Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Von Gerd Zimmermann

Wenn Berthold Noll, Projektmanager beim Versicherer HDI-Gerling Leben, nach einem Musterbeispiel für erfolgreiche bAV-Einführung gefragt wird, fällt ihm als allererstes der mittelständische Kfz-Zulieferer Kamax in Homberg ein: „Das Familienunternehmen unterstützt seine 1.500 Mitarbeiter bei der Umwandlung der Vermögenswirksamen Leistungen in eine bAV und gibt den Mitarbeitern einen Zuschuss, die sich mit einem Eigenbeitrag am Aufbau ihrer Betriebsrente beteiligen“, erklärt der Versicherungsexperte. Dieser Eigenbeitrag werde vom Bruttogehalt abgeführt und sei damit frei von Sozial- und Steuerabgaben. So profitiere zugleich auch der Arbeitgeber, der für seinen freiwillig geleisteten Vorsorgezuschuss nicht in die Tasche zu greifen brauche – stattdessen werde der Zuschuss aus den Ersparnissen bei den Gehaltsnebenkosten finanziert. „Auf diese Weise konnten wir die Teilnahmequote an unserer bAV von zwei auf mehr als 40 Prozent steigern“, berichtet der Personalchef der Kamax-Werke, Udo Dippel.

Dass so viele Arbeitnehmer noch zögern, verwundert Demografie-Experten und Versicherungsanbieter gleichermaßen: Denn beträgt das Rentenniveau vor Steuern abzüglich Sozialabgaben derzeit noch 51 Prozent, wird es bis 2030 auf 43 Prozent sinken. Ein Rentner, der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und entsprechend Beiträge in die Rentenkasse bezahlt hat, erhält dann nur noch 43 Prozent des Durchschnittsverdiensts. „Heute muss ein Versicherter 27 Jahre lang mindestens durchschnittlich verdienen, um später wenigstens 686 Euro Rente im Monat zu erhalten“, warnt „Stiftung Finanztest“. Künftig werde es „noch schwieriger auf eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu kommen“.

bAV gilt da quer durch alle Interessensgruppen als attraktives Gegenmittel: Den Spareffekt der Entgeltumwandlung – Teile des Bruttogehalts fließen in die bAV – verdeutlicht ein Rechenbeispiel aus dem Bundesarbeitsministerium: Wer ein Nettogehalt von 1.650 Euro hat, der bekommt, wenn er 100 Euro vom Bruttogehalt für die firmenspezifische Altersvorsorge abzwackt, tatsächlich 1.600 Euro netto ausbezahlt – also nur 50 Euro weniger als zuvor. Bruttosparen heißt hier: Die 100 Euro fließen komplett in die Absicherung und werden verzinst, Abzüge für Sozialabgaben und Steuer fallen nicht an. Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, die von der gesetzlichen Rentenversicherung vorgegeben ist, lassen sich so fürs Alter zurücklegen. Für dieses Jahr sind das exakt 2.784 Euro. Zudem können noch 1.800 Euro steuerfrei einbezahlt werden. Für weitere mögliche Vorsorgeeinzahlungen sind alle Gehaltsnebenkosten in vollem Umfang fällig. Wird die Betriebsrente ausbezahlt – auf Wunsch kann das Kapital auch komplett ausbezahlt werden -, fallen Sozial- und Steuerabgaben an. Doch die Belastungen dürften im Vergleich zur aktiven Berufszeit geringer ausfallen. Der Rentenbezug ist vom 62. Lebensjahr an möglich.

4.500 Euro – steuerfrei

Laut einer Gothaer-Statistik verfügen im Bundesgebiet von drei Beschäftigten zwei über einen bAV-Vertrag. Besonders die Mitarbeiter in Großunternehmen halten den Schnitt hoch. Bei KMU sieht Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen allerdings „noch viel Luft nach oben“. Genaueres kommt von der Ergo-Versicherungsgruppe: Bei Unternehmen bis 1.500 Mitarbeiter liegt die Abschlussquote bei 34 Prozent. Und bei Betrieben bis 500 Beschäftigte hat nur jeder vierte eine betriebliche Altersabsicherung für sich vereinbart. Generell sei festzustellen: Je kleiner der Betrieb, desto größer der Nachholbedarf. Nicolai Engel, Leiter Leben Produktmarketing bei der Gothaer, kennt die Gründe für die Zurückhaltung. Zum einen engagierten sich Arbeitgeber zu wenig – trotz des gesetzlichen Mitarbeiteranspruchs auf eine Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung. Sie fürchten den bürokratischen Aufwand und zusätzliche Kosten. Zum anderen fehle es bei Arbeitgebern und -nehmern an Wissen.

