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Mit einer privaten Krankenzusatzversicherung profilieren sich Unternehmer bei ihren Fach- und Führungskräften. Die Beiträge können für Chef und Mitarbeiter sogar komplett abgabenfrei bleiben. Mit welchen Tarifen Firmen bei Arbeitnehmern punkten.

 

Schweißtreibend, aber mit Spaß bei der Sache: Zehn Mitarbeiter der Firmen Reich Thermoprozesstechnik GmbH und der E.F. Blechbearbeitung e.K. joggten beim letzten Albmarathon nach fünf Stunden durch das Ziel. Für die Strecke von 50 Kilometern waren die drei Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen zu überwinden. Das Team der beiden Partnerfirmen, die Anlagen zur Lebensmittelveredlung entwickeln und herstellen, nahm zum ersten Mal am Stafettenlauf teil.

Events dieser Art stärken nicht nur den Zusammenhalt, sondern sind elementarer Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei Reich. „Uns liegt die psychische und physische Gesundheit unserer Mitarbeiter am Herzen“, sagt Kristin Riedrich, Kaufmännische Leiterin bei Reich.

Das mittelständische Unternehmen in Schechingen im Ostalbkreis bietet seinen mehr als 100 Beschäftigten diverse Extras, etwa wöchentliche Teilnahme an einem Sportprogramm, kostenlose Getränke, frisches Bio-Obst, Büros mit höhenverstellbaren Schreibtischen – Prävention ist der Geschäftsführung wichtig.

 

Unterstützung bei Vorsorgeuntersuchungen

Als einen besonderen Baustein sieht die Führungsspitze hier die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Die Mitarbeiter sind bei der Versicherungskammer Bayern zusätzlich privat abgesichert – komplett vom Arbeitgeber finanziert.

Die Police deckt zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen, Sehhilfen, Hörgeräte oder Zahnimplantate ab, bis hin zur Chefarztbehandlung im Krankenhaus. Reich will das Team damit aktiv bei Vorsorgeuntersuchungen und medizinischen Extras unterstützen, „für die in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen nicht aufkommen“, so Riedrich.

Laut einer Statistik des Bundesverbands privater Krankenversicherungen in Berlin haben etwa 10.200 Unternehmen für rund 820.000 Beschäftigte in Deutschland eine vom Arbeitgeber finanzierte betriebliche Krankenversicherung abgeschlossen. „Die Arbeitnehmer profitieren hier von einem erweiterten Versicherungsschutz, der zudem aufgrund der Gruppenverträge problemlos ohne Wartezeiten und Gesundheitsprüfung gewährleistet wird“, sagt Florian Reuther, PKV-Verbandsdirektor.

Das bringt nicht nur den Mitarbeitern einen Mehrwert, die aufgrund von Vorerkrankungen sonst keine Zusatzversicherung mehr privat abschließen könnten oder die laufende Behandlungen selbst bezahlen müssten. „Wir versichern das Kollektiv und berechnen für jeden Arbeitnehmer abhängig vom gewählten Tarif den gleichen Beitrag“, sagt Rainer Ebenkamp, bKV-Experte der Gothaer Krankenversicherung in Köln.

 

Steuerfreie bKV-Beiträge

Unternehmer können die Beiträge steuer- und sozialabgabenfrei übernehmen, falls bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. Das ist neu seit diesem Jahr. Die Freigrenze inklusiver anderer Extras wie etwa Tankkarten liegt bei 44 Euro im Monat je Mitarbeiter – dies entspricht dem sogenannten Sachbezugswert.

„Die Neuregelung ist für Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen interessant und hat einen zusätzlichen Schub in die betriebliche Krankenversicherung gebracht“, sagt Gerold Strebel, Hauptabteilungsleiter Firmenversicherung der Versicherungskammer Bayern. Wichtig ist, dass die Zuwendung ausschließlich als Versicherungsschutz und nicht als Geldleistung gewährt wird.

Zumeist entscheiden sich die Firmen neben dem Rahmenvertrag, den der Arbeitgeber allein finanziert, für einen weiteren. „Über diesen können Mitarbeiter für sich und Familienangehörige Tarife eigenfinanziert abschließen. Neben dem Verzicht auf Wartezeiten ist bei Familienangehörigen auch der Verzicht auf eine Gesundheitsprüfung möglich“, erläutert Ebenkamp.

 

bKV-Tarife nach dem Baustein-Prinzip

Je nach Leistungsumfang greifen die vom Chef bezahlten Tarife bei fast allen Anbietern ab fünf Mitarbeitern, bei umfangreicherem Schutz mit Chefarztbehandlung im Krankenhaus ab zehn Versicherten. Die Allianz unterscheidet elf arbeitgeberfinanzierte Tarife, die nach dem Bausteinprinzip ausgewählt werden. Ab zehn versicherten Mitarbeitern sind diese frei kombinierbar, kleinere Betriebe ab fünf Beschäftigten können feste Pakete buchen.

Der Vorsorgebaustein kostet beispielsweise 8,61 Euro im Monat. Er deckt laut Allianz Vorsorgeleistungen im Wert von etwa 1.900 Euro alle 24 Monate ab, die von der gesetzlichen Krankenkasse meist nicht übernommen werden. Der Beitrag für Zahnvorsorge liegt bei 7,33 Euro im Monat, der für den Status Privatpatient im Krankenhaus bei  24,79 Euro.

