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Creditreform

© Chris Liverani/Unsplash

Im Zinstief sind alternative Anlagen gefragt. Eine Möglichkeit sind Ackerflächen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln. Worauf es bei Investments ankommt.

 

Viele Menschen hegen den Traum, sich selbst zu versorgen. Eigene Anbauflächen machen das möglich. Für die interessieren sich aber zunehmend auch Anleger.

Im Zinstief steigt das Interesse an Sachanlagen. Sie bieten einen Schutz vor Inflation, mit deren Rückkehr viele Experten langfristig rechnen.

In diesem Umfeld können neben Aktien, Gold oder Immobilien auch Ackerflächen eine Alternative sein, erklärt Dirk Rüttgers, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Do Investment AG in München:

„Sie bieten bei richtiger Auswahl ein hohes Maß an Stabilität und neben Schutz vor Inflation auch Chancen auf Wertsteigerungen. Sie können in einem breit diversifizierten Portfolio einen Anteil von fünf Prozent aus­machen.“

Wer in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland Ackerland erworben hat, kann sich freuen.

Von 2009 bis 2019 stieg der Preis für einen Hek­tar Ackerland im Schnitt von 10.908 Euro auf 25.485 Euro, berichtet das Statistische Bundesamt. Das entspricht einem Plus von 133 Prozent.

 

Weltweit steigende Preise

Der Trend zu steigenden Preisen für Agrarflächen lässt sich weltweit beobachten. Ein Grund dafür: Die Anbauflächen gehen weltweit zurück.

Gab es in den 1960er-Jahren im Schnitt noch 0,37 Hektar Ackerfläche pro Einwohner, hat sich die Fläche halbiert. In Deutschland ging die zur Verfügung stehende Anbaufläche seit 1993 um 1,2 Millionen Hek­tar zurück.

Gleichzeitig wächst aber weltweit der Bedarf an Nahrungsmitteln. Das liegt nicht nur an der steigenden Zahl der Menschen, sondern auch an der wachsenden Mittelschicht in Ländern wie China oder Indien, wo die Fleischnachfrage stark steigt.

Eine Möglichkeit, in Ackerland zu investieren, sind Sale-and-Lease-Back-Verträge: Dabei verkauft ein Landwirt sein Land an einen Investor und pachtet dieses wieder zurück.

Beim Kauf von einem Hektar, also 10.000 Quadratmetern, bezahlt er sechs Euro pro Quadratmeter, insgesamt also 60.000 Euro.

Bei einer jährlichen Pacht von 1.000 Euro beträgt die jährliche Rendite 1,7 Prozent. Anders als beim Wald hat der Investor keine Kosten für die Instandhaltung, weil Haftung und Pflege auf den Pächter übergehen.

Der Anleger kann, ohne etwas zu tun, von Wertsteigerungen des Landes profitieren.

Der Markt für Ackerflächen ist sehr fragmentiert: „Das Problem ist der Zugang zu den Flächen“, sagt Vermögensverwalter Rüttgers.

Er investiert schon seit 15 Jahren in Agrarflächen und hält Ackerland in Deutschland für überteuert, wo gute Flächen eben 40.000 bis 60.000 Euro pro Hektar kosten.

Mehr Chancen bieten aus seiner Sicht Schwellenländer: „In ausgewählten Ländern kosten gute Flächen ein Achtel bis ein Zehntel der Preise in Deutschland. Hier finden wir ein deutlich attraktiveres Preis-Leistungs-Verhältnis.“

 

Rahmenbedingungen beachten

Der Anlageerfolg hängt stark von der Länderauswahl ab. Vor allem die Eigentumsrechte von Investoren müssen gewahrt sein. Ein intaktes Rechtssystem ist die Basis.

Als Mitglied der EU bietet etwa Rumänien Rechtssicherheit und ein funktionierendes Grundbuchsystem. „Die Preise von 5.000 bis 7.000 Euro pro Hektar sind noch günstig“, sagt Rüttgers.

In den vergangenen Jahren sind in Osteuropa die Preise zwar stark gestiegen, doch im Vergleich zu Deutschland sei das Potenzial immer noch groß.

Rüttgers wird im Auftrag seiner Kunden auch in Südamerika fündig: „Uruguay ist das einzige Land Lateinamerikas, das für uns investierbar ist. Es verfügt über ein Grundbuch nach spanischem Vorbild und bietet Investoren Rechtssicherheit.“

Die Rahmenbedingungen in Brasilien, Chile oder Argentinien seien deutlich schlechter. Vor einem Investment analysiert ein Expertenteam über mehrere Jahre die Rahmenbedingungen vor Ort.

Do Investment bewirtschaftet die Flächen nicht selbst, sondern arbeitet mit lokalen Pächtern zusammen.

Know-how vor Ort ist wichtig für den Erfolg: So ist zum Beispiel in Rumänien der Markt kleinteilig, die Anzahl der Pächter groß, entsprechend groß ist der organisatorische Aufwand.

„Wir haben ein spezialisiertes Team vor Ort, das sich um das Pachtmanagement kümmert“, erklärt Rüttgers.

Agrarfonds, die in Ackerland investieren, streben eine jährliche Gesamt­rendite von sieben bis neun Prozent an.

Davon gehen drei Prozentpunkte auf die Pacht zurück, der Großteil der Rendite stammt aus dem Wertzuwachs des Ackerlands.

Doch Anleger brauchen einen langen Atem. Sie müssen mindestens zehn Jahre investiert sein und können erst dann Anteile verkaufen.

Für Anleger können auch Aktienfonds eine Alternative sein, die in Unternehmen aus dem Landwirtschaftssektor investieren.

Wie der Aktienfonds Pictet Nutrition (ISIN LU0366534344). Unter den größten Positionen finden sich die Lebensmittelhersteller Danone und Nestlé.

Der Fonds investiert aber auch in Unternehmen aus den Sektoren Agrartechnik oder Logistik. Die Rendite lag in den vergangenen drei Jahren bei 6,9 Prozent per annum.

Als Beimischung fürs Depot kann solch ein Investment eine gute Ergänzung sein.