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Creditreform

Viele der rund 20.000 Stiftungen in Deutschland haben derzeit ein Finanzierungsproblem: Die anhaltend niedrigen Zinsen lassen ihre Renditen zusammenschnurren. Welche Kapitalquellen jetzt infrage kommen. 

Was macht ein Anleger, wenn er für sein Geld kaum Zinsen bekommt? Er schaut sich nach alternativen Investments um. Genauso wird derzeit in Deutschlands Stiftungen verfahren. Viele der existierenden 20.150 Institutionen bürgerlichen Rechts befinden sich nämlich in finanziellen Nöten. Zwar wird ihr Gesamtvermögen auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt. Doch nun haben sich ihre Einnahmen aus der Anlage ihres Kapitals verringert: Eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Stiftungen (BVDS) ergab, dass die Rendite durchschnittlich nur noch bei drei Prozent liegt. Wurden bisher jährlich zusammen rund 17 Milliarden Euro für gemeinnützige Projekte ausgegeben, könnte sich diese Summe 2014 wohl deutlich reduzieren.

Realrenditen schrumpfen

Schuld an der Misere ist das niedrige Zinsniveau. Laut BVDS richten viele Stiftungen deshalb ihre Vermögensverwaltungen neu aus. Ein Trend, der dabei zu beobachten ist, ist das Streben nach Kooperationen. So tun sich mehrere kleinere Stiftungen mit relativ geringem Stiftungskapital von 50.000 oder 100.000 Euro zusammen und investieren gemeinsam. Der Hintergrund: Mit größeren Investitionssummen ergeben sich weitere, lukrativere Anlagemöglichkeiten. Dazu gehören etwa Immobilienbeteiligungen oder Investments in erneuerbare Energien. Außerdem ist eine breitere Streuung des Kapitals und folglich auch des Anlagerisikos möglich.

Neue Wege geht auch die Heinz Sielmann Stiftung, die sich dem Naturschutz verschrieben hat. In Brandenburg hat die Stiftung mehr als 12.000 Hektar Land erworben. Sie hat darauf alte Truppenübungsplätze für die zivile Nutzung renaturiert. Solche Projekte finanziert Vorstand Michael Beier aus den Erträgen des Stiftungskapitals von rund acht Millionen Euro sowie den 16 Millionen an Spenden und Zustiftungen. Die Gelder hat er je zur Hälfte in Unternehmensanleihen und Aktien mit dem Fokus auf Dividendentitel investiert. „Hier setzen wir auf ETFs, börsengehandelte Indexfonds, weil sie nur geringe Kosten verursachen und das Risiko durch die breite Streuung relativ gering ist“, sagt Beier. Das Ergebnis: eine Rendite von 7,7 Prozent nach Kosten im letzten Jahr.

Auf eine einzige Sachwertekarte setzt dagegen die Körber-Stiftung. Während sie in der Vergangenheit ihr Vermögen von rund 220 Millionen Euro auf mehrere Assetklassen verteilte, hat sie inzwischen komplett auf Immobilien umgeschichtet. Vier Wohn- und Büroimmobilien nennt die Stiftung inzwischen ihr Eigen, an vier weiteren Kontorhäusern sind die Hamburger beteiligt. Die Renditen passen: „Wir erwarten zwischen vier und sieben Prozent im Jahr“, gibt sich Oke Petersen, Leiter Vermögen und Verwaltung, bescheiden.

Anlagen ausrichten

Rendite, Sicherheit und Liquidität – in diesem für Stiftungen klassischen magischen Dreieck bewegen sich die Institutionen, um die Vorgaben der Satzung und den Stiftungszweck zu erfüllen. Wie dieser bereits bei der Kapitalanlage erfüllt werden kann, zeigt der Mission-Investing-Ansatz. Hierbei wird das Geld nicht in x-beliebigen Anleihen, Aktien oder Fondsbeteiligungen angelegt, sondern mit dem eigentlichen Stiftungszweck in Einklang gebracht.

Wie diese Methode funktioniert, erläutert Hans Fleisch vom BVDS: „Eine Sozialstiftung kann etwa für den Ausbau eines Pflegeheims ein verzinsliches Darlehen geben.“ So kann die Stiftung ihr Kapital doppelt wirken lassen: Zum einen erzielt sie eine marktübliche Verzinsung und zum anderen eine Gemeinwohlwirkung.

Diese Hebelwirkung nutzt auch die Social Business Stiftung des ehemaligen Unilever-Managers Gerhard Bissinger. Sie engagiert sich überwiegend in Entwicklungsländern: Gefördert wird vor Ort indirekt die Vergabe von Mikrokrediten und Versicherungen. Zudem wird den Menschen durch Schulungen und Trainings Hilfe zur Selbsthilfe geboten. Bei Modellen wie diesem geht es immer um die Überwindung eines sozialen oder ökologischen Problems. Nicht die Gewinnmaximierung steht im Mittelpunkt, sondern die Deckung der Kosten. So wird aus dem magischen Dreieck beim Mission-Investing dank des Aspekts Nachhaltigkeit ein magisches Viereck.

Für die eher kleineren Stiftungen wie die von Bissinger ist der Schritt hin zu mehr Professionalität bei der Kapitalanlage das wichtigste Gebot der Stunde. Die Deutsche Stiftungsakademie (www.stiftungsakademie.de) bietet hierfür Zertifizierungslehrgänge zum Stiftungsmanager und Stiftungsberater an. Wer sich das nötige Know-how nicht aneignen kann oder will, dem bleiben externe Honorarberater, die das Vermögenscontrolling übernehmen, die Anlagerichtlinien der Stiftung auf den Prüfstand stellen und die Interessen der Stiftung gegenüber Versicherungen und Finanzdienstleistern vertreten – gegen entsprechendes Entgelt selbstverständlich. Kleineren Stiftungen bleiben da aber oft nur ehrenamtliche Berater.

Ob für einen guten Zweck oder zur Regelung der Firmennachfolge: Stiftungen sind auch für mittelständische Unternehmen eine interessante Alternative. So gelingt der Einstieg:

1. Entwerfen Sie zusammen mit einem erfahrenen Berater die Satzung und legen Sie den Stiftungszweck schriftlich fest. Wichtig: Nicht nur der Stifterwille, sondern auch zahlreiche Formvorschriften und andere Anforderungen müssen erfüllt werden – zum Beispiel um eine Steuerbegünstigung zu erzielen (§§ 51 ff der Abgabenordnung, AO).

2. Stimmen Sie die Entwürfe mit der zuständigen Stiftungsaufsicht und dem zuständigen Finanzamt ab.

3. Reichen Sie die erstellten Schriftstücke bei der Stiftungsaufsicht mit dem Antrag auf Anerkennung ein.

4. Das zuständige Finanzamt erteilt auf Antrag eine Steuernummer und erlässt – ebenfalls auf Antrag – einen Bescheid über die gesonderte Feststellung der Einhaltung der satzungsmäßigen Voraussetzung (§ 60a der AO).

5. Sind alle Anträge positiv beschieden, muss das Stiftungskapital einbezahlt beziehungsweise das Vermögen wie vorgesehen auf die Stiftung übertragen werden. Weitere Informationen sowie Service- und Beratungsangebote finden Sie auf der Website des Bundesverbands Deutscher Stiftungen: www.stiftungen.org