrenzt. Wird dieser Höchstbetrag nicht ausgeschöpft, ist eine Übertragung auf andere Monate im selben Kalenderjahr zulässig.

Darüber hinaus können auch Arbeitnehmer, die sich eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort teilen, den Höchstbetrag für die tatsächlich von ihnen getragenen Aufwendungen in Anspruch nehmen.

Nach Ansicht der Finanzbehörden (BMF-Schreiben vom 24. Oktober 2014) umfasste der Höchstbetrag dabei sämtliche Aufwendungen wie etwa Miete, Betriebskosten, Reinigungs- und Pflegekosten, Stellplatzkosten, Absetzung für Abnutzung (AfA) für notwendige Einrichtungsgegenstände (ohne Arbeitsmittel) sowie AfA und Schuldzinsen bei im Eigentum des Arbeitnehmers stehenden Zweitunterkünften.

 

Unser Steuer-Experte:

Bernhard Lindgens ist in der Umsatzsteuerbetrugsbekämpfung im Bundeszentralamt für Steuern in Bonn tätig. Zuvor war er im Bundesministerium der Finanzen für verschiedene Projekte in der Steuerfahndung und Betrugsbekämpfung sowie für den Datenzugriff der Finanzbehörden zuständig.

 

Dem widersprach nun kürzlich der Bundesfinanzhof: In seiner Entscheidung vom 4. April 2019 stellte das höchste Finanzgericht klar, dass lediglich die Kaltmiete (bei Eigentum die Abschreibungen und Kreditzinsen) sowie die Nebenkosten unter die Beschränkung fallen.

Dagegen zählen beim Einzug in die Zweitwohnung angefallene Kosten für Tische, Stühle, Bett, Schränke (nur die Jahres-AfA), Lampen, Gardinen, Geschirr nicht zu den Aufwendungen für die Nutzung der Zweitunterkunft – und seien deshalb zusätzlich zum Höchstbetrag von 1.000 Euro absetzbar.

Gleiches gilt bei teil- oder vollmöblierten Wohnungen: Hier ist der auf die Möblierung entfallende Mietanteil als Einrichtungskosten ebenfalls ohne Begrenzung abziehbar.

 

Vorfälligkeitsentschädigung nicht abzugsfähig

Weniger Glück hatte dagegen ein Kläger beim versuchten Werbungskostenabzug einer Vorfälligkeitsentschädigung. Diese hatte seine Bank für die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehens beim Verkauf seiner Wohnung am Beschäftigungsort in Rechnung gestellt (Urteil vom 3. April 2019).

In diesem Fall waren die BFH-Richter der Ansicht, dass es sich bei der Vorfälligkeitsentschädigung keineswegs um Mehraufwendungen aufgrund der beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung handele, sondern um eine Folge der Änderung des ursprünglichen Darlehensvertrags.

Aus diesem Grund ordneten die Richter die Entschädigung dem Veräußerungsgeschäft zu und nicht den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit.

 

Rechtsgrundlagen

§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 4 EStG: Begrenzung der Unterkunftskosten für eine doppelte Haushaltsführung im Inland

BMF-Schreiben vom 24. Oktober 2014 (Az.: IV C 5 – S 2353/14/­10002) zur Reform des steuerlichen  Reisekostenrechts ab 1. Januar 2014 und der Abzugsfähigkeit von Unterkunftskosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung

BFH-Entscheidung vom 4. April 2019 (Az.: VI R 18/17) zur Abziehbarkeit von Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände und Hausrat im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung

BFH-Entscheidung vom 3. April 2019 (Az.: VI R 15/17) zum Werbungskostenabzug einer Vorfälligkeitsentschädigung bei Verkauf der Zweitwohnung am Beschäftigungsort anlässlich der Beendigung einer doppelten Haushaltsführung