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Creditreform

Wie gut kommt der Mittelstand derzeit an Kredit – und worauf sollten sich Firmenchefs in diesem Jahr einstellen? Die befragten Chefvolkswirte zeichnen ein unterschiedliches Bild der aktuellen Lage, geben Unternehmern aber wertvolle Tipps auch für schlechteres Wetter.

 

Jörg Zeuner © KfW Bildarchiv / Gaby Gerster

Jörg Zeuner © KfW Bildarchiv / Gaby Gerster

Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe
Eigenmittel bleiben zwar quantitativ die wichtigste Finanzierungsquelle – und die Rücklagen der Mittelständler dürften dank deren ungebrochen hoher Profitabilität weiter zulegen. Allerdings haben die expansive Geldpolitik und die Konjunkturbelebung auch die Kreditnachfrage belebt: Zuletzt haben deutlich mehr Unternehmer Kreditgespräche gesucht als in den vergangenen Jahren – und das Kreditvolumen, um das es geht, zieht endlich wieder an. Auch bei der Investitionsfinanzierung nimmt die Bedeutung des Bankkredits leicht zu – er ist und bleibt damit die wichtigste externe Finanzierungsquelle. Das Nachfrageplus trifft dabei auf ein gutes Angebot: Zwei Drittel aller Kreditverhandlungen verlaufen erfolgreich. Allerdings gibt es nach wie vor strukturelle Probleme: Kleine Mittelständler sowie junge und innovative Firmen kommen noch immer schlechter an Kredit.

 

Lutz Diederichs © HVB – UniCredit

Lutz Diederichs © HVB – UniCredit

Lutz Diederichs, Hypovereinsbank
Zwar nimmt die Investitionsbereitschaft im Mittelstand langsam zu – doch noch sind die Hälfte dieser Projekte Ersatzinvestitionen. Passend dazu stagniert die Kreditnachfrage schon im sechsten Jahr! Doch durch Produktinnovationen und Digitalisierung entsteht zusätzliches Innovationspotenzial – und damit auch im Mittelstand mehr Finanzierungsbedarf. Um den zu decken, rate ich Firmenchefs: Lassen Sie sich von Ihrer Bank bei Ihrer unternehmerischen Tätigkeit vorausschauend und auf Augenhöhe beraten. Dabei zählen nicht nur der Preis, sondern auch Kompetenz und Kontinuität – sei es bei Trade Finance, bei Finanzierungs- und Kreditlösungen, auf internationalen Märkten oder bei Hedging-Strategien. Individuelle Situationen verlangen nach maßgeschneiderten Lösungen.

 

• Die große Bankenumfrage • Konjunkturprognosen und Mittelstandsfinanzierung
Was sind die Wachstumstreiber im neuen Jahr – und auf welche Teuerungsraten, Wechselkurse und Finanzierungsbedingungen müssen sich Unternehmer 2016 einstellen? Zum 16. Mal in Folge hat das Creditreform-Magazin die Chefvolkswirte in Deutschlands Banken befragt.
1. Wir wachsen kräftiger als Euroland
2. Niedrigzins und weicher Euro
3. Wolken am Kredithimmel

 

Martin Keller © Commerzbank

Martin Keller © Commerzbank

Martin Keller, Commerzbank
Mein strategischer Rat an Unternehmer lautet in diesen Tagen generell: Werden Sie vom Beobachter der digitalen Entwicklung zu deren Treiber! Für die Finanzierung heißt das: Firmenchefs sollten die derzeit gute Liquiditäts- und Geschäftslage nutzen, um beherzt in die Digitalisierung ihres Geschäftsmodells zu investieren. Nehmen Sie hierfür auch öffentliche Fördermittel für Forschung, Entwicklung und Innovation in Anspruch. Auch für die Entwicklungskosten neuer Produkte und Prozesse sind Finanzierungshilfen derzeit leicht erhältlich. Eine gute Hausbank begleitet ihre mittelständischen Kunden bei solchen Investitionen auch weltweit über Tochtergesellschaften durch zinsgünstige Mittel und Haftungsübernahmen.

 

Andreas Bley © BVR

Andreas Bley © BVR

Andreas Bley, Volksbanken und Raiffeisenbanken
Noch ist die Finanzierungslage sehr günstig. Zieht man die Ifo-Kredithürde zurate, die seit 2003 erhoben wird, dann war der Zugang zu Krediten in dieser Zeit noch nie so leicht wie aktuell. Das ist auch ein Verdienst der Unternehmer, die ihre Eigenkapitalbasis immer weiter stärken und heute deutlich solider finanziert sind als noch zur Jahrtausendwende. Ob uns diese günstige Finanzierungslage aber erhalten bleibt, bezweifele ich. Denn im Zuge der Bankenregulierung kommen auf die Institute viele Maßnahmen zu, die längerfristig die Kreditkosten verschlechtern. Neben höheren Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften im Rahmen von Basel III denke ich dabei auch an die neuen statistischen Meldepflichten, welche die Kostenlast der Banken erhöhen. Dieser Druck dürfte besonders dann zum Tragen kommen, wenn sich die Geldpolitik wieder normalisiert.