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Creditreform

Der April als statistisch bester Aktienmonat brachte auch in diesem Jahr steigende Kurse – allerdings hätten die Aufschläge kräftiger ausfallen können. So blieb unser Trendsignal negativ. Und dann brachte der Mai wieder deutliche Abschläge, was ebenfalls zur Statistik passt: Die Periode Mai bis September war in den vergangenen sechs Jahren stets problematisch mit teilweise kräftigen Kursrücksetzern. Sollte das auch in diesem Jahr wieder der Fall sein, obwohl bereits das Winterhalbjahr so schwach war?

Schauen wir auf unsere Signale: Bekanntlich achten wir auf folgende Entwicklungen:

a) die Zinsstruktur („lange“ minus „kurze“ Zinsen) im gleitenden Durchschnitt,
b) das Trendsignal der Aktienindizes, repräsentiert durch den Nasdaq Composite, den Dow Jones Utility und den Dax sowie
c) die Mehrheit der Signale von fünf Indikatoren.

Wie also dürfte es nun weitergehen an den Märkten?

 

Zinsstruktur ⇑

Der geglättete Zinsabstand beträgt derzeit 0,48 Prozent – 0,11 Prozentpunkte weniger als vor einem Monat. Es signalisiert weiter einen leichten Konjunkturrückgang, der auch durch Rückgänge beim Ifo-Geschäftsklimaindex und beim US-Einkaufsmanagerindex bestätigt wird. Die Angst vor einer weltweiten Rezession bekommt damit wieder neue Nahrung, obwohl sie noch lange nicht droht.

Anleihezinsen ⇑

Ein rascher Zinsanstieg ist nicht in Sicht. Selbst die US-Zentralbank hält sich mit weiteren Zinsschritten zurück. Die Unternehmen bleiben dank der Nullzinspolitik der Zentralbanken entlastet – auch wenn die Sparer, die den Aktienmarkt scheuen, sowie Versicherungsgesellschaften Schwierigkeiten haben, ihr Geld renditeträchtig anzulegen.

Ölpreis ⇒

Ihn müssen wir vorläufig aus unserem System ausklammern. Ursprünglich galt ein steigender Wert als negativ für die Aktienmärkte. Seit der Ölpreis aber dermaßen niedrig ist, dass man sich eher darüber Gedanken machen muss, ob er nicht zu Pleiten bei Ölbohrfirmen und zu Liquiditätsproblemen bei arabischen Ländern und bei Großbanken führen könnte, wird sein Anstieg von den Börsen positiv interpretiert – und jede weitere Schwäche mit Kursabschlägen quittiert. Wir gewichten ihn bis auf weiteres neutral.

CRB-Index ⇑

Die Rohstoffpreise bleiben tief. Der CRB-Index liegt immer noch 20 Prozent unter seinem Vorjahresstand. Auch wenn die EZB gerne etwas mehr Inflation hätte, waren in der Vergangenheit höhere Inflationsraten stets eine Belastung für die Börse.

US-Dollar ⇓

Da sich die US-Zinswende nach oben weiter verzögert, hält der Abwärtstrend an. Freilich sollten die Belastungen für den europäischen Export nicht überschätzt werden: 2014 stand der US-Dollar noch wesentlich tiefer und die Unternehmen haben es gut verkraftet.

Saisonfaktor ⇓

Dieser Indikator ist seit dem letzten Freitag im April negativ, weil die Sommermonate traditionell eher schwächere Kurse bringen. Ein Vergleich: Daueranleger erzielten von Ende 1969 bis Ende 2015 im Dax eine Durchschnittsrendite von jährlich 6,4 Prozent. Wer jeweils die Monate Mai bis September ausließ, kam auf 8,6 Prozent.

Trendsignal ⇓

Für ein positives Signal benötigen wir hier vor allem ein 25-Wochen-Hoch im Nasdaq Composite. Doch die Hürde hängt momentan hoch: 5.048,49 Punkte müsste der US-Technologieindex Ende Mai oder Anfang Juni erreichen, um wieder ein Kaufsignal zu generieren.

 

Fazit

Unser Gesamtsystem gibt kein eindeutiges Kaufsignal mehr, rät aber auch noch nicht mehrheitlich zum Verkaufen. Anleger sollten daher Neukäufe meiden und ihr Engagement in Aktien vorläufig auf 50 Prozent reduzieren.