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Creditreform

Vorwiegend ökonomische Auslöser wie Arbeitslosigkeit haben in den letzten Jahren auf Grund der stabilen Konjunktur in Deutschland, zumindest vorläufig, an Bedeutung verloren: Ihre Anteile als Hauptüberschuldungsgründe verringern sich deutlich. Umgekehrt haben die Gründe „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ und der Auslöser „Krankheit“ spürbar zugenommen. In einer Gesamtsicht ist der Analyse des aktuellen iff-Überschuldungsreport 2013 zuzustimmen, die sich gegen eine vereinfachende individuelle Verantwortungszuweisung wendet: Überschuldung in Deutschland sei „überwiegend nicht das Resultat einer vorwerfbaren Lebensführung, sondern Folge kritischer Lebensereignisse bei Menschen, die auf Grund ihrer beruflichen Qualifikation und ihrer sonstigen Lebensumstände schlechter als andere in der Lage sind, mit solchen Ereignissen fertig zu werden.“

Diese Einschätzung hat auch bei der Untersuchung einer besonders überschuldungsgefährdeten Personengruppe ihre Bedeutung. Alleinerziehende Frauen und Männer sind durch ihre spezifische Lage oft nicht in der Lage, Haushaltsausgaben und -einnahmen in Einklang zu bringen. Sie geraten überdurchschnittlich oft durch eine Scheidung, Trennung oder durch den Tod des Partners (eher männliche Alleinerziehende) in Überschuldungsprozesse. Zudem führt offensichtlich auch die Haushaltsgründung nach der Geburt eines Kindes oder die Geburt des Kindes selber (eher weibliche Alleinerziehende) zu Zahlungsverzug und nachhaltigen Zahlungsstörungen.

Bei der Beurteilung der Überschuldungsauslöser Scheidung, Trennung ist allerdings nicht immer genau zu klären, ob die Trennung der Partnerschaft Auslöser für eine Überschuldungsentwicklung oder ob die zunehmende Überschuldung Auslöser für die Auflösung der Partnerschaft war. Generell ist davon auszugehen, dass Alleinerziehende, die Trennung als Hauptauslöser für einen Überschuldungsprozess angeben, nicht nur Schulden aus der aktuellen Trennung aufweisen, sondern meist auch noch Altschulden aus der alten Paarbeziehung. Sie sind ein weiterer Hemmschuh, um die (neue) Überschuldungslage zu überwinden.

Zudem muss angemerkt werden, dass der Überschuldungsauslöser Arbeitslosigkeit bei Alleinerziehenden nur eine eher untergeordnete Rolle spielt. Alleinerziehende haben vielmehr in Folge ihres Status bei einer (erneuten) Arbeitssuche mit „Einstellungsdiskriminierungen“ (Sigune Wieland, 2012) zu rechnen, die eine Erwerbstätigkeit zur finanziellen Konsolidierung oft von vorne herein verhindern.

Alleinerziehende mit höheren Schulden

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2012 rund 2,7 Millionen Menschen als alleinerziehend eingestuft. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen (87 Prozent; 2,34 Millionen) und rund 13 Prozent sind Männer (0,35 Millionen). Nach überschlägigen Berechnungen können rund eine Million Alleinerziehende als überschuldet oder nachhaltig zahlungsgestört eingestuft werden. Die spezifische Schuldnerquote für Alleinerziehende beträgt somit rund 38 Prozent. Bei weiblichen Alleinerziehenden beträgt die Schuldnerquote rund 39 Prozent (0,92 Millionen Überschuldungsfälle). Bei männlichen Alleinerziehenden liegt die Schuldnerquote bei etwa 30 Prozent mit rund 110.000 Betroffenen.

Auffällig: Die durchschnittlichen Schuldensummen sind bei Alleinerziehenden (2012: 38.000 Euro) zum Teil deutlich höher als bei den „Normalschuldnern“ (33.700 Euro; Abweichung: + 13 Prozent). Bei alleinerziehenden Männern liegen die entsprechenden Werte nochmals deutlich höher (2012: 49.700 Euro; + 32 Prozent). Dies lag 2012 nach den Analysen des Statistischen Bundesamtes an überdurchschnittlich hohen Schulden bei öffentlichen Gläubigern, Vermietern und Versandhäusern. Generell spielen auch Forderungen vom Finanzamt eine große Rolle bei der Einordnung der geschlechtsspezifischen Überschuldungsbetroffenheit. Insgesamt weist das Schuldenvolumen von Alleinerziehenden in Deutschland derzeit eine Höhe von etwa 30 Milliarden Euro auf. Zum Vergleich: Das Gesamtvolumen aller Überschuldeten in Deutschland betrug 2012 etwa 223 Milliarden Euro.