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Creditreform

 

„Keine Pauschallösung“
Stefan Neumer, Geschäftsführer des bAV-Beratungsunternehmens Consulio Consulting GmbH aus München, über willige Chefs, unwillige Mitarbeiter und eingedämmte Haftungsrisiken.

Wo drückt der Schuh bei der bAV: Machen die Beschäftigten von ihrem Rechtsanspruch zu selten Gebrauch oder mauern die Chefs?
Nach unserer Erfahrung stehen nahezu alle Arbeitgeber der Einführung einer bAV in ihrem Unternehmen offen gegenüber, wenn man ihnen deren Vorzüge für sie selbst und ihre Belegschaft fachmännisch aufzeigt, attraktive Konzepte wählt und diese auch offensiv kommuniziert. Die mangelnde Verbreitung der bAV im deutschen Mittelstand hat ihren Hauptgrund also im Zögern der Arbeitnehmer.

Stefan Neumer © privat

Stefan Neumer © privat

Wie erklären Sie sich das?
Neben der Unkenntnis des Rechts auf Entgeltumwandlung könnte es am Unwillen liegen, sich überhaupt mit dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen, oder auch schlicht an zu geringen Einkommen, um eine Entgeltumwandlung abschließen zu können. Aufgrund der Niedrigzinsphase schwindet das Vertrauen in die Ertragskraft der klassischen Tarife der Lebensversicherer, obwohl das Bedürfnis nach Rendite und Garantien der Versorgungsberechtigten unverändert groß geblieben ist.

Gibt es die eine bAV-Lösung für den typischen Mittelständler?
Die Einführung einer bAV ist immer individuell mit dem jeweiligen Unternehmen abzustimmen, sodass sich Pauschallösungen verbieten. Es können jedoch generelle Empfehlungen ausgesprochen werden, die eine Minimierung der Haftungsrisiken des Arbeitgebers bewirken.

Welche sind das?
Zunächst sollte durch die Einrichtung einer Versorgungsordnung als Bauplan der bAV ein einheitlicher und strukturierter Rahmen geschaffen werden, der dann haftungssicher auszufüllen ist: So bietet sich als Durchführungsweg die Direktversicherung mit klassischer Kapitalanlage als reine Altersleistung an, mit Begrenzung des Umwandlungsbeitrags auf maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Zudem sollte die Zusage in Form der „beitragsorientierten Leistungszusage“ erfolgen, um bei Ausscheiden des Arbeitnehmers das sogenannte versicherungsvertragliche Verfahren zu ermöglichen. Durch dieses kann der Arbeitnehmer die Direktversicherung auf sich privat übertragen und die Firma die Haftung auf den Wert des Versicherungsvertrags begrenzen. Schließlich sollte eine gewünschte Weitergabe der Sozialabgabenersparnis des Arbeitgebers in Form fester Eurobeiträge und nicht prozentual erfolgen – zum Beispiel 20 Euro Arbeitgeberzuschuss bei 100 Euro Umwandlungsbeitrag. So wird der Aufwand für die Lohnbuchhaltung minimiert.