„Im Mittelwert geben Arbeitgeber bei uns für jeden Mitarbeiter etwa 25 bis 35 Euro im Monat aus. Wir rechnen jedoch künftig mit höheren Beträgen aufgrund der neuen steuerlichen Vorteile“, sagt Alexander Braas, Leiter Firmenkundenvertrieb der Allianz Private Krankenversicherung. Die Basisvariante bei der Gothaer Versicherung gibt es bereits für unter fünf Euro im Monat, die dann zum Beispiel Vorsorgeschutz abdeckt.

 

Versicherungsumfang flexibel auswählen

Im Markt wird grundsätzlich zwischen Kompakttarifen und den Bausteinvarianten unterschieden. Bei Letzteren wird für jede Leistung ein eigener Tarif angeboten. Der Unternehmer kann also nach seinen Wünschen flexibler den Versicherungsumfang auswählen.

„Für vergleichbaren Versicherungsschutz sind aber erstens mehrere Tarife erforderlich, was für den Arbeitgeber verwaltungsaufwendiger ist. Und zweitens sind Bausteinlösungen wegen fehlendem internen Risikoausgleich in Summe auch eher teurer und weniger beitragsstabil“, sagt Gerold Strebel von der Versicherungskammer Bayern. Viele Firmen präferieren die Kompaktangebote.

„Arbeitgeber sollten sich für einen Versicherer entscheiden, dessen Angebot und Leistungen die Mitarbeiter schnell erfassen und verstehen können“, rät Allianz-Experte Braas. Hintergrund: Die private Krankenversicherung gilt als erklärungsbedürftiges Produkt.

Den Mitarbeitern muss erläutert werden, welche Leistungen übernommen werden und welche nicht gedeckt sind. Dies kann zum Beispiel in einer Informationsveranstaltung geschehen.

 

Den Tarif erläutern und erklären

Die Gothaer Versicherung installiert bei Bedarf für das Unternehmen auch ein eigenes Gesundheitsportal, mit allen relevanten Daten und Fakten zum jeweiligen betrieblichen Krankenversicherungsschutz. Außerdem geben die Gesellschaften entsprechende Gesundheitskarten aus, die beispielsweise im Krankenhaus für die Behandlung als Privatpatient vorgelegt werden. Die Erstattung der Arztrechnung läuft dann am Ende ausschließlich zwischen den Mitarbeitern und dem jeweiligen Versicherer.

Als die Geschäftsführung von Reich Thermoprozesstechnik vor zwei Jahren den betrieblichen Krankenversicherungsschutz abgeschlossen hat, gab es zu Anfang öfters Irritationen. Die Mitarbeiter waren sich nicht bewusst, dass sie im ersten Schritt von der Versicherung Post bekommen und ein Formular unterschreiben müssen, um ihre Versichertenkarte zu erhalten.

„Neuen Kollegen erläutern wir das und die Vorteile der bKV im persönlichen Gespräch. Angesichts der umfassenden Leistungen sowie der unkomplizierten Belegabwicklung erhalten wir stets positive Resonanz“, sagt Kristin Riedrich.

Positive Resonanz auch bei Scanplus, ein auf Cloud-Dienstleistungen  spezialisiertes Unternehmen mit eigenen Rechenzentren in Ulm: Seit drei Jahren sind die 200 Mitarbeiter über ihren Arbeitgeber zusätzlich krankenversichert. Vorsorgeuntersuchungen, professionelle Zahnreinigung oder Schutzimpfungen sind eingeschlossen.

Pflegezusatzversicherung bei Henkel

„Unsere Mitarbeiter haben das Angebot sehr gut angenommen. Innerhalb von wenigen Tagen hatten alle die Formulare ausgefüllt und eingereicht“, sagt Firmenchef Andreas Werther. Die Beiträge trägt das Unternehmen vollständig, auch für die Familienangehörigen. „Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter bei uns wie in einer Familie fühlen und Verantwortung füreinander übernehmen“, so Werther.

Nicht nur mit Blick auf das Thema Gesundheit gewinnt die Zusatzversicherung für Mitarbeiter bei Unternehmen an Bedeutung. Der Düsseldorfer Henkel-Konzern erweist sich in einem weiteren Bereich als wegweisend: Er bietet seinen Mitarbeitern neben bAV und bKV seit zwei Jahren auch eine betriebliche Pflegezusatzversicherung an.

Immerhin werden jede zweite Frau und jeder dritte Mann in Deutschland eines Tages pflegebedürftig. „Doch trotz des offensichtlichen Risikos sorgen die wenigsten Menschen für diesen Fall zusätzlich vor“, sagt Martina Baptist, Head of Compensation, Benefits & Pension Management für Deutschland und die Schweiz. „Wir von Henkel haben für unsere Beschäftigten diese Vorsorgelücke nun geschlossen.“

Bereits 90 Prozent der Henkel-Mitarbeiter in Deutschland verfügen über die Pflegezusatzversicherung Careflex. Das greift nun die komplette Chemiebranche auf: Mit Start ab Juli 2021 haben die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband der Chemischen Industrie (BAVC) für alle Tarifbeschäftigten die Pflegezusatzversicherung beschlossen.