Und von jenen, die sich mit dem Thema beschäftigen, stießen nicht wenige an ihre Verständnisgrenzen. Letzteres beobachtet auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Seine Experten nennen noch dazu einen anderen Grund: Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise hätten bei den Unter-30-Jährigen den Eindruck entstehen lassen, langfristiges Sparen lohne nicht mehr. Indiz hierfür seien auch die niedrigen Zinsen und realistischen Renditen. Dennoch: Auch für das Altersvorsorge-Institut ist bAV „unverzichtbar für ein geruhsames Rentnerleben“. Fünf Durchführungswege stehen zur Verfügung:

  • Direktversicherung
  • Pensionskasse
  • Pensionsfonds
  • Unterstützungskasse
  • Pensionszusage

Worin und wodurch sich diese Wege genau unterscheiden, haben wir Online für Sie in einer Tabelle aufbereitet (siehe Web-Service). Alle Wege lassen sich miteinander kombinieren, Arbeitgeber können sich für mehrere Wege gleichzeitig entscheiden. Manchmal wird auch die Gesellschafter-Geschäftsführer-Versorgung als bAV-Durchführungsweg bezeichnet, was aber nicht zutrifft – denn sie ist eine Kombination von Direktversicherung und Pensionszusage zur individuellen Altersvorsorge eines Geschäftsführers.

Durchführungswege kombinieren


Und unser Musterbeispiel? „In Gruppenverträgen mit HDI-Gerling nutzen wir eine Direktversicherung und eine Pensionskasse“, erzählt Kamax-Personaler Udo Dippel. Doch auch die Kombination von Direktversicherung und Riester-Förderung ist möglich. Das heißt für Arbeitnehmer: nochmals 2.100 Euro steuerfrei sparen. Und pro Kind gibt es zusätzlich 185 Euro staatliche Zulage, für ein Kind mit Geburtsdatum nach 2007 sind es 300 Euro. Darüber hinaus können Leistungsergänzungen zur Betriebsvorsorge vereinbart werden: der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung etwa oder eine Hinterbliebenenabsicherung. Der Arbeitgeber entscheidet, mit welchem bAV-Anbieter welcher Vertrag geschlossen wird – und diese buhlen verstärkt um Firmenkunden im Mittelstand.

Damit mehr KMU die Vorteile der bAV für sich und ihre Mitarbeiter nutzen, haben die Versicherer ihr Serviceangebot ausgebaut. Tenor: Alle Durchführungswege, Kombinationen und Zusatzversicherungen maßgeschneidert aus einer Hand. Die R+V Versicherung wirbt mit: „Wir bereiten den Weg für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor, bieten passende, steuerlich interessante Formen der betrieblichen Altersversorgung an und helfen bei der Einrichtung und Umsetzung im Betrieb mit.“ Die Zurich Versicherungsgruppe bietet an: „Eine individuelle Altersvorsorgelösung für Unternehmen und Mitarbeiter und die Abwicklung über externe Vorsorgeträger.“

Der erste Serviceschritt der Versicherer im Dienste des Firmenkunden ist die Bildung eines Teams und einer zentralen Koordinations- und Informationsstelle für die Beratung, Planung, Installation und laufende Betreuung der bAV. Zu den einzelnen Serviceleistungen gehören: Überprüfung und Optimierung bestehender und Einrichtung neuer Versorgungswerke, individuelle Versorgungsmodelle für bestimmte Zielgruppen, etwa die Führungskräfte. Weiter: Informationsveranstaltungen auch zu den Themen Riester Rente und Vermögenswirksame Leistungen, Unterstützung der Personalabteilung, Durchführung von Einzelberatungen, Installation einer Service-Hotline, Informationen zu Änderungen von Rahmendaten, zum Beispiel Gesetze oder Versicherungsbedingungen, sowie Mitarbeiterbetreuung bei persönlichen Veränderungen wie Arbeitgeberwechsel.

HDI-Gerling verspricht: „Keine Beratungsprozesse, die sich über Monate hinziehen.“ Wie Kunde Udo Dippel zu berichten weiß, beinhaltet das durchaus auch unkonventionelle Arbeitszeiten: „Unsere Mitarbeiter wurden von den Versicherungsexperten sogar während Nachtschichten über die Chancen der betrieblichen Altersvorsorge informiert.“

bAV: Wie Chef und Mitarbeiter profitieren

Vorteile Arbeitgeber Vorteile Arbeitnehmer

Motivation ohne Zusatzkosten: Gesparte Lohnnebenkosten lassen sich als kostenneutraler bAV-Zuschuss nutzen
Employer Branding: Vorteile bei Personalsuche und -motivation durch attraktives bAV-Angebot
Imagegewinn: bAV zeugt von sozialer Verantwortung

Vorteile Arbeitnehmer

Flexible Beitragsgestaltung: Beiträge lassen sich vom Arbeitnehmer (durch Entgeltumwandlung), vom Arbeitgeber oder von beiden finanzieren
Entgeltumwandlung: Selbst wenn nur der Arbeitnehmer einzahlt, wirkt sich nur die Hälfte der Beiträge auf seinen Nettolohn aus.
Flexibilität beim Jobwechsel: Bestehende bAV-Verträge, etwa Direktversicherungen, lassen sich problemlos zum neuen Chef mitnehmen.